Neuerscheinung

Operation Buch – ein Arzt behandelt sein Leben

| Lesedauer: 6 Minuten
Sara Willmroth
Der langjährige Unfallchirurgie Karl Otto aus Ellerbek erzählt in seinen Memoiren von seinem Werdegang.

Der langjährige Unfallchirurgie Karl Otto aus Ellerbek erzählt in seinen Memoiren von seinem Werdegang.

Foto: Sara Willmroth

Der Ellerbeker Chirurg Karl Otto wollte nie Mediziner werden. Wie alles anders kam und welche Rolle Afrika spielte, erzählt sein Buch.

Ellerbek. Früher löste er am OP-Tisch mit seinem Team komplizierte Probleme. Heute zeigt Karl Otto nur noch im Männerchor chirurgische Stimmpräzision. Meistens jedenfalls. 50 Jahre lang arbeitete er als Chirurg, lernte von den Großen in damals kaum erforschten Bereichen, knifflige Eingriffe mit Kreativität und Geschick waren sein Metier. Und das muss auch mal erzählt werden.

Deshalb hat der Ellerbeker jetzt ein Buch über seinen Werdegang vom Schüler mit Träumen zum Chefarzt und Gründer einer Klinik in Dänemark geschrieben: „Mein Leben als Chirurg“.

Schon in der Schule stand für Karl Otto fest: alle Berufe klingen spannend. Alle, außer Medizin! Das änderte sich bis zu seinem Abschluss nicht, doch nur zu wissen, was er nicht wollte, brachte nicht viel. Da kam es ihm ganz Recht, im Jahr 1958, also mit 20 Jahren, den Wehrdienst anzutreten. „Da ich sehr sportlich war“, beginnt er, macht eine Pause und lacht. „Damals noch sehr sportlich war, konnte ich mir den Dienstbereich aussuchen.“ Er komme aus einer Familie von Seeleuten und so befand er sich bald selbst auf hoher See.

Marine, Afrika – erst danach wurde der Weg für Otto klar

„In der Marine“, sagt er im Gespräch, „habe ich eine Menge über Teamwork gelernt.“ Das habe ihm später im Beruf viel gebracht. Denn auch im OP müsse man sich auf sein Team verlassen – vom Oberarzt bis zur Putzkraft muss jeder seine Arbeit gut erledigen, sonst wird es für den Patienten sehr schnell sehr gefährlich. Auch die Verantwortung, die er als Chirurg tragen würde, erprobt er beim Militär. Er arbeitet sich hoch bis zum Leutnant zur See und übernimmt einige Leitungsaufgaben. Doch leider weiß er auch nach dieser Zeit noch nicht, welcher Beruf für ihn der Richtige wäre.

Nach zwei Jahren Militär entschließt sich Otto, ein halbes Jahr durch Afrika zu reisen. In einer kleinen Gruppe erkundet er unterschiedliche Teile des Kontinents. Mit ihm reist auch ein älterer, lebenserfahrener Herr, „der viel Menschenkenntnis besaß“, so Otto. Und eines Tages, als die Gruppe unter dem afrikanischen Sternenhimmel vor einem knisternden Lagerfeuer den Tag ausklingen lässt, sagt dieser Mann: „Du könntest einen guten Mediziner abgeben.“ Dieses Gespräch bleibt Otto noch lange im Gedächtnis.

So studiert er das einzige Fach, das er früher für sich ausgeschlossen hatte: Medizin. Nicht ohne Sorge, denn mit seinen 23 Jahren fühlt er sich zwischen den jüngeren Studiengenossen irgendwie falsch. Das Studium bietet vor allem Stress und Fachbücher von der Dicke eines Weltatlas’. Nach seinen Staatsexamen denkt Otto, endlich „bist du Jemand“ und will sich am liebsten gleich in die Arbeit stürzen.

Vom Hoch des abgeschlossenen Studiums landet er aber zunächst auf dem Boden der Hierarchiepyramide. Denn zuerst stehen Praktika an, in denen er in verschiedenen medizinischen Disziplinen weitergebildet wird. Ihn packt die Chirurgie, weil sie Geschicklichkeit und kreative Lösungen erfordert. Otto wird erst Chirurg und beendet dann mit 37 Jahren seine Spezialisierung zum Unfallchirurg.

Otto bildet dänische Mediziner aus

Als sein Vorgesetzter und Mentor, der Professor für Endoprothetik Hans Wilhelm Buchholz, 1976 die Endo-Klinik gründet, die heute ihren Sitz in Altona hat, kommt Karl Otto gleich mit. Die Klinik spezialisiert sich auf Gelenkersatzoperationen, ein zu dem Zeitpunkt relativ neuer Bereich. Wie er seine Beziehung zu seinem Chef beschreiben würde? Karl Otto blickt in die Ferne und sagt: „Herr Buchholz hatte sechs Söhne und ich habe mich immer wie sein siebter gefühlt.“ Und auch hier ist sein beruflicher Weg noch lange nicht vorbei.

Zuletzt hilft er bei der Gründung eines Ablegers der Endo-Klinik in Dänemark mit, bildet die dänischen Chirurgen aus. Zu diesem Zeitpunkt hätte er eigentlich schon in Rente gehen können.

Wie genießt ein früher vielbeschäftigtes Arbeitstier seinen Ruhestand? Jedenfalls nicht ruhig. Heute spielt der 83-jährige Mundharmonika, um Kindern Musik näherzubringen, singt im Männerchor, pandemiebedingt über Zoom, unterstützt mit dem Lions-Club Schulen in Ellerbek und Rellingen.

Zwei Kinder, vier Enkel, ein bewegtes Leben

Inzwischen lebt der ehemalige Unfallchirurg allein. Seine beiden Kinder wohnen in Frankreich. Vier Enkel gehören zu seiner Familie, der jüngste ist gerade 21 geworden. Seit 2016 ist er Witwer, mit seiner Frau verbrachte er ein halbes Jahrhundert. Warum nun das Buch entstanden ist?. „Nach 50 Jahren Chirurgie wurde es Zeit, mal meinen Werdegang zu beschreiben“, sagt er.

Trocken klingen diese Memoiren nicht. Otto schreibt, als würde er nach einem herzhaften Abendessen bei einem kühlen Feierabendbier ganz entspannt einige Anekdoten zum Besten geben. Sehr persönlich erzählt er über sein Berufsleben, manchmal ergänzen Bilder die Erzählungen. Wenn er Fachbegriffe verwendet, erklärt er sie gleich mit. Mal traurig, mal fröhlich, mal ironisch zeigt Otto, warum er seinen Beruf so geliebt hat und immer noch liebt, schreibt von Fällen, die ihn zum Weinen brachten und von Mentoren, für die er höchste Bewunderung übrig hat.

Karl Ottos Werdegang ist als Buch über Amazon und in der EDEKA-Filiale in Ellerbek erhältlich. Es kostet als E-Book 4,99 Euro, als Paperback 12,99 Euro und als Hardcover 19,99 Euro. ISBN 978-3-347-25296-7, erschienen 2021 im Tredition-Verlag.

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