Kreis Pinneberg

Altlastenexperte für den Elmshorner Stadtumbau

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Kitty Haug
Tobias Gehle (46) ist Leiter des neuen Amtes für Projektentwicklung in Elmshorn.

Tobias Gehle (46) ist Leiter des neuen Amtes für Projektentwicklung in Elmshorn.

Foto: Morten Planer

Bauingenieur Tobias Gehle, Leiter des Amts für Projektentwicklung in Elmshorn, hat zuvor im Hafen gearbeitet.

Elmshorn.  Er ist der Neue in Elmshorns neuem Amt für Projektentwicklung, das in diesem Monat gegründet worden ist (wir berichteten), und er wird sich insbesondere mit dem Stadtumbau beschäftigen: Tobias Gehle. Wer ist er, und was genau sind seine Aufgaben?

Gehle lebt seit 15 Jahren in der Region. Er studierte in Dresden an der Technischen Universität Bauingenieurswesen. Über verschiedene Stationen kam der vierfache Familienvater 2007 zur Hamburger Hafenbehörde HPA (Hamburg Port Authority). Die HPA betreibt seit 2005 ein zukunftsorientiertes Hafenmanagement aus einer Hand. Als Anstalt öffentlichen Rechts ist sie verantwortlich für effiziente, ressourcenschonende und nachhaltige Infrastrukturprojekte im Hafen. Gehle leitete dort große Hafenbauprojekte, bei denen er unter anderem mit Altlastensanierung und Kampfmittelbekämpfung zu tun hatten. Wie beispielsweise 2013 bei der Errichtung einer riesigen, künstlichen Elbebucht bei Kreetsand an der Norderelbe bei Wilhelmsburg. Ein neuer, naturnaher Flutraum entstand, um den heftigen Strom der Unterelbe zu beruhigen. Dort lagerte über den Sand- und Kleischichten ein Altspülfeld mit belastetem Hafenschlick, das vor Ort analysiert, sortiert und auf spezielle Deponien gebracht werden mussten.

2014 internationalen Preis gewonnen

Das Pilotprojekt „Flachwassergebiet Kreetsand“ der HPA unter Gehles Leitung erhielt 2014 in San Francisco den international renommierten Pianc-Award „Working With Nature“. Pianc ist eine der ältesten weltweit tätigen technisch-wissenschaftlichen Vereinigungen des Hafen- und Wasserstraßenbaus und der Schifffahrt im See- und Binnenbereich. Mit ihrer „Working With Nature“-Initiative verfolgt Pianc das Ziel, integrierte Ansätze für nachhaltige Infrastruktur-Projekte an Wasserstraßen zu würdigen und zu fördern. An dem Wettbewerb beteiligten sich innovative Projekte, die Interessen von Wirtschaft und Umwelt auf gewinnbringende und intelligente Weise miteinander verbinden.

Gehles Biografie zeigt: Mit großen Projekten kennt sich der neue Mann für den Stadtumbau aus. Nicht grundlos soll Elmshorns neuer Amtsinhaber jetzt die zentralen Großprojekte in der Stadt voranbringen. Dazu zählen das Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen, der Umbau des Bahnhofs und der Gewerbepark Bokhorst. Gehle hat die Aufgabe, Schnittstellen zu anderen Ämtern auf das Nötigste zu reduziert und damit den Abstimmungsaufwand zu minimieren. Denn der Stadtumbau in Elmshorn erweist sich als ein sehr großes Projekt, das für den Baustadtrat „allein so nebenbei nicht zu stemmen ist“, sagt Gehles Chef Lars Bredemeier, der 2019 als Stadtbau-Beschleuniger nach Elmshorn gekommen ist. Viele Planungen seien zwar im Endstadium, sie kämen aber nur langsam in die Umsetzung, denn es fehle an einer Koordinierung, und genau dafür sei Gehle qualifiziert, so Bredemeier.

Die Stellenausschreibung kam Gehle gelegen, denn der 46-Jährige lebt ein paar Kilometer weiter in Barmstedt. „Jetzt ist der Arbeitsweg kürzer, ich habe mehr Zeit für meine Familie“, sagt er. Auch auf die spannenden Aufgaben und den unkomplizierten Umgang mit den neuen Kollegen freue er sich.

Einen ersten Rundgang durch das Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen hat Gehle schon gemacht. „Das haben wir ihm bei einem Rundgang an seinem ersten Tag gezeigt“, erklärt Bredemeier. Den Sanierungen sieht der Neue mit Spannung und Interesse entgegen. Die Möglichkeit, die bestehende industriell geprägte Bausubstanz wie etwa die Knechtschen Hallen mit neuer Architektur zu verbinden, verspreche eine spannende Aufgabe zu werden, erklärt Gehle.

Aber auch der Umbau des Bahnhofs in Elmshorn liegt dem Ingenieur sehr am Herzen. Denn als wichtiger Verkehrsknotenpunkt sorgt dieser regelmäßig für Komplikationen im Bahnbetrieb. „Ich kenne die Situation dort sehr gut, denn ich bin viele Jahre als Pendler über Elmshorn nach Hamburg gefahren“, so Gehle.

Die Entscheidung für den Stadtumbau West fiel bereits im Jahr 2011. Das ehrgeizige Ziel lautet, das historische Industrieviertel als attraktive Innenstadterweiterung mit neuen Dienstleistungen, Wohngebäuden und schönen Plätzen auszustatten. Das Gebiet soll sich zu einem urbanen Quartier entwickeln. Auf der Internetseite stadtumbau-elmshorn.de unter der Marke „Stadt.Land.Fluss“ finden sich alle Pläne und bereits erreichte Ziele auf einen Blick.

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