Kreis Pinneberg

Verteidiger in Quarantäne – Mordprozess stockt

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Arne Kolarczyk
Der Angeklagte Maxim R. beim Prozessauftakt im März zwischen seinen Anwälten. Siegried Schäfer (r.) ist zurzeit in Quarantäne, nur Pflichtverteidigerin Katja Münzel steht dem 33-Jährigen zur Seite.

Der Angeklagte Maxim R. beim Prozessauftakt im März zwischen seinen Anwälten. Siegried Schäfer (r.) ist zurzeit in Quarantäne, nur Pflichtverteidigerin Katja Münzel steht dem 33-Jährigen zur Seite.

Foto: Arne Kolarczyk

Zwei von drei Rechtsanwälten fallen aus, Hauptzeugen der Bluttat in Elmshorn-Hainholz können nicht vernommen werden.

Elmshorn/Itzehoe.  Die Riege der Verteidiger war Freitag stark ausgedünnt. Dem Elmshorner Maxim R., der sich seit dem 11. März vor dem Landgericht Itzehoe wegen Mordes an Viktor W. (32) in einem Park in Elmshorn-Hainholz verantworten muss, stand am achten Verhandlungstag nur Pflichtverteidigerin Katja Münzel zur Seite. Gegen seinen Hauptanwalt Siegfried Schäfer hatte das Gesundheitsamt eine häusliche Quarantäne verhängt, der zweite Wahlverteidiger Christopher Braun fehlte offenbar wegen einer Fortbildung.

Keine idealen Voraussetzungen, um das Verfahren fortzusetzen, fand der Angeklagte – und ließ nach einer Konsultation mit Münzel die Pflichtverteidigerin Widerspruch einlegen. „Der Mandant hält seine Interessenvertretung nicht für ausreichend“, so Münzel. Anwalt Schäfer sei Hauptansprechpartner des 33-Jährigen – und der fühle sich in Abwesenheit seines „Chefanwalts“ schlecht verteidigt. „Herr Schäfer legt die Verteidigungslinie fest, ich fungiere nur als unterstützende Begleitung“, so Münzel. Sie habe zwar das Mandat bereits mit der Verhaftung des Angeklagten im September 2020 übernommen, jedoch bis zur Einschaltung des Wahlverteidigers im Februar dieses Jahres eine andere Strategie verfolgt.

Daher beantragte Münzel im Namen ihres Mandanten, bis zur Rückkehr Schäfers aus der Quarantäne am 4. Mai das Verfahren zu unterbrechen. „Das Gericht hat wenig Termine frei, es muss weitergehen“, befand dagegen die Staatsanwältin Maxi Wantzen. Und auch Richter Johann Lohmann machte klar: „Die Verhinderung des Wahlverteidigers löst keinen Anspruch auf Verlegung des Verfahrens aus.“ Entscheidend sei, dass der Angeklagte weiter verteidigt wäre – und das sei durch die Pflichtverteidigerin gegeben.

Dennoch benötigten Lohmann und seine Richterkollegen im Anschluss zweieinhalb Stunden, um den Widerspruch der Verteidigung rechtssicher zurückzuweisen. Und beim Verlesen dieses Beschlusses stellte der Richter fest, dass das falsche Exemplar ausgedruckt worden war, sodass erneut unterbrochen werden musste. Mit dreistündiger Verspätung konnte dann der erste Zeuge vernommen werden. Lohmann hat aufgrund der coronabedingten Verhinderung der Verteidigung die Reihenfolge der Zeugen verändert, Hauptzeugen wie die Ex-Frau des Angeklagten kommen erst dran, wenn die Verteidigung wieder vollständig ist.

Daher war etwas unverhofft Artim K. (30) an der Reihe. Er war seit 20 Jahren ein guter Freund des Mordopfers – und bekam mit, als sich Viktor W. etwa drei Monate vor seinem Tod in Ella R., die Ex-Frau des Angeklagten, verliebte. „Für Viktor war es etwas Ernstes.“ Doch Maxim R. habe ihn regelrecht terrorisiert. „Er war hinter Viktor her, wollte ihm an den Kragen.“ Der habe ihm erzählt, dass Maxim R. auch bei den vorherigen Freunden seiner Ex Ärger gemacht hat. „Die sind laut Viktor spätestens nach 14 Tagen abgehauen, weil sie das nicht ausgehalten haben.“

Viktor habe sich jedoch nicht vertreiben lassen wollen. Er habe selbst Kinder gehabt und sei auch mit den drei Kindern von Ella R. gut ausgekommen. „Die beiden waren glücklich“, so Artim K.. Er habe Viktor angeboten, zu Maxim R. zu fahren, um die Sache ein für alle Mal zu klären. „Er wollte das aber nicht. Viktor war ein Mensch, der jedem Ärger aus dem Weg gegangen ist.“ Er habe Angst vor dem Angeklagten gehabt und sich einen Totschläger besorgt. „Ich habe ihm gesagt, er soll das Ding nehmen und ihm richtig auf den Kopf hauen, aber ich glaube nicht, dass er das gemacht hätte.“

Lukas B. (28) von der Mordkommission hat Handys des Angeklagten ausgewertet. Zweimal habe der in der Tatnacht zum 23. September den Wohnort des Opfers gesucht – und die gesamte Nacht das Handy intensiv genutzt. „Es gab nur eine Lücke zwischen 3 und 4.30 Uhr“. In dieser Zeit ereignete sich in der Grünanlage der brutale Mord. Die Kammer hat bis Mitte Juni Verhandlungstage angesetzt.

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