Kreis Pinneberg

VR-Bank stellt Filialen auf den Prüfstand

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Burkhard Fuchs
Zufrieden mit der Entwicklung der VR Bank: die Vorstandsmitglieder Stefan Witt (v.l.), Andreas Jeske, Ingmar Kampling und Uwe Augustin.

Zufrieden mit der Entwicklung der VR Bank: die Vorstandsmitglieder Stefan Witt (v.l.), Andreas Jeske, Ingmar Kampling und Uwe Augustin.

Foto: VR Bank in Holstein / Burkhard Fuchs

Die Digitalisierung im Bankgeschäft schreitet voran. 27 Geschäftsstellen gibt es noch. Die Frage ist: Wie lange?

Kreis Pinneberg.  Die Corona-Krise verstärkt offenbar auch den Trend zur Digitalisierung im Bankenwesen. So hat der Vorstand der VR Bank in Holstein jetzt bei seiner Bilanz-Videokonferenz zum Geschäftsjahr 2020 angekündigt, alle seine zurzeit 27 Geschäftsstellen auf den Prüfstand ihrer Wirtschaftlichkeit zu stellen. „Wir sind noch in der Analyse“, sagte Vorstandsmitglied Andreas Jeske. Alle zwei Jahre werde diese Prüfung vorgenommen. „Wie viele es sind, wissen wir noch nicht.“ Unmittelbar nach dem ersten Lockdown vor einem Jahr seien bereits die kleineren Filialen in Weddelbrook und Wakendorf II im Kreis Segeberg geschlossen worden.

Die VR Bank in Holstein ist 2019 aus der Fusion der Volksbank Pinneberg-Elmshorn mit der Raiffeisenbank Bad Bramstedt-Henstedt-Ulzburg hervorgegangen. Sie wurde damit zur zweitgrößten der seinerzeit noch 34 Genossenschaftsbanken in Schleswig-Holstein. Zuvor hatte die Volksbank Pinneberg-Elmshorn 2017 jede dritte ihrer damals 21 Geschäftsstellen mit 20 Mitarbeitern geschlossen. „Die Menschen stimmen mit den Füßen ab“, begründete Vorstand Stefan Witt diesen Einschnitt seinerzeit. Witt gehört jetzt mit Uwe Augustin, Ingmar Kampling und Jeske dem Vierer-Vorstand der VR Bank in Holstein an. Seit 2009 habe sich die Kundenfrequenz in den Geschäftsstellen quasi halbiert.

Dieser Trend scheint weiter anzuhalten und durch die Corona-Krise verstärkt worden zu sein. So würden inzwischen 60 Prozent ihrer 116.273 Kunden das Onlinebanking bei der VR Bank nutzen, führte Vorstand Jeske aus. 70 Prozent zahlten heute beim Einkaufen bargeldlos. „Das Bargeld ist rückläufig.“

So könnte künftig die Geschäftsstelle im Elmshorner Koppeldamm den Weg in die Zukunft weisen, so Jeske weiter. Diese Filiale sei im vorigen Jahr renoviert und ohne eine eigene Kasse ausgestattet worden. Bargeld gibt es dort nur am Automaten. „Diese kassenlose Geschäftsstelle funktioniert gut. Wir machen dort nur Beratung“, so Jeske. „Dieser Pilot“ könnte Schule machen.

Zudem soll das digitale Geschäft weiter ausgebaut werden. Dazu diene in erster Linie die Filiale in Schenefeld in der Blankeneser Chaussee. Dort würden auf zwei Stockwerken 13 Mitarbeiter das „Kunden-Dialog-Center“ leiten, also die Anrufe und Anfragen der Kunden telefonisch und online beantworten. 20.000 Kundenanfragen würden dort jeden Monat innerhalb von drei bis vier Minuten zu 60 Prozent abschließend beantwortet, erläuterte Vorstand Jeske. „Die Wartezeit für die Kunden beträgt im Durchschnitt weniger als eine halbe Minute.“

Die VR Bank in Holstein beschäftigt nach Angaben des Vorstandes zurzeit 471 Mitarbeiter, von denen sich 29 in der Ausbildung befinden. Zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses der beiden Genossenschaftsbanken waren es noch 496 Mitarbeiter. Die Personalaufwendungen stagnieren seit vier Jahren bei rund 29 Millionen Euro. „Wir suchen aber aktuell Mitarbeiter“, so Vorstand Witt. Vor der Fusion hatte er vor der Presse gesagt: „Wir brauchen jeden Mann und jede Frau, alle Mann an Bord. Deswegen wird es auch keine Mitarbeiter-Abgänge und Filialschließungen geben.“

Das veränderte Kundenverhalten zeigt auch Auswirkungen auf die bauliche Struktur der Geschäftsstellen. So soll die erst vor 15 Jahren in Pinneberg errichtete Hauptgeschäftsstelle, die Zentrale der VR Bank in Holstein, bis zum nächsten Jahr modernisiert werden. „Sie ist in die Jahre gekommen“, urteilt Jeske und kündigt an, dass zwischen zwei und vier Millionen Euro dafür aufgewendet werden sollen. Das dortige Nutzungskonzept entspräche nicht mehr dem heutigen Zeitgeist, begründet Vorstand Witt. Die Kundenbereiche seien im Verhältnis zu den Büro- und Beratungsräumen zu groß gestaltet worden. „Wir müssen uns auf die neuen Arbeitswelten einstellen.“ Da verändere sich zurzeit vieles. Auch bei der VR Bank, die alle ihre Mitarbeiter mit Laptops ausgestattet habe, damit diese auch von zu Hause aus arbeiten könnten.

Wirtschaftlich habe die Corona-Krise noch nicht zur befürchteten „Pleite-Welle“ geführt, sagt Vorstand Jeske. „Wir müssen abwarten.“ Gleichwohl hätten 300 Firmenkunden über die VR Bank Liquiditätshilfen bei Förderbanken in einer Gesamthöhe von 38,7 Millionen Euro beantragt. 261 Kunden hätten Kredittilgungen von insgesamt 53,4 Millionen Euro stunden lassen.

Bei den Privatkunden habe die ungewisse Zukunftsaussicht dazu geführt, dass sie ihr Geld vermehrt auf die hohe Kante legen. So hat die Sparquote mit 16,3 Prozent einen neuen Höchststand erreicht, sagte Vorstand Jeske. „Das war noch nie da. Das hat mit Verunsicherung zu tun.“ Zudem sei das Aktien- und Wertpapiergeschäft explodiert. „Das hat sich im Jahr 2020 auf 430 Millionen Euro verdoppelt“, sagt Vorstand Witt.

Die weiterhin sehr niedrigen Zinsen und steigenden Immobilienpreise kurbelten die Baufinanzierungen weiter an. So haben 1074 Hausbauer in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Segeberg über die VR Bank in Holstein ihre eigenen vier Wände finanziert. Und auch die Genossenschaftsbank selbst investiert ihr Geld in Betongold. So entstehe in Bönningstedt gerade ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit integrierter Bankfiliale mit 15 Wohneinheiten. In Quickborn sei direkt neben der Geschäftsstelle in der Kieler Straße ein ähnlicher Neubau geplant.

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