Kreis Pinneberg

Wie tief müssen Glasfaserkabel ins Erdreich?

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Glasfaserkabel fürs superschnelle Breitband Internet liegen bereit (Symbolfoto).

Glasfaserkabel fürs superschnelle Breitband Internet liegen bereit (Symbolfoto).

Foto: STEFAN AREND / Funke Foto Services GmbH

Die Telekom hat eine klare Vorstellung: 45 Zentimeter. Mit welchem Argument sie Uetersen unter Druck setzen will.

Uetersen.  Die Deutsche Telekom Technik GmbH plant für den Uetersener Innenstadtbereich den Glasfaserausbau und den Anschluss von etwa 1500 Haushalten. Das Unternehmen ist nun an die Stadt herangetreten und beantragt die Zustimmung für die Verlegung der Glasfaserleitungen in sogenannten Mindertiefen. Statt der üblichen 60 Zentimeter will das Unternehmen nur 45 Zentimeter in die Tiefe gehen. So sind die Leitungen schnell und günstig für die Deutsche Telekom zu verlegen. Alles andere wäre nicht wirtschaftlich, so das Unternehmen.

Aus Sicht der Uetersener Stadtverwaltung Uetersen birgt die Art der Verlegung gravierende Gefahren. Sie schreibt in einer Stellungnahme an die Politik, dass bei jedem Eingriff in einen Gehweg oder in eine Straße durch den städtischen Bauhof, ein Tiefbau- oder Versorgungsunternehmen diese unter Umständen auf die Glasfaserkabel stoßen und diese höchstwahrscheinlich beschädigen könnten, da Glasfaserkabel extrem anfällig für Beschädigungen seien. Schäden an den Leitungen könnten bereits bei Schlaglöchern entstehen. Die Beschädigung der Kabel und damit entstehende Kosten könnten dann unter Umständen der Stadt angelastet werden.

Stadtverwaltung beruft sich aufs Verkehrsministerium

Die Stadtverwaltung beruft sich auch auf die Broschüre „Verlegetechniken für den Breitbandausbau“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Darin spricht sich das Ministerium bei Verlegung in „geringer Tiefe“ für 60 Zentimeter als Referenztiefe aus und nicht wie die Deutsche Telekom für 45 Zentimeter bis zur Oberkante des Gehwegs oder der Straße. Grabentiefen von 20 bis 60 Zentimeter werden vom Ministerium in Einzelfällen für Rad- und Gehwege genannt. Es verweist aber auch auf den Nachteil eines erhöhten Risikos möglicher Kabelschäden durch die geringere Verlegetiefe.

Die Stadtverwaltung gibt auch zu bedenken, dass im Zuge der Gleichberechtigung allen anderen Anbietern ebenfalls diese Genehmigung erteilt werden müsste. Bisher wurden laut Stadtverwaltung jedoch von anderen Breitbandanbietern keine Anträge auf Verlegung von Glasfaserleitungen in Mindertiefen gestellt.

Befürchtung: Kabel könnten Bäume schädigen

Zudem müssten auch die Bäume geschützt werden. So erteile das Bauamt momentan Aufgrabegenehmigungen in Bereichen von Straßenbäumen nur in Begleitung eines anerkannten Baumpflegers. Dies bekommen die ausführenden Firmen zur Auflage.

Man befürchtet, dass die Verlegung der Kabel in geringer Tiefe das Wurzelwerk durchtrennt und die Bäume so beschädigen könnte. Gerade in der Innenstadt gebe es viele Bäume im öffentlichen Raum, zum Beispiel an der Berliner Straße, Am Mühlenteich, an der Lindenstraße, an der Wassermühlenstraße und an der Jahnstraße, die von den Arbeiten betroffen wären.

Im Bau- und Verkehrsausschuss, der am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Rathaus beginnt, müssen nun die Politiker entscheiden, ob sie der Verlegung der Leitungen in Mindertiefe zustimmen oder sie ablehnen.

( ade )

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