Pinneberg

Gerichtszeuge: „So was Brutales habe ich noch nie gesehen“

| Lesedauer: 4 Minuten
Arne Kolarczyk
Der Angeklagte Maxim R. soll in Elmshorn im September 2020 den neuen Freund seiner Ex-Frau umgebracht haben.

Der Angeklagte Maxim R. soll in Elmshorn im September 2020 den neuen Freund seiner Ex-Frau umgebracht haben.

Foto: Arne Kolarczyk

Im Prozess um ein tödliches Eifersuchtsdrama in Elmshorn sagt der Freund des Opfers aus – und belastet den Angeklagten Maxim R. schwer.

Elmshorn/Itzehoe. Patrick F. (37) stand wenige Meter entfernt, als sein bester Freund regelrecht zu Tode geprügelt wurde. „So was Brutales habe ich noch nie gesehen“, sagt der Hauptbelastungszeuge über die Nacht zum 23. September 2020. Am Schluss der Prügelorgie in einer kleinen Elmshorner Parkanlage war Viktor W. (32) so schwer verletzt, dass er fünf Tage später im Krankenhaus starb.

Seit voriger Woche steht Maxim R. (33) vor dem Landgericht in Itzehoe – angeklagt wegen Mordes aus Heimtücke. Und der Tatablauf, wie ihn der Hauptzeuge am Dienstag vor Gericht schildert, stützt diesen Vorwurf. „Plötzlich tauchte eine Person auf und hat sofort auf Viktor eingeschlagen“, so der Zeuge. Alles sei so schnell gegangen, dass er gar nicht gesehen habe, woher die Person kam. „Ich kann mich nur an die Schläge erinnern, mit einem Teleskopschlagstock oder einer Eisenstange, immer auf den Kopf.“ Fünf oder sechs wuchtige Schläge hätten das Opfer getroffen. „Ich kann mich noch an ein Schreien und Stöhnen von Viktor erinnern.“

„Hatte den Eindruck, der wollte ihn umbringen“

Der Angreifer habe einen Kapuzenpulli getragen, sein Gesicht hinter einem Schal oder einer Gesichtsmaske verborgen. „Er hat kein Wort gesagt.“ Viktor W. sei nach dem zweiten oder dritten Schlag zu Boden gegangen, der Angreifer habe weiterhin auf seinen Oberkörper eingeprügelt. „Das wirkte nicht wie ein Raubüberfall. Ich hatte den Eindruck, der wollte ihn umbringen“, so der Zeuge.

Er habe Angst um sein eigenes Leben gehabt und daher nicht eingegriffen. „Ich habe um Hilfe geschrien, so laut ich konnte. Ich habe gedacht, dann lässt die Person von Viktor ab, aber das passierte nicht.“ Letztlich sei er auf den Angreifer zugegangen und habe ihm gesagt, er solle aufhören. „Er kam dann auf mich zu, sodass ich geflüchtet bin.“ Als er in Sicherheit war, habe er die Polizei alarmiert.

Opfer und Ex-Frau des Angeklagten waren ein Monat lang ein Paar

Während dieser Schilderung sitzt der Angeklagte regungslos auf seinem Platz. Maxim R. ist der Ex-Mann von Alessia R., mit der das Opfer zum Tatzeitpunkt liiert war. „Ich habe Viktors neue Freundin nie kennengelernt“, so der Hauptbelastungszeuge Patrick F. vor Gericht. Die Beziehung habe erst einen Monat bestanden. „Viktor hat mir an diesem Abend erzählt, dass es mit dem Ex von ihr Ärger gab“, so der Zeuge. Er berichtet auch, dass das spätere Opfer „mit ein paar Kollegen“ bei diesem Ex war, um ihn einzuschüchtern. „Viktor sagte, die Sache ist geklärt.“

Vor der Tat hatte sich Patrick F. eine Stunde lang mit Viktor W. in der Wohnung seiner neuen Freundin am Hainholzer Damm aufgehalten, die zu diesem Zeitpunkt bei ihrer Tochter im Krankenhaus war. Laut dem Zeugen wollte Viktor W. im Wohnzimmer zunächst kein Licht anmachen – möglicherweise weil ihr Ex-Mann in der Nachbarschaft wohnte.

Merkwürdiges Hinken des Angreifers

Die Freunde seien dann um kurz nach 4 Uhr aufgebrochen. Patrick F. habe nach Hause gewollt, Viktor W. – der einen Bolzenschneider in einer Plastiktüte dabei hatte – noch zu einem Freund. Man sei ein Stück gemeinsam gegangen, bis man im Park auf den Angreifer traf. Im Umfeld des Parks wohnen Lisa S. und Björn H., die am Nachmittag aussagten. Beide wurden von den Hilfeschreien geweckt – und zumindest einer von beiden sah beim Blick aus dem Fenster, dass der Angreifer humpelte. Auch Patrick F. hatte zuvor auf eine merkwürdige Fußstellung beim Angreifer hingewiesen.

Verteidiger Siegfried Schäfer will beweisen, dass sein Mandant aus krankhafter Eifersucht handelte. Das Gericht gab dem Antrag, Maxim R. dahingehend begutachten zu lassen, statt. Ein Psychiater wird derzeit noch gesucht.

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