Tag des Baumes

Warum eine Lindenallee jetzt einen Förderverein hat

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Katja Engler
Der Vorstand um Vinzenz Graf von Baudissin (Mitte) des neuen Fördervereins. Rechts Alexander Graf von Kielmansegg, links Frank Schoppa.

Der Vorstand um Vinzenz Graf von Baudissin (Mitte) des neuen Fördervereins. Rechts Alexander Graf von Kielmansegg, links Frank Schoppa.

Foto: Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland

2020 saniertes barockes Gründenkmal in Seestermühe soll langfristig erhalten werden. Wie das gelingen soll.

Seestermühe.  Für den Denkmalschutz ist der vergangene Sonntag ein guter Tag gewesen: An diesem Internationalen Tag des Baumes ist in Seestermühe der Förderverein zum Erhalt der historischen Lindenallee Gut Seestermühe gegründet worden. Die Allee, um die sich der neue Verein bemüht, ist ein Gründenkmal. Initiiert hat die Vereinsgründung Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaften Pinneberger Baumschulland. Zusammen mit vielen Mitstreitern hatte er bereits mehr als 200.000 Euro beschafft, um das barocke Gartendenkmal 2019/20 grundlegend sanieren und Teile neu pflanzen zu lassen. Den größten Anteil von 80.000 Euro hatte die Bingo Umweltlotterie beigesteuert.

Die Gründungsversammlung wählte Vinzenz Graf von Baudissin aus Neuendorf zum Vorsitzenden, Axel Huckfeldt aus Horst ist sein Stellvertreter im Förderverein, der bereits die Anerkennung zur Gemeinnützigkeit beantragt hat.

Lindenallee ist seit 300 Jahren im Familienbesitz

„Der gegründete Förderverein wird unsere Bemühungen zum Erhalt dieses wertvollen regionalen Kulturgutes verstetigen“, sagt Frank Schoppa. „Ich bin sehr froh, dass sich nun vor Ort lokale Akteure um die Allee kümmern. Damit haben wir unseren Auftrag erfüllt.“

Die doppelte Lindenallee auf dem im Familienbesitz befindlichen Gut Seestermühe ist rund 300 Jahre alt. Sie ist Teil einer barocken Gartenanlage, die der Heimatbund Schleswig-Holstein 2010 als eine der schönsten Alleen des Landes prämiert hat.

Auch Alexander Graf von Kielmansegg freut sich über die Entwicklung: „Die Allee ist eine wichtige Verbindungsachse für die Seestermüher Bürger und den Tourismus. Wir begrüßen die Gründung des Fördervereins sehr. Er wird für uns eine große Unterstützung sein, die Lindenallee nachhaltig zu pflegen und zu erhalten.“

Die von Kielmanseggs haben als Eigentümerfamilie die Lindenallee „über Generationen mit großem Engagement gepflegt“, sagt Alexander Graf von Kielmansegg. „In der Generation meiner Eltern sind in den Jahren 1989 sowie 2004 zwei große Maßnahmen zur Erhaltung durchgeführt worden. Außerdem war eine jährliche Pflege der Bäume bestehend aus dem Rückschritt des Auswuchses sowie der Pflege des Mittelrasens zu leisten.“ Allein für diese sich jährlich wiederholenden Arbeiten habe seine Familie in den vergangen Jahren um die 10.000 Euro pro Jahr ausgeben müssen. Dazu zählte, wie gerade wieder, das Ausbaggern des mittleren Wassergrabens.

National bedeutsames Kulturdenkmal

„Das Kulturdenkmal ist national bedeutsam“, so die Einordnung der Landesdenkmalpflegerin Margita Meyer. „Neben Jersbek und Wensin ist Seestermühe eines der wenigen adeligen Güter im Lande, die ihre architektonisch-geometrische Überformung aus dem 18. Jahrhundert weitgehend erhalten haben.“

Vor der umfassenden Sanierung im vergangenen Jahr war das verborgene, gleichwohl öffentlich zugängliche Kleinod barocker Gartenbaukunst, das einst der Gartenbauarchitekt Trophim Samaschikoff entworfen hat, akut vom Verfall bedroht. Um 1700 hatte es der königlich-dänische Diplomat Hans Hinrich von Ahlefeldt errichten lassen. Er besaß außerdem Haseldorf und Haselau.

Seit dem Jahr 1752 ist das Gut Seestermühe mit sämtlichen Gartenanlagen im Besitz der Grafen von Kielmansegg, die sie vollendet haben. Die Familie betreibt ringsum Ackerbau und verwaltet das Gut, die Gräfin Gisela von Kielmansegg, Mutter des jungen Grafen Alexander, schneidet noch immer selbst die vielen Rosenstöcke vor dem Gutshaus.

Neben der Allee erwächst nun ein Blühstreifen

Mehr als die jährliche Pflege kann die Familie nicht leisten, die sich außerdem bemüht, die historischen, mitten im Marschland ständig von Feuchtigkeit bedrohten Gebäude zu erhalten. Der ehemals größere Barockgarten hatte seine Glanzzeit im 18. Jahrhundert. Damals wandelten adelige Damen in galanter Gesellschaft die rund 700 Meter lange Lindenallee entlang, von der noch immer viele Bäume stehen. Ihr Teegeschirr, so erzählt die Gräfin von Kielmansegg, wurde damals vorab auf einem Wagen in das kleine Teehaus am anderen Ende der Allee gebracht. Ihr vorgelagert sind zwei Wasserbecken.

Als historisch verbrieft gilt, dass der Norddeutsche Hans Hinrich von Ahlefeldt als Diplomat und Kammerherr des dänischen Kronprinzen diesen auf seine Auslandsreisen begleitete. Er lernte dadurch die Gärten von Versailles und Chantilly kennen, durch die die bescheidene Seestermüher Anlage inspiriert war. Noch heute werden in Versailles die Linden in Form geschnitten, wird die Natur nach Menschenwillen geformt.

Auch die Grafen von Kielmansegg gehen mit der Zeit und interessieren sich für ökologische Belange: Um den jungen neu gepflanzten Bäumen die Konkurrenz zu nehmen und die Schönheit der Allee mehr zur Geltung zu bringen, haben sie laut dem jungen Grafen Alexander zu Kielmansegg „in Eigenarbeit einen acht Meter breiten Waldstreifen gerodet, auf dem noch in diesem Jahr ein Blühstreifen entstehen soll“. So wird Seestermühe eine große Blühwiese erhalten – und es wird bestimmt nicht die letzte sein.

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