Kreis Pinneberg

Klein Nordender fürchten um den Dorfcharakter

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Kitty haug
Einzelhäuser, große Gärten, viel Grün: Klein Nordende aus der Vogelperspektive.

Einzelhäuser, große Gärten, viel Grün: Klein Nordende aus der Vogelperspektive.

Foto: Reimer Wulf

Entwicklungskonzept: Planer plädiert für Wachstum und bringt Geschosswohnungsbau ins Gespräch. Bürger äußern sich ablehnend

Klein Nordende.  Dorfentwicklungsplan, Gemeindeentwicklungsplan, Ortsentwicklungskonzept – das Kind hat viele Namen, doch es stecken immer die gleichen Fragen dahinter: Wie lässt sich die Zukunft einer kleinen Kommunen aktiv gestalten? Wie können Probleme in Dörfern gelöst werden? Antworten werden von Politikern und Bürgern mit Unterstützung von Fachplanern gefunden.

So auch in Klein Nordende, wo am Montag der zweite Bürgerworkshop zum Ortsentwicklungskonzept (OEK) über die Bühne ging – wegen der Corona-Pandemie nur online. Vor dem Computer war auch Klein Nordendes Bürgermeister Adolf Luitjens von der Wählergemeinschaft.

Stefan Röhr-Kramer vom Planungsbüro WRS Architekten & Stadtplaner aus Hamburg führte in die Thematik ein und erläuterte die Motivation der Gemeinde, ein Ortentwicklungskonzept aufzustellen. Eine Bestandsanalyse über die Stärken, Schwächen und Potenzialflächen von Klein Nordende zeige, dass die Gemeinde eine hohe Wohnqualität durch das Wohnen im Grünen und einen Dorfcharakter habe. Einen Ausbau der Betreuung von Kinder von null bis drei Jahre, die Ansiedlung von Ärzten, eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie eine bessere Internetverbindung – das seien nur einige Projekte, die künftig in Klein Nordende umgesetzt werden könnten.

Anschließend stellte Röhr-Kramer die Flächen vor, die das Planungsbüro nach einer Ortsbegehung in Zusammenarbeit mit der Lenkungsgruppe und mit der Gemeindevertretung sowie nach Befragungen der Bürger als sogenannte Potenzialareale für Bebauung einordnet. Denn der 3400-Einwohner-Ort in der Nähe von Elmshorn müsse wachsen. Das Einfamilienhaus mit Garten sei hier die vorherrschende Wohnform. Es fehle daher an bezahlbarem Wohnraum für Singles, Senioren-Wohngemeinschaften, barrierefreien Wohnungen und anderen alternativen Wohnformen.

Notwendig sei deshalb der Bau von 300 Wohneinheiten bis 2030, und zwar innerhalb des Ortes, um die außenliegende Landschaft möglichst schonen zu können.

Und das bereitete einigen Anwohnern Sorge. Hartmut Tolkmitt ist alarmiert. Denn Potenzialflächen liegen auch auf der Pferdewiese an der Straße Am Redder, und auch das Wäldchen an der Schulstraße soll Mehrfamilienhäusern weichen. Tolkmitt sagte: „Würden die Pläne so verwirklicht, würde Klein Nordende seinen restlichen dörflichen Charme verlieren.“ Dem schlossen sich weitere Bürger an, denn sie schätzen die ländliche Umgebung. Auch Torben Rathau fürchtet, dass der Bau von Mehrfamilienhäusern und somit der Zuzug von Mietern „den Dorfcharakter verwässert“. Und: „Gerade Klein Nordende macht doch aus, dass man sein eigenes Haus hat, mit Garten und einer gewissen Exklusivität. Wenn man auf einer Etage wohnen möchte, dann zieht man gar nicht hier hin“, so der 29-Jährige.

Günter Fleig ärgern die Nachverdichtungspläne an der Dorfstraße: In den langen Hintergärten der dortigen Eigenheime könnten neue Häuser entstehen. Damit werde etwas verdichtet, „was die Besitzer doch einst gesucht und für teures Geld gekauft hatten: lange Grundstücke in denen man auch Privatsphäre hat“, so der Rentner. Dies sei schließlich der Grund für seinen Umzug nach Klein Nordende gewesen.

Planer Röhr-Kramer betonte immer wieder: „Die gezeigten Pläne sind lediglich Rahmenpläne, es sind Vorschläge, die noch diskutiert werden sollen.“ Dem schließt sich auch Bürgermeister Adolf Luitjens an. Er betont, wie wichtig die Sorgen der Bürger an diesen Abend seien. „Wir werden diese Meinungen in die weitere Arbeiten an dem Ortsentwicklungskonzept einfließen lassen.

Die Entscheidung, wo gebaut wird, treffen die Politiker, bis dahin sind alle Informationen zum OEK über die Homepage www.klein-nordende.de einsehbar – mit der Ermunterung an die Einwohner, sich bis Ostern dazu zu äußern.

Im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde beschlossen, ein Ortsentwicklungs- und ein Energetisches Quartierskonzept erstellen zu lassen. Mit dem OEK sollen die mittelfristigen Entwicklungsmöglichkeiten von Klein Nordende beschrieben, mit dem Quartierskonzept die energetischen Sanierungsmaßnahmen herausgearbeitet werden. Verschiedene Bereiche wurden beleuchtet wie beispielsweise der Wohnungsbau, Gewerbe, Infrastruktur, Umwelt und Finanzen. Es gilt, einen Handlungsfahrplan zu erarbeiten, um das Dorf zukunftsfest zu machen, um aber auch die Qualitäten des Dorfes zu erhalten.

Für das Ortsentwicklungskonzept wurde die Firma WRS Architekten & Stadtplaner GmbH aus Hamburg beauftragt. Beim Energetischen Quartierskonzept stehen ihr die Firmen IPP ESN Power Engineering GmbH und wortmann-energie aus Kiel der Gemeinde zur Seite.

Die Erstellung des Energetischen Quartierskonzepts wird durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über das Programm Energetische Stadtsanierung mit 65 Prozent gefördert. Dazu gibt das Land Schleswig-Holstein noch einmal 20 Prozent, sodass für Klein Nordende 15 Prozent der Kosten zu tragen sind.

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