Uetersen

Woscheis erste Mission: Windkraft-Frieden

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Anne Dewitz
Dirk Woschei an seinem neuen Arbeitsplatz. Seit dem 1. April ist er der neue Bürgermeister im Uetersener Rathaus.

Dirk Woschei an seinem neuen Arbeitsplatz. Seit dem 1. April ist er der neue Bürgermeister im Uetersener Rathaus.

Foto: Anne Dewitz

Uetersens neuer Bürgermeister will Nachbarn vom Repowering überzeugen. Was er noch plant:

Uetersen.  Als SPD-Bürgermeisterkandidat war er im Wahlkampf am Infostand, auf Plakaten, Flyern und im Internet stets in dunklem Anzug, weißem Hemd und der immer gleichen roten Krawatte zu sehen. Der rote Schlips hat Signalwirkung. Ein Markenzeichen der Sozialdemokraten. Rot steht für Stärke und Selbstbewusstsein – und Macht. Dirk Woschei sagt, es sei ihm im Wahlkampf mit dem Outfit um Wiedererkennung gegangen. Nun ist die Wahl gewonnen und Woschei seit dem 1. April Uetersens neuer Bürgermeister.

„Jetzt im Alltag kommen auch andere Farben zum Einsatz – die rote Krawatte heute ist Zufall“, sagt der 42-Jährige bei einem Treffen im Rathaus. Er wolle als „allparteilicher Bürgermeister mit allen Fraktionen gut zusammenarbeiten“, verspricht Woschei. Darum legte er auch sein Ratsmandat sofort nieder, als klar wurde, dass er als SPD-Kandidat zur Bürgermeisterwahl antreten würde. Nun ist der Wechsel vom kommunalen Ehrenamt – Woschei war Vorsitzender des Uetersener Bau- und Verkehrsausschusses – in die hauptamtliche Tätigkeit als Leiter der Stadtverwaltung vollzogen. „Am Gründonnerstag war mein erster Arbeitstag“, sagt der neue Verwaltungschef der Rosenstadt. Bis Ende März hat er noch die Abteilung für grafische Umsetzungen im Marketing bei der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ geleitet. Der Abschied von den Kollegen nach fast zehn Jahren Zusammenarbeit war nur per Video möglich. Die Pandemie verhindert vieles. Auch auf die angekündigte Mitarbeiterversammlung im Rathaus musste Dirk Woschei beim Amtsantritt verzichten. Er wandte sich per Videobotschaft an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sich vorzustellen.

Woschei will für das Windkraft-Repowering werben

Einen Überraschungsbesuch gab es auch. Amtsvorgängerin Andrea Hansen (SPD) hatte ihre Vorgänger Wolfgang Wiech und Karl-Gustav Tewes (beide parteilos) zusammengetrommelt, um Dirk Woschei an seinem ersten Tag vor dem Rathaus gutes Gelingen zu wünschen. „Eine tolle Überraschung“, sagt Woschei. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann schaute vorbei, um den neuen Bürgermeister zu begrüßen. Anschließend ging auch schon die Arbeit los - mit einer Amtsleiterrunde. Per Video ließ sich Woschei über die aktuelle Corona-Lage informieren. „Es standen auch schon viele Unterschriften an. Das ging von Urkunden über Glückwunschkarten bis hin zu Ausschussunterlagen – die ganze Bandbreite“, sagt der gebürtige Itzehoer, der seit etwa zehn Jahren in Uetersen in der Innenstadt wohnt.

Nach der gewonnenen Wahl wurde er trotz Mundschutz, Mütze und Schal oft auf der Straße erkannt und angesprochen. „Auch im Rathaus wurde ich sehr gut aufgenommen“, sagt Woschei, dem der direkte Kontakt zu den Bürgern wichtig ist. „Man merkt sofort, dass hier ein sehr gutes Team arbeitet.“ In den kommenden Tagen und Wochen will er jeden Mitarbeiter persönlich aufsuchen, auch in den Außenstellen wie Schwimmbad, Betriebshof oder Museum.

Auf dem Fensterbrett seines neuen Büros stehen ein paar Dosen Chips. Für die habe er eine Schwäche, gestand er im Wahlkampf. Daneben Pflanzen und Glückwunschkarten, die er auch geschenkt bekommen hat. Ansonsten hat er in dem Büro, in dem ein paar Tage zuvor noch Andrea Hansen saß, noch nichts verändert. Vom Schreibtisch aus sieht er aus dem Fenster auf die Stadt, deren Verwaltung er die kommenden sechs Jahre führen wird. Oder länger. Wenn es nach ihm geht, dürfen es auch zwei oder drei Amtszeiten sein.

Sein Blick fällt auf die Windräder in der Ferne. Sie werden ihn in der nächsten Zeit noch beschäftigen. Für das Repowering gibt es in Uetersen politisch eine breite Mehrheit. Doch in den Nachbargemeinden regt sich Widerstand. Moorrege hat sich bereits dagegen ausgesprochen. „Ich bin zuversichtlich, dass ich im persönlichen Gespräch mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden Ängste entkräften und ein Einvernehmen erzielen kann“, sagt Woschei. Die Energiewende sei ein wichtiges Thema, die Veränderungen seien zumutbar. Den ersten Antrittsbesuch macht Woschei in der kommenden Woche aber in Tornesch, wo er sich Amtskollegin Sabine Kählert vorstellen möchte.

Mit dem Amt des Bürgermeisters gehen auch verschiedene Ehrenämter einher. Woschei ist nun auch Verbandsvorsteher der Sparkasse Südholstein und Mitglied der Gesellschafterversammlung der Abwasserentsorgung Uetersen. Auch die Geschäftsführung des Fünf-Städte-Vereins Pinneberg, dem Träger des Fünf-Städte-Heims in Hörnum auf Sylt, fällt traditionell dem Uetersener Bürgermeister zu.

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