Kreis Pinneberg

Viele Neuinfektionen und zwei weitere Todesfälle

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Ein Sanitäter macht bei einer jungen Frau einen Abstrich (Symbolbild).

Ein Sanitäter macht bei einer jungen Frau einen Abstrich (Symbolbild).

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Inzidenz steigt. Senioren können mit dem Taxi zum Impfen. Situation in Pflegeheimen entspannt sich deutlich.

Kreis Pinneberg.  Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Kreis Pinneberg hat am Donnerstag mit 31 einen vergleichsweise hohen Stand erreicht. Die Inzidenz klettert auf 46,5. Am Vortag hatte sie bei 39,9 gelegen. Laut Gesundheitsamt wurden am Donnerstag 21 Neuinfektionen mehr registriert als am Donnerstag der Vorwoche. Die meisten Neuinfektionen wurden aus Elmshorn und Pinneberg mit je sieben Fällen gemeldet. Bis auf das Amt Pinnau gab es in den Ämtern des Kreises, in den Gemeinden Rellingen und Helgoland und in der Stadt Uetersen keine Neuinfektionen. Zwei Personen sind am Donnerstag in Pflegeheimen mit einer Corona-Infektion verstorben. Vier Patienten kamen in Kliniken.

Unterdessen hat der Kreistag beschlossen, dass alle Senioren im Kreis Pinneberg, die älter als 80 Jahre alt sind und einen Termin in den Impfzentren in Prisdorf oder Elmshorn haben, sich jetzt auf Kosten des Kreises Pinneberg mit dem Taxi dorthin und wieder zurückfahren lassen können. CDU, SPD, Grüne, Linke und Bürgerliche Mitte, die diese Fahrtkostenübernahme gegen die Stimmen von AfD und FDP beschlossen, entschieden auf Antrag der SPD auch, dass dies rückwirkend zum 1. Februar gilt. Die Verwaltung rechnet nun mit Gesamtkosten von einer halben Million Euro.

Nur Abrechnungsbogen ausfüllen

Wer in diese Altersgruppe fällt und im Kreis wohnt, sollte vor Fahrtantritt mit dem Taxi-Unternehmen abklären, ob es diese Fahrten mit dem Kreis abrechne, so die Verwaltung. Der Fahrgast selbst brauche dann nicht zu bezahlen. Er müsse nur einen Abrechnungsbogen im Taxi ausfüllen. Diejenigen, die bereits Taxifahrten zum Impftermin aus eigener Tasche bezahlt haben, können jetzt nachträglich diese Kosten vom Kreis erstattet bekommen.

Dies sei gesellschafts- und sozialpolitisch notwendig, begründete SPD-Fraktionschef Hans-Peter Stahl diesen Beschlussantrag. Schließlich handele es sich um jene Generation aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, „die Deutschland wieder aufgebaut“ und maßgeblich dazu beigetragen habe, „wie wir heute leben“. Auch die Bedürftigkeit sei gegeben, so Stahl. Jeder sechste der 23.000 über 80-Jährigen sei „von Altersarmut betroffen“. CDU-Abgeordnete Sonja Wehner sagte, dass vor allem jene alten Leute, die ländlich lebten, diese Hilfe „nötig haben, weil sie keine andere Möglichkeit“ hätten, sonst zum Impfzentrum fahren zu können. Die Krankenkassen würden diese Fahrten nicht erstatten, betonte Heike Maser-Festersen von der Bürgerlichen Mitte, die als erstes diese Taxikosten-Erstattung auf Kreisebene gefordert hatte. Neben der „Erleichterung für die älteren Menschen“, die beruhigt zum Impfzentrum kommen könnten, würde der Beschluss auch das vom Lockdown hart gebeutelte Taxi-Gewerbe unterstützen, so Thomas Grabau (Grüne).

Warum FDP und AfD dagegen waren

FDP-Fraktionschef Olaf Klampe hielt dagegen diese Kostenerstattung für unnötig, weil die alten Menschen entweder selber zum Impfzentrum fahren könnten oder sich von Verwandten und Freunden dorthin kutschieren ließen. Zudem würden die anfallenden Ausgaben eine mögliche Senkung der Kreisumlage verringern und somit den Städten und Gemeinden schaden.

AfD-Fraktionschef Bernhard Noack beantragte stattdessen, dass der Kreis auf eigene Kosten Schnelltest-Zentren für das Coronavirus einrichten solle, was aber von den anderen Fraktionen einmütig abgelehnt wurde. „Das ist eine Aufgabe des Landes, das diese Teststrategie koordiniert“, erklärte Landrätin Elfi Heesch. Und der Bund würde die Kosten tragen. Diese sollen flächendeckend und kostenlos für die Bürger bis Anfang April eingerichtet werden. Darauf hätten sich die Kommunen mit der Landesregierung gerade aktuell bei einer Videokonferenz verständigt. „Wir sollten da landesweit einheitlich vorgehen und uns nicht gegenseitig kannibalisieren“, sagte die Kreisverwaltungschefin.

Zudem hätte sich die Corona-Lage in den Alten- und Pflegeheimen des Kreises erheblich entspannt, führte die Landrätin aus. Während vor ein paar Wochen noch jeder dritte Bewohner dort infiziert gewesen sei, wäre es aktuell nur noch jeder 25. Wobei so gut wieder jeder der 4000 Altenheimbewohner im Kreis bereits geimpft sei. Darum habe sich auch die erste Schätzung der Kosten nun auf eine halbe Million Euro verringert, wobei die Verwaltung aktuell davon ausgeht, dass nur jeder Dritte der übrigen
19.000 Menschen dieser Altersgruppe die Kostenerstattung des Kreises in Anspruch nehmen werde.

( ade/bf )

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