Kreis Pinneberg

Moorrege will Uetersener Windpark verhindern

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Moorreges Bürgermeister Wolfgang Balasus (M.) hatte Rainer Naujox (l.) und Julian Tiencken (r.) als Experten eingeladen.

Moorreges Bürgermeister Wolfgang Balasus (M.) hatte Rainer Naujox (l.) und Julian Tiencken (r.) als Experten eingeladen.

Foto: Burkhard Fuchs

Politik stimmt gegen die 180 Meter hohen Anlagen. Doch das Projekt könnte trotzdem noch umgesetzt werden.

Moorrege/Uetersen. Der Gemeinderat Moorrege hat während seiner Sitzung am Mittwochabend den Bau des neu geplanten Windparks an der Stadtgrenze von Uetersen abgelehnt. Damit ist die beantragte Änderung des gemeinsamen Flächennutzungsplanes, die 58 Hektar große Fläche als Sondergebiet für Windenergie auszuweisen, zunächst vom Tisch.

Dennoch bleibe das geplante Repowering der sechs vorhandenen Windräder in vier 180 Meter hohe Anlagen, die mit 16.000 Haushalten für eine Vervierfachung der Windstromversorgung in der Region sorgen würden, weiter möglich, so der Windpark-Mitgesellschafter Ole Augustin, der mit seiner Firma bundesweit Windparks baut und projektiert. „Wenn die Stadt Uetersen die Planung für diese landwirtschaftliche Fläche als Zusatznutzung Windenergie versieht, ist die Zustimmung der Nachbargemeinden nicht mehr notwendig.“ Rechtlich sei das „zulässig“, bestätigt ein Sprecher der Landesplanung dem Abendblatt.

Doch soweit möchte es der neue Bürgermeister Dirk Woschei vorerst nicht kommen lassen. Er wird am Gründonnerstag ins Uetersener Rathaus einziehen: „Ich werde die Initiative ergreifen und mit den Nachbargemeinden noch einmal in Ruhe darüber sprechen.“ Die Stadt Uetersen stehe mit großer Mehrheit hinter den Plänen, die 20 Jahre alte Windenergieanlage zu modernisieren. Er wolle im Gespräch mit seinen Amtskollegen versuchen, deren Bedenken auszuräumen und sie von diesem Projekt für die Energiewende zu überzeugen. „Ich will erst einmal weiter dafür werben, bevor wir andere rechtliche Schritte gehen“, kündigt Woschei an.

Zu der Gemeinderatssitzung in Moorrege hatte Bürgermeister Wolfgang Balasus (CDU) neben Mitgesellschafter Augustin auch den Geschäftsführer des Mehrheitseigners Planet energy, Julian Tiencken, sowie den Kreisnaturschutzbeauftragten Rainer Naujox als Experten eingeladen. Die Argumente, die sie vortrugen, standen sich unversöhnlich gegenüber. Naujox störte sich im Wesentlichen an der Optik, die „vier gigantischen Anlagen“ würden „die Natur vergewaltigen“. Das Naherholungsgebiet und der Fernwanderweg würden darunter leiden. Während Planer Augustin versicherte, dass am Stadtrand von Uetersen und dem Ortsrand von Moorrege von den rotierenden, 150 langen Flügeln der Windräder nur Geräusche bis 35 Dezibel ankämen, was den Vorgaben eines reinen Wohngebiets entspreche.

Vom Schattenwurf, der gesetzlich nur acht Stunden im Jahr betragen dürfe, sonst würden die Windräder sofort abgeschaltet, sei Moorrege überhaupt nicht betroffen. Kollege Tiencken warb zudem noch für das Genossenschaftsmodell, dass bis zu 1500 Bürgern im Zwei-Kilometer-Radius der Anlagen eine finanzielle Beteiligung von 250 bis 5000 Euro an den neuen Windrädern ermögliche.

Im Gemeinderat blieben die Positionen ebenfalls kontrovers. Martin Balasus (CDU) hält die Bürgerbeteiligung für „reizvoll“, sagte er. „Wir wollen alle die Energiewende, aber mich stört der Gigantismus dieser Anlagen.“ Sein Vater, der Bürgermeister, plädierte dafür, Windenergieanlagen in dieser Größe an der Nordseeküste zu errichten. Aber das Planungsrecht gebe den Anlagen einen Bestandsschutz, sagte er im Hinblick auf die mögliche Baurechtsänderung.

Jochen Kuik von den Grünen hält den Eingriff in die Natur mit den Windkrafträdern für erheblich geringer als beim Straßenbau, bei dem mehr Flächen versiegelt würden. „Solange wir aber Energie brauchen, sollten wir die möglichst umweltfreundlich erzeugen.“ Wenn er an den Anlagen spazieren gehe, was er gerne täte, sei jedes Vogelgezwitscher lauter als die Windräder. Thorsten Dührkop (SPD) sagte: „Mich stören die Windräder nicht. Wir sollten nicht dagegen stimmen.“ Doch mit neun Stimmen von CDU und FWM gegen vier Stimmen von SPD und Grünen wurde der Antrag aus Uetersen abgelehnt.

( bf )

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