Pinneberg

Kriegsmal am Bahnhof mit Parolen beschmiert

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Das Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof.

Das Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof.

Foto: HA

Wie hoch die Kosten für die Entfernung des Schmierereien ausfallen, ist noch unklar. Offener Brief an die Täter.

Pinneberg.  „Nazidenkmal“, steht in Großbuchstaben auf dem Kriegsmal an der Rockvillestraße vor dem Pinneberger Bahnhof. Auch „Nzs Bxn!“, kurz für „Nazis Boxen“ und „Fck Nzs“, also „Fuck Nazis“, ist mit roter Sprühfarbe an die im zweiten Weltkrieg errichtete Stele geschmiert. Gezeichnet von der „AFA PBG“ – mutmaßlich der Antifaschistischen Aktion Pinneberg. Das Geschmiere ist mit dem Zusatz „161“ versehen.

Ratsherr Manfred Stache von den Grünen & Unabhängigen hat einen offenen Brief an die Täter verfasst. Stache, der sich selbst als Antifaschist bezeichnet, kritisiert den „elitären Anspruch“ der Gruppe. Aus den Parolen schließt Stache, dass sie die Nazi-Stele entfernt sehen wollen. „Diese nach meiner Meinung naive Sichtweise ist an sich nicht verwerflich, gehört aber diskutiert“ – und zwar öffentlich. Die Sprüche zeigten außerdem „demonstrativ eine Nähe zu Praktiken von Parolen sprühenden Nazis“. Buchstaben mit Nummern zwecks Verschlüsselung zu ersetzen, ist vor allem unter Neonazis gebräuchlich.

„Außer dem Motiv des Antifaschismus entdecke ich absolut nichts Positives an Ihrer Aktion“, beendet Stache seinen Brief und bittet um anonyme Antwort.

„Das diskreditiert leider unsere Mahnmal-Ziele“, so Jochen Hilbert, Sprecher der Pinneberger Mahnmal-Initiative in einer spontanen Stellungnahme. Die Säuberung der Steine werde Steuergeld kosten, mehr habe die Aktion nicht bewirkt. Wofür? „Das alles, obwohl eine sehr seriöse Antwort bereits in Form von Künstlerentwürfen kurz vor der Jury-Entscheidung und Veröffentlichung steht!“, erinnert Hilbert.

Die Stadt Pinneberg hat nach einer Ortsbegehung am Mittwoch eine Kostenschätzung für die Säuberung erfragt. Da die Preise stark variieren, gibt es noch keinen Kostenrahmen.

Die Stele am Bahnhof wurde 1934 von der NSDAP errichtet und diente der Heroisierung der Soldaten des Ersten Weltkrieges. Im Juli 2020 beschloss der Stadtentwicklungsausschuss einstimmig, die „Nazi-Stele“ durch ein Gegendenkmal zu ergänzen – nach dem Entwurf einer Schülerin, betreut von zwei Künstlern (das Abendblatt berichtete). Der Bau ist in Planung.

( hspsw )

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