Kreis Pinneberg

Elmshorn: Ramelows schöne neue Einkaufswelt

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Kitty Haug
Glasflächen und Terrasse mit Blick ins Grüne: So sollen Neu- und Bestandsbau (r.) von der Krückauseite aussehen.

Glasflächen und Terrasse mit Blick ins Grüne: So sollen Neu- und Bestandsbau (r.) von der Krückauseite aussehen.

Foto: MAI | Messerschmid Architekten und Innenarchitekten

Der Firmensitz an der Elmshorner Königstraße soll bis 2022 modernisiert und erweitert werden. Die Pläne:

Elmshorn. Mitten in der Corona-Krise, in der vor allem der Einzelhandel brach liegt und auch das Elmshorner Mode- und Markenhaus Ramelow massive Umsatzverluste verkraften muss, startet das Unternehmen eine Investitionsoffensive. Mitten in der Stadt, in der Fußgängerzone der Königstraße, entsteht bis Mai 2022 ein zweites Modehaus. Der seit Jahren leerstehende Gebäudekomplex Königstraßen 39 bis 41 – seit zehn Jahren im Besitz der Familie – wird abgerissen und durch eine dreistöckigen Neubau ersetzt.

Komplett saniert und optisch angepasst wird auch die Fassade des Haupthauses. Die Umbaumaßnahmen dort beginnen in diesem Sommer. Mit dem Abbruch auf dem Neubaugrundstück soll schon nach den Oster-Feiertagen begonnen werden. Der Rohbau könnte bereits im Herbst stehen.

Fünf bis neun Millionen Euro will der Unternehmer Marc Ramelow in das Bauprojekt investieren. „Es ist viel Geld für uns. Aber es ist in Bekenntnis für den Standort Elmshorn. Ganz konkret für die Lage in der Königstraße“, erklärt der Geschäftsführer.

Der Neubau wird eine Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern aufweisen. Auf 700 Quadratmetern wird Intersport einziehen. „Damit lösen wir unser Versprechen ein, Sport in die Innenstadt zu bringen – gegen alle Widerstände“, so Ramelow. Dass die Sportfilialen-Kette Decathlon am Franzosenhof ein Geschäft eröffnen will (wir berichteten), bereite ihm keine Sorgen.

In dem neuen Doppelhaus sollen alle Sortimente zusammen geführt werden, so auch das „Trendbox-Format“ für junge Damenmode. 15 bis 20 neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Bisher beschäftigt das Unternehmen 70 Mitarbeiter in Elmshorn, 300 in der gesamten Gruppe.

Unternehmer glaubt an das Einkaufserlebnis vor Ort

Doch warum jetzt, in dieser schweren Zeit, ein bestehendes Kaufhaus erweitern, während der Internet-Handel für Mode boomt? „Selbst wenn Corona vorbei sein wird, glauben wir nicht, dass alle in der Online-Welt hängen bleiben“, so der Unternehmer. Online-Umsätze für Mode sind zwar massiv gewachsen. Zahlen zeigen jedoch, dieser Onlinekauf wachse nur im Besorgungskauf der „unspektakulären Dinge wie etwa Unterwäsche“. Hochwertige oder ausgefallene Bekleidung im stationären Einzelhandel zu kaufen, sei nach wie vor – auch nach Corona – ein Freizeiterlebnis. „Das merken wir, wenn wir unsere Türen wieder aufsperren und doch eine ganze Menge Menschen mit Freude in unser Haus zurückkommen“, so Ramelow.

Dem will der Unternehmer Rechnung tragen: Im Neubau gehe es nicht darum, mehr Verkaufsfläche für mehr Produkte zu schaffen, sondern Begegnungsräume für Menschen. Einen „Raum für Gemeinsamkeit und Leben, für sozialen Austausch, Interaktion, Begegnung sowie Genuss und Gefühle“. Daher werden beide Häuser auf der Krückauseite im ersten Obergeschoss miteinander verbunden.

Neu ist diese Idee nicht. Planungen dafür gibt es bereits seit Jahren. Corona sei lediglich ein Transformationsbeschleuniger, so Ramelow. Die Pandemie verändert Dinge in einer höheren Geschwindigkeit – etwa Homeoffice oder Online-Shoppen. „Um das ganzheitliche Thema zu unterstreichen ist im Erdgeschoss des Neubaus neben Verkaufsflächen im hinteren Bereich Richtung Krückau eine kleine Gastronomie angedacht“, erklärt Architekt Jochen Messerschmid. Im zweiten Obergeschoss wird es neben einer Lounge ein modernes, offenes Büro geben, in dem die Verwaltung des Kaufhauses sitzt. Ramelow spricht von einem 100 Quadratmeter großen „Wohnzimmer“, in dem ein offener Austausch zwischen Kunden und Mitarbeitern stattfinden kann.

Zudem werde es Co-Working-Flächen geben, die von Unternehmern angemietet werden können. Dieses Wohnzimmer ist der erste Zugang zu der 400 Quadratmeter großen Dachterrasse, die sich über zwei Etagen und beide Gebäude erstrecken wird. Es ist eine „halb-öffentliche Fläche“ über den Dächern der Stadt, die Gastronomie oder Veranstaltungen Raum biete und über eine Treppe auf der Südseite zugänglich ist.

Auf der Krückauseite wird die Fassade des Altgebäudes mit großen Fenstern geöffnet. Es gilt, die schöne Landschaft auch in den Innenräumen zu erleben und zu nutzen. Auf der Seite zur Königstraße wird die Fassade des Neubaus eher klassisch gestaltet, damit sie in das Straßenbild passt und nicht zu wuchtig wirkt.

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