Pinneberg

Erster Café-Besuch seit fünfeinhalb Monaten

| Lesedauer: 5 Minuten
Katja Engler
Bernd Jagdhuber (v. l.), Gitta Henning und Renate Jagdhuber haben es sich vor dem Café Cero an der Dingstätte in Pinneberg bequem gemacht.

Bernd Jagdhuber (v. l.), Gitta Henning und Renate Jagdhuber haben es sich vor dem Café Cero an der Dingstätte in Pinneberg bequem gemacht.

Foto: Katja Engler

Außengastronomie darf wieder öffnen. Aber längst nicht alle Wirte im Kreis Pinneberg nutzen die Möglichkeiten auch.

Kreis Pinneberg.  Der Kaffee dampft, der Milchschaum bildet einen weißen Tuff: Genüsslich rührt Bernd Jagdhuber aus Uetersen in seiner Tasse Cappuccino. Seine Frau Renate und er haben sich im Café Cero an der Dingstätte in Pinneberg mit ihrer Bekannten Gitta Henning verabredet, „um die Jungs hier zu unterstützen, denn die sind sehr sympathisch. Und der Kaffee ist super.“

Die vergangenen Monate haben sie sogar öfter vor dem Café gebibbert, sich aber trotzdem regelmäßig ihren Kaffee nach draußen reichen lassen. Dass sie jetzt endlich wieder auf einem Stuhl Platz nehmen dürfen, genießen sie sichtlich. Aber es sind nur wenige Gastronomen, die an diesem Montag nach Erlaubnis des Ministeriums geöffnet haben. Viele haben weiter zu, und dafür gibt es gute Gründe.

Marcel Weisrock gehört nicht dazu. Gemeinsam mit Karsten Bartsch ist er seit sieben Jahren Inhaber des Café Cero. Die Corona-Zwangspause haben sie genutzt, um den Gastraum zu vergrößern und die Arbeitsabläufe in der Küche und hinterm Tresen zu verbessern. „Wir haben lange überlegt, ob wir aufmachen, denn drei Tage später kann es ja wieder zu sein“, sagt er. Sie haben dann doch draußen die Sonnenschirme, Tische und Stühle aufgestellt, „das sind wir unseren Stammgästen schuldig. Denn ohne sie hätten wir das nicht geschafft. Manche von ihnen kommen jeden Tag her, andere einmal in der Woche“, sagt Weisrock.

Trotz Öffnungen weniger Umsätze

Jürgen Schumann, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Pinneberg, kann von sich sagen, dass er einen guten Überblick hat, weil er mit zahllosen Gastronomen im Kreis gesprochen hat. „Viele haben gesagt, dass die Zeit von Freitag bis Montag zu kurz ist, um Ware und die nötigen Mitarbeiter bereitzustellen. Wer seine Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holt, und dann wird wieder alles dichtgemacht, der erreicht, dass seine Leute von 80 Prozent auf 60 Prozent heruntergestuft werden. Das möchte keiner seinen Mitarbeitern antun“, sagt Schumann. Viele hätten auch wegen des Wetters weiter zu: „Sie versprechen sich nichts von einer Öffnung. Und selbst bei besserem Wetter wird es schwer genug, denn die Gäste werden noch verhalten und vorsichtig sein.“ Trotz Öffnung hätten die Gastronomen wegen der Abstandsregeln 40 Prozent weniger Umsatz gehabt. Auch seien die Hilfen von Januar bis März nicht überall geflossen: „Die Atmosphäre wird immer angespannter. Viele fürchten um ihre Existenz. Die sehen kein Land mehr. Das ist dramatisch. Und jetzt fürchten sie auch noch, dass die Leute nicht mehr kommen, weil sie durch die Politik so verunsichert sind.“

Das kann Jannis Geitsidis vom Rellinger Restaurant Rhodos nur bestätigen: „Bald muss damit Schluss sein. Ich glaube, die Regierung muss besser hinsehen. Viele Kollegen haben inzwischen pleite gemacht. Gute Leute, gute Köche. Ohne eigenes Verschulden. Das ist nicht fair.“ Er selbst hat draußen ein Zelt aufgestellt, unter dem er seit gestern sieben Tische stehen hat. Gäste können sich beim Rhodos über die Luca-App registrieren, „es fängt gut an, die Leute kommen, unsere Karte ist so wie immer, und unsere Stammgäste halten uns die Treue.“

Seine Pinneberger Kollegin Elena Papageorgiou, die das beliebte griechische Restaurant Elena am Pinneberger Fahltskamp betreibt, hat sich anders entschieden: „Ich öffne nicht, weil es noch zu kalt ist. Ich mache das, wenn das Wetter wieder gut ist und wenn klar ist, wie wir genau vorgehen sollen“, sagt sie. Bis dahin geht es weiter mit Abholung und Lieferung, die eh schon seit sechs Jahren nebenbei laufen.

Hotel Krupunder Park hat Mini-Beachclub eingerichtet

So bleibt es die kommenden etwa zwei bis drei Wochen auch beim Opposti am Pinneberger Rathaus: „Wir haben hier in Deutschland kein konstant gutes Wetter, deshalb ist es für Außengastronomie noch etwas früh“, sagt Iman Khosravi. Er kann außerdem aus familiären Gründen nicht öffnen, denn wenn geöffnet wird, dann möchte er das nur, wenn er anwesend sein kann.

Anders haben Aggi und Mario Meusel von Meusels Landdrostei entschieden. „Wir haben offen, denn wir sind ja sowieso da, und es ist für uns ein Minimum, draußen ein Kissen hinzulegen, Blumenkübel aufzustellen und die Schirme aufzuspannen. Die Leute wollen Bewegung, und wir haben mittlerweile so viel zu tun, dass wir gar nicht mehr alle in Kurzarbeit haben.“ Regelmäßig würden die Mitarbeiter sich testen, „wir sind alle total happy, dass überhaupt wieder etwas passiert“, sagt Aggi Meusel.

Julia Luchting hat in der Woche ihr Hotel Krupunder Park für Geschäftsreisende offen gehabt. Die Freiräume hat sie genutzt, um im Garten einen kleinen Strand mit sechs Strandkörben zum Mini-Beachclub auszubauen und eine Gin-Karte einzuführen. Am Wochenende soll es wieder hausgebackenen Kuchen geben, und mit den Füßen im feinen Sand schmeckt der Lachs mit Kartoffel-Salat-Gurken-Püree bestimmt noch besser.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg