Verkehr

Kreis Pinneberg bekommt einen neuen Blitzeranhänger

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Arne Kolarczyk
Eva Sühlsen von der Kreisverwaltung und Jens Petersen (FDP) im Mai 2020 vor dem Testgerät.

Eva Sühlsen von der Kreisverwaltung und Jens Petersen (FDP) im Mai 2020 vor dem Testgerät.

Foto: Arne Kolarczyk

Dauerhaftes Gerät für Mai bestellt – und weitere könnten folgen. Die Zahl der Bußgeldbescheide ging 2020 stark zurück.

Kreis Pinneberg.  Anton bekommt im Mai einen Nachfolger. Dann erhält der Kreis einen dauerhaften Blitzeranhänger für die Verkehrsüberwachung. Von Mai bis August 2020 stand ein Testgerät zur Verfügung, das der Hersteller Anton genannt hatte. „Der Test hat sich bewährt“, sagt Eva Sühlsen, Leiterin der Bußgeldstelle im Kreis. Das Gerät habe zuverlässig gearbeitet und sei einfach zu bedienen. Und fleißig war es auch: In drei Monaten kam Anton an 17 Standorten zum Einsatz – und erwischte 12.386 Temposünder.

Diese Bilanz hat die Kreispolitiker im November überzeugt, den schon 2018 beschlossenen Kauf des 350.000 Euro teuren Geräts zu bestätigen. „Wir haben jetzt vom Hersteller die Info erhalten, dass die Auslieferung im Mai erfolgen wird“, so Sühlsen. Sie habe sich aufgrund von Lieferschwierigkeiten etwas verzögert.

Im Mai will die Politik auch entscheiden, ob der neue Blitzeranhänger noch „Geschwister“ erhalten wird. Die Grünen haben den Antrag eingebracht, zwei weitere Geräte anzuschaffen. „Wenn die Politik das beschließt, setzen wir das um“, sagt die Leiterin der Bußgeldstelle. Sie sieht durchaus den Bedarf für weitere Geräte und glaubt, dass zumindest ein zweiter Blitzeranhänger mit dem vorhandenen Personal bedient werden kann.

Kreis Pinneberg erhält neuen Blitzeranhänger

Trotz des fleißigen Testgerätes: 2020 ist die Zahl der Bußgeldbescheide, die vom Kreis gegen Raser erlassen worden sind, stark gesunken. „Wir glauben, dass dies mit Corona zusammenhängt“, sagt Sühlsen. So sei gerade bei den mobilen Messungen auffällig gewesen, dass die Zahl der gemessenen Fahrzeuge gegenüber 2019 deutlich geringer gewesen sei.

„Die Menschen waren einfach weniger unterwegs“, glaubt die Kreismitarbeiterin. Allerdings sagt sie weiter: „Wenn Geschwindigkeitsüberschreitungen da waren, dann waren die extremer als im Vorjahr.“ Daher sei zwar die Anzahl der Bußgeldbescheide zurückgegangen, jedoch die Zahl der verhängten Fahrverbote angestiegen.

In Zahlen: 3870 Autofahrer waren im Vorjahr im Kreisgebiet derart schnell, dass sie straftechnisch im Bußgeldbereich landeten. Zum Vergleich: 2019 erließ die Kreisbehörde noch 5467 Bußgeldbescheide. Allerdings belegte sie in dem Jahr 454 Raser mit Fahrverboten, im Vorjahr mussten dann 594 Autofahrer auf Zeit ihren Führerschein abgeben.

Sieben stationäre Blitzer gibt es im Kreis

Die Verkehrsüberwachung, die der Kreis seit 2005 in einem gemeinsamen Projekt mit der Polizei betreibt, hat bisher zwei Säulen. An sieben Standorten befinden sich stationäre Blitzer, auch als Starenkästen bezeichnet. Sechs ältere Geräte in Bokholt-Hanredder, Heidgraben, Rellingen, Borstel-Hohenraden, Heede und Bilsen überwachen je eine Fahrtrichtung. In Schenefeld setzt der Kreis an der LSE auf ein Gerät namens Poliscan-Speed, ein hochmoderner Laser-Blitzer, der auf Höhe des Stadtzentrums installiert ist. Zwei grau-silberfarbene Türme stehen unterhalb der Luninezbrücke in Richtung Pinneberg und in Richtung Hamburg. Das in Fahrtrichtung Pinneberg aufgestellte Gerät ahndet parallel die Rotlichtverstöße an der Fußgängerampel.

Allein in Schenefeld fotografierten die Geräte 3020 Temposünder (2019: 3840 Fälle). Von den 2330 übrigen Fällen kamen die meisten aus Heede (773), gefolgt von Bilsen (664) und Borstel-Hohenraden (383). Rellingen liegt mit 143 Verstößen auf dem letzten Platz, Bokholt-Hanredder (182) und Heidgraben (185) liegen fast gleichauf etwas davor.

Aus den sieben festen Blitzern resultierten 2020 insgesamt 2714 Bußgeldbescheide (2019: 3768) und 479 Fahrverbote (381). Negativer Spitzenreiter war ein Autofahrer, der nachts in Schenefeld mit Tempo 125 geblitzt wurde. Dort sind 50 Kilometer pro Stunde erlaubt. Die Folge sind drei Monate Führerscheinentzug, 1360 Euro Geldstrafe und zwei Punkte in Flensburg.

Schenefeld hat den einzigen Rotlichtblitzer im Kreis

782 Autofahrer (2019: 930) missachteten an der LSE das Rotlicht der Fußgängerampel. Das sind mehr als zwei Fälle pro Tag. Für 143 Fahrer zeigte die Ampel länger als eine Sekunde Rot, beim Spitzenreiter waren es 23,9 Sekunden. Ihn erwarten ein Fahrverbot von einem Monat, 200 Euro Geldbuße und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei.

Zweite Säule ist ein mobiler Laserblitzer, der mit einem zwei Personen umfassenden Messteam durch den Kreis tourt. Aus dieser Anlage resultieren 3950 Fälle (2019: 3688), davon 1156 (1949) im Bußgeldbereich und 115 (78) verhängte Fahrverbote. Spitzenreiter war ein Autofahrer wiederum an der LSE in Schenefeld, der an einem Dienstagmittag bei erlaubtem 100 Kilometer pro Stunde mit Tempo 174 geblitzt wurde. Er wird seinen Führerschein für drei Monate abgeben, ein Bußgeld von 600 Euro zahlen müssen und zwei Punkte auf seinem Konto in Flensburg verbuchen.

Zu den Bußgeldverfahren kommen die geringfügigeren Verstöße (bis 20 Kilometer pro Stunde zu schnell innerorts), die mit einem Verwarngeld geahndet werden. Sie werden landesweit von der Zentralen Ordnungswidrigkeiten- stelle in Neumünster bearbeitet. Dort liegen für 2020 noch keine Zahlen für den Kreis Pinneberg vor. Im Rahmen des Projektes stellt der Kreis fünf Messangestellte, hinzu kommen, wenn benötigt, Polizisten. Die Bußgeldstelle wurde 2019 auf zwölf Mitarbeiter aufgestockt.

Bußgeldstelle bekommt für Zukunft weiteres Personal

„Zwei weitere Stellen hat uns die Politik jetzt genehmigt, sie werden in Kürze ausgeschrieben“, sagt Sühlsen. Sie werden benötigt, weil in diesem Jahr der Blitzeranhänger als dritte Säule der Geschwindigkeitsüberwachung hinzukommt. Bereits die Testphase mit Anton hat gezeigt, dass aus dem rund um die Uhr einsetzbaren Gerät viele Fälle resultieren, die dann zur Bearbeitung in der Bußgeldstelle landen.

Dennoch ist die Freude beim Kreis auf das neue Gerät groß. „Ja, wir freuen uns darauf“, sagt Sühlsen. Der Blitzeranhänger leiste einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit und ermögliche eine Kontrolle an Stellen, die bisher nicht überwacht werden konnten. Sühlsen: „Wir haben viele Anfragen von Kommunen und Privatleuten erhalten, die um eine Tempomessung gebeten haben. Es waren so viele, dass wir nicht alle erfüllen konnten.“ Dies soll sich 2021 ändern. „Wir überlegen schon, wo wir den neuen Blitzeranhänger einsetzen.“

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