Schleswig-Holstein

Zahl der Unfälle im Kreis Pinneberg auf Fünf-Jahres-Tief

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Arne Kolarczyk
Bei dem schwersten Unfall des vorigen Jahres kam zwischen Appen und Moorrege ein Ehepaar in dem grauen Nissan ums Leben.

Bei dem schwersten Unfall des vorigen Jahres kam zwischen Appen und Moorrege ein Ehepaar in dem grauen Nissan ums Leben.

Foto: Arne Kolarczyk

Obwohl wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger Unfälle verzeichnet wurden, sank die Zahl der Verkehrstoten fast gar nicht.

Kreis Pinneberg.  Die Zahl der Verkehrsunfälle – sie ist 2020 im Kreis Pinneberg um 18 Prozent gesunken. Das geht aus dem neuen Verkehrssicherheitsbericht hervor, den die zuständige Polizeidirektion Bad Segeberg am Mittwoch vorgestellt hat. Auch die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Personen ist stark rückläufig, die Zahl der Todesopfer hat sich dagegen kaum verändert.

6336 Mal hat es im vergangenen Jahr auf den Straßen des Kreises gekracht. Zum Vergleich: 2019 nahmen die Beamten 7734 Unfälle auf. Das entspricht einem Rückgang von fast einem Fünftel und bedeutet ein Fünf-Jahres-Tief. Zuletzt befanden sich die Zahlen 2013 auf diesem Niveau. In den folgenden sechs Jahren lagen die Zahlen stets oberhalb der 7000er-Marke.

Kein Kind starb, weniger Unfälle mit Radfahrern

„Die niedrigen Zahlen sind Folge der Corona-Pandemie“, erklärt Joachim Lang, zuständiger Mitarbeiter im Sachgebiet Verkehr der Polizeidirektion. Die Bürger seien deutlich weniger mobil gewesen, hätten dank Homeoffice und Kontaktbeschränkungen weniger am Verkehr teilgenommen. Die Formel „Weniger Verkehr gleich weniger Unfälle“ – sie hatte auch auf Landesebene Gültigkeit. Daher sei dieser Verkehrsbericht mit denen der Vorjahre kaum vergleichbar.

Laut der Statistik zogen sich im Kreis Pinneberg 1090 Personen bei Unfällen leichte Blessuren zu (-187). Die Zahl der Schwerverletzten sank um 24 auf 126. Die Zahl der Verkehrstoten liegt bei sieben (2019: acht) und ist damit nur minimal rückläufig. Sie schwankt seit 2011 zwischen fünf und zehn.

Bereits am ersten Tag des Jahres 2020 ereignete sich in Elmshorn der erste tödliche Unfall, als ein Pizzabote (19) an der Langelohe eine Fußgängerin (56) auf einem Zebrastreifen überfuhr. Gleich zwei Verkehrstote waren am 17. Februar auf der Straße zwischen Appen und Moorrege zu beklagen, als es kurz hinter der Marseille-Kaserne in einer Kurve zu einer Frontalkollision kam. Die Verursacher, ein Ehepaar (52/53) aus Uetersen, verloren in ihrem Nissan ihr Leben.

Bahnunfall am letzten Tag des Probebetriebs

Tragisch war ein Unfall am 28. Februar in Uetersen. Am letzten Tag des Probebetriebs der Bahnverbindung zwischen Uetersen und Tornesch erfasste die NEG-Lok einen älteren Fußgänger (79), der an einem Übergang die Schienen querte und den Zug offenbar übersah. Zu einem weiteren tödlichen Bahnunfall kam es am 7. Mai in Bokholt-Hanredder, als ein Zug der AKN an einem Bahnübergang einen Fußgänger (85) erfasste. Am 27. Mai verunglückte an der L 110 (Mühlenweg) in Barmstedt ein Motorradfahrer (54) tödlich, als seine Honda mit einem Landrover kollidierte. Am 15. Juni wurde an der Bismarckstraße in Pinneberg ein 79-jähriger Radfahrer von einem Pkw mit Anhänger berührt, der Senior stürzte und starb noch vor Ort.

Insgesamt 116-mal waren Motorradfahrer im Jahr 2020 an Unfällen beteiligt, 114 von ihnen wurden dabei verletzt. Diese Zahl hat sich gegenüber 2019 leicht erhöht, als 112 Motorradunfälle mit 106 Verletzten aktenkundig wurden. Während Motorradausflügler augenscheinlich ihre Mobilität im Corona-Jahr nicht eingeschränkt haben, ist bei den Unfällen mit Rad- und Pedelecfahrern ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. 523 Unfälle mit 491 Verletzten gingen in die Statistik ein, 2019 waren es 613 Unfälle und 585 Verletzte. 91 Fußgänger verunglückten im Verkehr, 74 wurden verletzt. 2019 waren es 123 Unfälle, 105 Verletzte.

Erfreulich ist aus Sicht der Polizei, dass die Zahl der Unfälle mit Kindern rückläufig ist. 2020 kam kein Kind im Straßenverkehr ums Leben. Noch 2019 war in Pinneberg ein sechs Jahre altes Mädchen von einem BMW erfasst und tödlich verletzt worden. Insgesamt kam es im Vorjahr zu 129 Unfällen mit Kindern (111 Verletzte), 2019 waren es 152 Unfälle (153 Verletzte). In beiden Jahren wurden zehn Kinder schwer verletzt. Im vergangenen Jahr waren 317 Unfallbeteiligte jünger als 25 (2019: 405). In der Gruppe der jungen Fahrer zählte die Polizei 180 Verletzte (2019: 225). Diese Zahlen sind so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das gilt auch für die Beteiligung von Senioren am Unfallgeschehen. 455 Personen, die an Unfällen beteiligt waren, sind älter als 65 gewesen (2019: 506). Aus dieser Gruppe zählte die Polizei 299 Verletzte (2019: 322).

Die Autobahnen 23 und 7, die durch den Kreis führen, hat die Polizei separat ausgewertet. Das Polizeiautobahnrevier Elmshorn, das die gesamte A 23 betreut, nahm 212 Unfälle auf (2019: 238). Dort war ein Verkehrstoter zu beklagen, 86 Personen wurden leicht (2019: 143) , 28 schwer verletzt (2019: 26). Auf der A 7 kam es im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Bad Segeberg zu 189 Unfällen (2019: 193). Es gab in diesem Bereich drei Verkehrstote, zwei mehr als 2019. 27 Personen (2019: 34) wurden schwer, 73 (2019: 70) leicht verletzt.

Laut Auswertung der Polizei standen 105 Unfallbeteiligte unter Alkoholeinfluss (23 weniger als 2019), 15 unter Drogeneinfluss (acht weniger als 2019). Diese Zahlen bewegen sich auf dem Niveau von 2016. Damals gab es noch knapp 10.200 Kraftfahrzeuge weniger auf den Straßen des Kreises – und keine Pandemie. Sie wird, so Experten, auch in diesem Jahr Einfluss auf das Verkehrsgeschehen im Kreis Pinneberg haben.

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