Kreis Pinneberg

ADFC will Radwege statt Gleisen in Uetersen

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Anne Dewitz
Ende Februar 2020 testete die NEG eine Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Uetersen und Tornesch. Die Aktion endete mit einem Unfalldrama, bei dem ein Senior ums Leben kam.

Ende Februar 2020 testete die NEG eine Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Uetersen und Tornesch. Die Aktion endete mit einem Unfalldrama, bei dem ein Senior ums Leben kam.

Foto: Chantale Rau / HA

Fahrradlobbyisten bringen einen entsprechenden Antrag in den Bauausschuss ein. Was sie genau wollen.

Uetersen/Tornesch.  Bislang sind die Bemühungen, die Bahnstrecke zwischen Uetersen und Tornesch zu reaktivieren, gescheitert. Der ADFC Tornesch-Uetersen sieht darin eine einmalige Chance, um die Fahrradinfrastruktur zu verbessern. Die Idee: Bestehende Gleisanlagen könnten in Fahrradwege umwandelt werden. Einen entsprechenden Antrag hat der ADFC in den Uetersener Bau- und Verkehrsausschuss am Donnerstag, 11. März, (20 Uhr im Rathaus Uetersen) eingebracht.

„Für die meisten Fahrten von Uetersen zum Bahnhof Tornesch wäre bei einer angenommenen mittleren Entfernung von 3,5 Kilometern das Fahrrad das schnellste Verkehrsmittel“, sagt Gerd Linkhorst, ADFC-Beauftragter für Uetersen. Denn die Buslinie 6661 fährt über Umwege durch die Wohngebiete. Grundsätzlich sei der ADFC für den Ausbau des Schienenverkehrs, aber in diesem Falle würde die Entfernung oder Überbauung der Gleise an der Klosterkoppel die Fahrradinfrastruktur entscheidend voranbringen, so Linkhorst.

Gleisbett ist breit genug

Platz genug für einen Radweg böte das Gleisbett. Linkhorst hat nachgemessen: Es ist durchschnittlich vier Meter breit und etwa 750 Meter lang. „So könnte auf der Südseite der Klosterkoppel ein drei Meter breiter, zweispuriger Radweg entstehen“, sagt er. Dieser könnte – auf Kosten des Parkstreifens – über das Ende des Schienenstrangs hinaus bis zur Kreuzung Röpckes Mühle oder bis zur Kastanienallee weiterführen.

„Dann könnten alle Schüler, die in Moorrege, Heist, Haselau oder Appen, also südlich der Klappbrücke, oder in den östlichen Stadtteilen Uetersens wohnen, zügig und gefahrlos auf diesem Radweg weiter und entweder auf einem neu zu schaffenden Radweg auf der Westseite von Röpckes Mühle – damit die Straße nicht zweimal überquert werden muss – oder über die Kastanienallee und die Bleekerstraße zu den Schulen in der Seminarstraße radeln“, meint der Moorreger.

Bisheriger Schulweg lebensgefährlich

Der Aufwand wäre laut ADFC überschaubar: Die Querung der Marktstraße könnte durch eine rot markierte Furt auf der Fahrbahn und eine Bedarfsampel abgesichert werden. Der Geh- und Radweg in der Kastanienallee könnte etwas verbreitert und durch eine hochwertigere Kiesschüttung ebener gestaltet werden. Den Weg, den viele Schüler mit ihren Rädern bislang nehmen, hält Linkhorst dagegen für lebensgefährlich. „Sie passieren auf der Nordseite der Klosterkoppel bei der Parkpalette zwei Engstellen und 13 Einmündungen“, sagt er.

In den vom ADFC vorgeschlagenen Varianten würden sie nur die Hafenstraße, vier Grundstückseinfahrten und den Straßenzug Großer Wulfhagen/Marktstraße zu queren haben. „Es würde nicht nur ein sicherer Schulweg, sondern in jedem Fall auch ein attraktiver Weg für Radtouristen über die Kastanienallee und die Gustchen-Stolberg-Promenade in den Klosterbezirk geschaffen werden“, sagt Linkhorst. Über die Kastanienallee östlich der Klosterkoppel gäbe es zudem eine Anbindung an das Rosarium und an die seit 2018 geplante Veloroute Uetersen-Tornesch.

Nachbesserungsbedarf bei Planung der Veloroute

Ein Planungsbüro hatte im Auftrag der Stadt die Veloroute vom Bahnhof Tornesch über Uetersener Straße, Hebbelstraße, Heinrich-Schröder-Straße, Lindenstraße, Am Mühlenteich bis hin zum Markt geplant. Auch hier sieht der ADFC Nachbesserungsbedarf. „Da nunmehr klar ist, dass die Bahnstrecke von der Feldmühle bis zum Bahnhof Tornesch bestehen bleibt, aber auch für den Expressbus Uetersen–Tornesch hergerichtet werden soll, hat sich für den ADFC Tornesch-Uetersen der Sachverhalt insofern geklärt, als nun die Route über den Schwarzen Weg und die Hebbelstraße als einzig sinnvolle Route verbleibt“, heißt es in der Vorlage. Diese Route würde nahtlos an die vorgeschlagene Schulweg-Route anknüpfen.

„Die vom Planungsbüro vorgeschlagene Route über die Heinrich-Schröder-Straße erscheint uns problematisch, weil diese Straße stark frequentiert ist und man als Radfahrer an der großen Kreuzung Sandweg, Alsenstraße, Jahnstraße schlecht in die Lindenstraße gelangen kann“, so Linkhorst. Alternativ könnten Radfahrer über den Esinger Steinweg und die Alsenstraße geführt werden.

Ein Ausbau der schon fahrradfreundlichen Alsenstraße wäre aus Sicht des ADFC sinnvoll, weil die Strecke Sandweg, Alsenstraße, Friedhofstraße, Kassbeerentwiete Teil einer schnellen, nahezu autofreien Verbindung nach Elmshorn ist.

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