Kreis Pinneberg

Das Flugplatz-Restaurant in Heist ist gerettet

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Rainer Burmeister
Der Pachtvertrag ist unterzeichnet. Jetzt hoffen GmbH-Geschäftsführer Volker Carstensen (l.) sowie der neue Betreiber Stanko „Bato“ Milanovic und dessen Sohn Marko auf eine baldige Eröffnung von „Bato‘s Tower-Restaurant“ auf dem Flugplatz Uetersen-Heist.

Der Pachtvertrag ist unterzeichnet. Jetzt hoffen GmbH-Geschäftsführer Volker Carstensen (l.) sowie der neue Betreiber Stanko „Bato“ Milanovic und dessen Sohn Marko auf eine baldige Eröffnung von „Bato‘s Tower-Restaurant“ auf dem Flugplatz Uetersen-Heist.

Foto: Rainer Burmeister

Betreiber-Gesellschaft findet im vierten Anlauf einen neuen Pächter. Wer er ist und was er in Uetersen-Heist plant.

Uetersen/Heist.  Nach drei gescheiterten Versuchen, das seit September 2019 geschlossene Tower-Restaurant auf dem Flugplatz Uetersen-Heist wieder zu eröffnen, steht einer Startfreigabe nun nichts mehr im Wege. Am Wochenende wurde der Pachtvertrag zwischen der Flugplatz GmbH und dem neuen Betreiber unterzeichnet. Vom 1. April an ist Stanko „Bato“ Milanovic Pächter des Lokals, das neben dem Flugbetrieb und diversen weiteren Veranstaltungen wie Oldtimershows, Flugplatzfesten und Flohmärkten zu den Attraktionen des Grasflugplatzes zählte.

Kein Wunder, dass GmbH-Geschäftsführer Volker Carstensen und seine Gesellschafter trotz der wegen der Corona-Pandemie derzeit noch geltenden Betriebseinschränkungen begeistert sind, dass sie einen neuen Betreiber gefunden haben. Und der kann reichlich Erfahrung in der Flugplatzgastronomie vorweisen.

Immerhin führt „Bato“ – dessen Spitzname das serbische Wort für Bruder ist – bereits Bato’s Flughafen-Restaurant auf dem Airport Kiel und ein weiteres am Verkehrslandeplatz Schachtholm bei Rendsburg in unmittelbarer Nachbarschaft des Nord-Ostsee-Kanals. „Bato bin ich als Kind immer von meiner Schwester genannt worden“, sagt Milanovic.

Der Sohn steht in der Küche

Für seine neue Lokalität hat der 48-Jährige sich viel vorgenommen. So viel, dass nun ein zweites Familienmitglied ins Spiel kommt. Sohn Marko (24) wird in der Küche des Restaurants tätig sein. Der gelernte Koch folgte vor zwei Jahren seinem Vater aus der serbischen Heimat nach Schleswig-Holstein.

Wenn „Bato“ und GmbH-Chef Carstensen aufeinander treffen, wie jetzt zur Vertragsunterzeichnung, kommt Leben in das noch in sich ruhende Ausflugsrestaurant. Milanovic, der bereits als 15-Jähriger nach Deutschland kam und mittlerweile deutscher Staatsbürger ist, kann kaum erwarten, dass es endlich losgeht. Beim Rundgang durch das Lokal schwärmt er von den vielfältigen Gaumenfreuden, die es wie in seinen anderen Gaststätten auch am Flugplatz Uetersen-Heist geben soll.

„Wir machen nicht nur Balkan-Spezialitäten aller Art, sondern auch Steaks und internationale wie auch regionale deutsche Küche“, beschreibt „Bato“ sein Angebot. Für Piloten, Ausflügler und Fluggäste soll das Restaurant mit 100 Plätzen und der großen Terrasse mit Blick auf das Flugfeld ebenso zur Verfügung stehen wie für Familienfeiern, Betriebsfeste und Veranstaltungen vieler Art. Dabei denken Milanovic und Carstensen schon darüber nach, im Frühjahr und Sommer Grillfeste und vielleicht Open-Air-Konzerte zu veranstalten. „Bei Bato hatte ich gleich das Gefühl, den richtigen Partner für einen Neubeginn der Gastronomie gefunden zu haben“, sagt der GmbH-Geschäftsführer.

Piloten gaben den Tipp

Nachdem Piloten von den Lokalen in Kiel und Schachtholm geschwärmt hatten, nahm Carstensen per SMS Kontakt auf und fragte, ob Milanovic Interesse am Tower-Restaurant hätte. Das war bereits Anfang März vergangenen Jahres. „Bato“ war begeistert. Doch dann machte Corona mit den einschneidenden Beschränkungen zunächst alle Planungen zunichte. Mittlerweile gibt es im Kieler Flughafen-Restaurant nur Außer-Haus-Verkauf, während das Lokal in Schachtholm aktuell ganz geschlossen ist.

Um so mehr hoffen Milanovic und Carstensen jetzt auf eine baldige positive Entwicklung. „Wir müssen abwarten, welche Lockerungen es künftig geben wird“, sagt Milanovic, der sich seit Monaten Haare und Bart nicht mehr stutzt und deshalb schon scherzhaft als Ex-Mitglied der Les-Humphries-Singers bezeichnet wurde. Am liebsten würde er das Tower-Restaurant schon am 15. April eröffnen.

Im Pachtvertrag mit der GmbH wird Rücksicht auf die Corona-Situation genommen. Zwar gilt die Vereinbarung vom 1. April an für zunächst vier Jahre, doch Carstensen betont, dass wegen der Betriebsbeschränkungen anfangs keine Miete erhoben wird. Sollte es eine Öffnung der Außengastronomie geben, werde der Mietzins entsprechend angepasst. Erst bei einer erhofften vollständigen Betriebsaufnahme wird dann die Pacht in voller Höhe fällig.

Wellblech-Wände erinnern an die „Tante Ju“

Milanovic nutzt die Zeit, um sein Lokal mit dem künftigen Namen Bato’s Tower-Restaurant herzurichten. So wurde bereits ein Anbau aus silberfarbenen Wellblech-Wänden errichtet, in dem Platz für Kühlcontainer und Warenlieferungen ist. Der Wellblech-Look nimmt die Optik des Tower-Restaurants auf und soll an historische Flugzeuge wie die Junkers 52 erinnern. Außerdem will der neue Pächter die Möblierung des Außenbereichs erneuern lassen.

Falls Besuchern des Flugplatzes derzeit schon der Magen knurren sollte, gibt es Abhilfe. Seit Anfang März hat der Imbisswagen der Mädels GbR im Aussichtsgarten wieder geöffnet. Die Damen aus dem familiären Umfeld des Platzwarts sollen in Abstimmung mit „Bato“ künftig weiterhin tätig sein.

50.000 Starts und Landungen: der Flugplatz in Zahlen

Die Flugplatz Uetersen-Heist GmbH ist Eigentümer des gesamten Gebäudekomplexes, zu dem neben dem Tower-Restaurant mitsamt Mobiliar und Küche auch die Büros der ansässigen Luftfahrtunternehmen sowie der Tower der Luftaufsicht gehören. Hinzu kommen die Tankstelle und einige Hangars. Als Betreiber des Flugplatzes ist die GmbH wiederum Mieter des rund 100 Hektar großen Geländes. Das Areal ist Bundeseigentum und wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verwaltet. Der Neubau wurde fünf Jahre nach einem nie aufgeklärten Brand des alten Gebäudes im März 2009 eröffnet.

Träger der GmbH sind der Aero-Club Pinneberg, der Verein Hamburger Luftsport, der Luftsportverein Pinneberg und der Segelflug-Club Uetersen. Mit jährlich bis zu 50.000 Starts und Landungen zählt der Flugplatz Uetersen-Heist zu den am meisten genutzten Verkehrslandeplätzen Schleswig-Holsteins. Die Landegebühren machen neben Mieteneinnahmen, Stellplatzgebühren und dem Kraftstoffverkauf einen Großteil der Einkünfte der GmbH aus.

Die wegen der Pandemie beschränkten Aktivitäten der Flugschulen und Luftfahrtunternehmen bekam auch die Flugplatz-Gesellschaft zu spüren. Geschäftsführer Volker Carstensen beziffert den Rückgang seit März 2020 auf bis zu 30 Prozent. Nachdem nun wieder Flugschulbetrieb zulässig ist, hofft Carstensen auf weitere Lockerungen für die Unternehmen wie beispielsweise bei den beliebten Rundflügen.

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