Kreis Pinneberg

Inspektor gefällt Namensvorschlag für Appener Kaserne

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Oberst Thomas Berger in der Appener Marseille-Kaserne.

Oberst Thomas Berger in der Appener Marseille-Kaserne.

Foto: HA

Generalleutnant billigt Vorschlag, den Standort nach ermordetem Lufthansa-Piloten Jürgen Schumann zu benennen.

Appen.  Die Appener Marseille-Kaserne soll bald Jürgen-Schumann-Kaserne heißen (wir berichteten). Der Namensvorschlag kommt aus den Reihen der Soldaten und Soldatinnen – und er gefällt dem Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz. Er billigte am Freitag ausdrücklich im Rahmen eines sogenannten Tagesbefehls die Umbenennung.

Schumann war Hauptmann der Luftwaffe und begann in Appen seine fliegerische Ausbildung. Als späterer Kapitän der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ wurde er 1977 von deren Entführern erschossen. „Durch seinen Mut und sein Verantwortungsbewusstsein ist er in besonderem Maße beispielgebend“, heißt es in einer Mitteilung der Bundeswehr über den Piloten, dem nun posthum eine späte Ehrung zuteil wird.

Oberst Thomas Berger, Standortältester in Appen und Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe, begrüßt, dass es nun im Umbenennungsprozess weitergehe „Ich freue mich sehr, dass unser Vorschlag die Zustimmung des Inspekteurs findet. Der nächste Schritt, den wir nun zeitnah angehen werden, ist die Abstimmung mit der Gemeinde Appen. Dann erfolgt die Vorlage zur Genehmigung bei der Bundesministerin der Verteidigung.“

Ebenfalls positiv sieht Oberst Berger die Genehmigung zur Umbenennung des zentralen Lehrsaalgebäudes „Flieger“. Das Gebäude in Form eines Flugzeuges wird künftig „Feldwebel Laabs Zentrum“ heißen, auch das habe der Inspekteur der Luftwaffe am Freitag bekannt gegeben. Mit der Umbenennung soll das vorbildliche und couragierte Verhalten des Feldwebels Karl Laabs im Dritten Reich gewürdigt werden. Er rettete 1943 vielen Juden das Leben und wird in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als einer von wenigen Deutschen als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

Wann die Umbenennungen stattfinden werden, ist noch nicht sicher. „Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, die wir vor Ort nicht beeinflussen können. Gerade die Pandemielage lässt es momentan nicht zu, einen genauen Zeitpunkt für eine feierliche Umbenennung in einem würdigen Rahmen festzulegen“ sagt Oberst Berger.

Anfang Dezember hatte er den Vorschlag der Beschäftigten am Standort Appen an den Inspekteur der Luftwaffe, die Kaserne nach dem ehemaligen Starfighter-Piloten und am 16. Oktober 1977 auf dem Flughafen von Aden ermordeten Jürgen Schumann zu benennen, weitergeleitet. Dieser Vorschlag stand am Ende eines mehrmonatigen Prozesses, der die Sammlung von Namensvorschlägen, ihre erste Bewertung nach gründlicher Recherche sowie eine abschließende Befragung der in der Liegenschaft Beschäftigten umfasste. Bergers Amtsvorgänger Michael Skamel hatte den Umbenennungsprozess im Sommer vergangenen Jahres angestoßen.

Hintergrund waren der Traditionserlass des Verteidigungsministeriums vom 28. März 2018 und die am 8. Juni 2020 herausgegebene Bereichsvorschrift „Traditionspflege in der Luftwaffe“, die für Namensgeber von Kasernen etwa die gesellschaftliche Leistung, herausragende Einzeltaten, einen möglichen Bezug zur Luftwaffe und zum Standort sowie die mögliche Wirkung nach innen und außen herausstellen. Die eigene Geschichte der Luftwaffe seit 1956 gilt dabei als richtungsweisend. Voraussetzungen, die Hans-Joachim Marseille („Der Stern von Afrika“), Fliegerass im Zweiten Weltkrieg, nicht erfüllt.

( HA )

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