Kreis Pinneberg

Geldautomatensprengung: Urteil wieder vertagt

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Trümmerfeld: Die Elmshorner Commerzbank-Filiale am Morgen nach dem Anschlag Ende Mai 2020.

Trümmerfeld: Die Elmshorner Commerzbank-Filiale am Morgen nach dem Anschlag Ende Mai 2020.

Foto: Arne Kolarczyk

Bei Verhandlung am Montag tauchen weitere offene Punkte auf. So ist die Höhe des Schadens in der Commerzbank Elmshorn unklar.

Elmshorn/Itzehoe.  Das Stöhnen der Angeklagten war nicht zu überhören. Und die Schimpfkanonade, die Mauro B. losließ, auch nicht. „Seit elf Monaten sitze ich in Haft, und jetzt kommen die mit diesem Schwachsinn“, ließ der 23-Jährige Niederländer seiner Wut freien Lauf. Vor dem Landgericht Itzehoe wurde am Montag eines deutlich. Nicht nur die beiden Angeklagten Mauro B. (23) und Samet A. (28), die am 28. Mai vergangenen Jahres einen Geldautomaten der Commerzbank Elmshorn gesprengt haben sollen, sehnen das Ende des Prozesses vorbei.

Nachdem ein erstes Verfahren in dieser Sache im November und Dezember mit einem Verweis zur Neuverhandlung ans Landgericht endete, arbeiten die dortigen Richter seit Januar den Vorfall erneut auf. Am Montag waren die Kammer und die Verteidiger zu Beginn des zehnten Verhandlungstages guten Mutes, die Beweisaufnahme abschließen und die Schlussvorträge halten zu können. Nach mehr als fünfstündiger Verhandlung kam es nicht dazu. Jetzt müssen weitere Zeugen gehört werden.

Strittig ist die Höhe des Gebäudeschadens, der Folge der Sprengung ist. Die Commerzbank hat insgesamt elf Rechnungen dazu eingereicht, die der Vorsitzende Richter Johann Lohmann zum Ende der Beweisaufnahme verlesen wollte. Das wussten die Verteidiger Ole Baumann und Astrid Denecke zu verhindern. Sie zweifelten an, dass mehrere der Rechnungen – sie stammen teilweise aus dem Januar 2021 – im Zusammenhang zur angeklagten Tat stehen. Aufklären konnte das Gericht dies am Montag nicht, sodass zu diesem Punkt weitere Zeugenaussagen notwendig sind.

Ein zweiter offener Punkt kam am Montag kurzfristig dazu. Die Firma, die den gesprengten Automaten mit Geld bestückt hat, hatte in einer E-Mail die zum Zeitpunkt der Sprengung im Gerät vorhandene Summe konkretisiert – und damit für Verwirrung bei den Prozessbeteiligten gesorgt. Diese Angabe ist dafür wichtig, um die Höhe der Beute konkret benennen zu können. Zwar ist in dem Fluchtwagen und bei den Angeklagten eine sechsstellige Summe sichergestellt worden, jedoch gilt bisher ein mittlerer fünfstelliger Betrag als verschwunden. Für diese Summe müssten Mauro B. und Samet A. im Falle ihrer Verurteilung aufkommen – ebenso wie für den Schaden am Automaten und dem Gebäude.

Mauro B. hat über seinen Verteidiger eingeräumt, an der Sprengung des Geldautomaten beteiligt gewesen zu sein. Samet A., der in seinem Heimatland 13 Vorstrafen unter anderem wegen Diebstahls mit Waffen kassiert hat, will lediglich einen zweiten Fluchtwagen aus Holland herangeführt und diesen in Rellingen an die Automatensprenger übergeben haben. Weil diesen die Polizei schon dicht auf den Fersen war, habe nur einer der Täter mit dem Audi flüchten können. Er sei mit dem zweiten Täter Mauro B., der zwei Vorstrafen aufweist, zurückgeblieben und mit ihm zu Fuß zum Friedhof geflüchtet, wo die Festnahme erfolgte.

Die Kammer hat den vorgesehenen Termin der Urteilsverkündung am 23. April aufgehoben. Der neue Zeitplan sieht einen Kurztermin am 3. Mai und einen ganzen Verhandlungstag am 10. Mai vor, an dem das Ende der Beweisaufnahme und die Plädoyers erfolgen sollen. Ein Urteil soll am 12. Mai fallen.

( kol )

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