Kreis Pinneberg

So verlief der erste Shopping-Tag im Kreis Pinneberg

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Alexandra Schrader
Die längste Schlange im Stadtzentrum Schenefeld: vor der TK-Maxx-Filiale.

Die längste Schlange im Stadtzentrum Schenefeld: vor der TK-Maxx-Filiale.

Foto: Alexandra Schrader

Stadtzentrum Schenefeld fest in Hamburger Hand. Und in Pinneberg waren die Straßen voll wie seit Langem nicht mehr.

Schenefeld.  Das Stadtzentrum Schenefeld ist am Montag fest in Hamburger Hand. Schon im Parkhaus fällt auf: Die abgestellten Autos haben mehrheitlich ein „HH“ auf dem Nummernschild, die Wagen der Einheimischen scheinen in der Minderheit.

Und wer da ist, hat mitunter eine weite Anreise hinter sich. „Bergedorf“, sagt Jutta Staudinger. Fürs Shoppen ist sie vom entgegengesetzten Ende Hamburgs gekommen, möchte im Kreis Pinneberg auch noch eine Freundin besuchen. „Der Weg ist gar nicht so weit, wie viele immer denken“, sagt sie. Ein bestimmtes Einkaufsziel hat sie an diesem Vormittag nicht, will einfach nur ausnutzen, dass die Läden wieder geöffnet sind. „Ich gucke mich ein bisschen um, bisher war ich beim Bäcker und bei Douglas.“

Weihnachtsgeschenk umgetauscht

Einfach ausnutzen, dass die Geschäfte wieder geöffnet haben. Hier jedenfalls, in der benachbarten Metropole, deren Grenze nur einen Kilometer entfernt ist, nicht. Die Annahme, dass viele Hamburger zum Shoppen zu den Nachbarn kommen, wird an diesem Montag Realität. Vor einigen Geschäften haben sich lange Schlangen gebildet. Menschen schleppen Einkaufstaschen.

Auch Ralf Hohenhaus aus Eidelstedt ist nach Schenefeld gekommen. Im Einkaufszentrum sei er nur, um noch ein Weihnachtsgeschenk umzutauschen. „Jetzt gehe ich aber direkt wieder, mir ist es hier einfach zu voll“, sagt er. Der große Ansturm ist seiner Meinung nach den uneinheitlichen Lockerungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zuzuschreiben. „Ich glaube, es war keine so gute Idee, den Einzelhandel in einem Bundesland zu öffnen und in dem anderen nicht.“ Als „Nichtentscheider“ habe er natürlich auch leicht reden, gibt der Hamburger zu. „Schließlich müssen wir uns womöglich damit abfinden, dass wir diese Pandemie zwar in den Griff bekommen, aber nie mehr ganz loswerden.“

Viele meinen, es sei etwas zu voll

Auch Gesine Odermath hat bei ihrem Einkauf im Schenefelder Einkaufszentrum gemischte Gefühle. „Ich wollte einfach ein bisschen gezielt nach den Sachen gucken, die ich brauche“, sagt sie. Für ihren Geschmack seien es jedoch ein paar Menschen zu viel, die unterwegs sind. Wenn die benachbarten Bundesländer sich nicht einig werden könnten, entstehe wahrscheinlich immer eine Sogwirkung, sagt sie. „Die Folge davon könnten wieder steigende Infektionszahlen in bestimmten Kreisen sein.“

Zwischen den vielen Einzelkunden sind auch einige Familien unterwegs. Bärbel Sagner aus Lurup ist am Montagmittag mit Tochter, Enkel und den Urenkeln unterwegs. Die 70-Jährige ist bereits Rentnerin, aber trotzdem noch in der ambulanten Pflege tätig. Ihre erste Impfung hat sie bereits hinter sich. „Ich bin froh darüber, endlich mal wieder zum Einkaufen rausgehen zu können“, sagt sie. Dennoch habe sie Respekt davor, sich anzustecken, insbesondere an gut besuchten Orten wie dem Einkaufszentrum heute.

Kunden sehen, dass sich Händler Mühe geben

Frauke und Günter Abraham hatten keinen weiten Weg, sie kommen aus Pinneberg. Über die Wiedereröffnung der Geschäfte sind sie sehr erleichtert. „Wir sind oft in diesem Einkaufszentrum“, sagt Frauke Abraham, „hier kaufen wir unsere Geschenkkarten und gehen zur Sparkasse.“ Ihrer Ansicht nach sei es wichtig, den Läden die Chance zu geben zu öffnen, wenn die Inzidenz es erlaubt. Den Unterschied im Datum der Öffnungen kann das Ehepaar daher gut verstehen: „Schließlich ist es von den Zahlen abhängig, ob Lockerungen möglich sind oder nicht“, sagt Günter Abraham „in Hamburg ist das eben noch nicht der Fall.“ Zudem sei es bemerkenswert, wie viel Mühe die Einzelhändler sich hier gäben, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. „Wir haben hier keine Angst uns anzustecken.“

Auch Ilona Glowienke freut sich, wieder bummeln zu können. Dank der Hygienemaßnahmen fühle sie sich trotz der vielen Menschen sicher. „Einfach ein bisschen nach Klamotten gucken und für meinen Hund einkaufen“ möchte die Schenefelderin. Trotzdem achte sie sehr darauf, „in ihrer Ecke“ zu bleiben und zum Einkaufen nicht allzu weit weg zu fahren.

Wachdienst ist verstärkt worden

Ganz und gar nicht begeistert von den Menschenmengen ist hingegen Michael Loll aus Pinneberg-Waldenau. Er komme, wie an diesem Tag, regelmäßig zur Reha ins Einkaufszentrum. „Ich finde es krank, wie viele Leute hier sind“, sagt er. Schon nach dem ersten Lockdown seien die Schlangen hier ewig lang gewesen. Trotzdem findet er: „Langsam ist es Zeit für Lockerungen!“ Dass die Restaurants noch geschlossen bleiben müssen, bedauert er sehr.

Anne Bahr von der Marketing-Leitung des Zentrums ist auch nachmittags noch positiv gestimmt: „Wir haben viele Besucher, die einfach sehr glücklich sind, mal wieder shoppen gehen zu können“, sagt sie. Wir haben für heute und für die nächsten Tage extra mehr Leute vom Wachdienst angestellt, die dafür sorgen, dass die Laufwege frei bleiben und alle sich sicher fühlen.“ Viele Menschen hätten zudem angerufen und gefragt, zu welchem Zeitpunkt sie am besten kommen sollten. „Wir sind sehr zufrieden damit, wie gut alles an diesem ersten Tag verlaufen ist.“

Volle Straßen in Pinneberg

Ortswechse, zehn Kilometer weiter nördlich. Pinnebergs Innenstadt sieht am Montag aus, als habe jemand den Frühling eingeschaltet. Als seien die Türen aller Wohnungen der Stadt auf einmal aufgesperrt worden. So belebt ist es hier zuletzt vor vielen, vielen Monaten gewesen. In den Geschäften, aber auch auf den Straßen.

„Unerwartet voll“: So beurteilt Yvonne Holz, Verkäuferin im Modehaus Glindmeyer, die Lage. Die Kunden kämen nicht nur aus Pinneberg, sondern auch aus Appen, Kummerfeld und anderen umliegenden Dörfern. Bisher hat das Hygienekonzept gut funktioniert, berichtet sie.

Haben einige Angst, keine Ware mehr abzubekommen?

Doreen Fischer verlässt das Modehaus gerade, in jeder Hand eine Einkaufstüte. Sie freut sich über die Lockerungen. „Ich bin keine Online-Käuferin. Am liebsten kaufe ich in lokalen Geschäften, die ich so gleichzeitig unterstütze“, sagt die 46-Jährige. Sie hat spontan zwei Sachen mehr mitgenommen, als sie eigentlich wollte. Wird die Ladenöffnung die Zahl der Neuinfektionen negativ beeinflussen? „Ich befürchte schon, auch wenn ich mir von Herzen wünsche, es sei nicht so.“ Denn nicht alle hielten sich ausreichend an die Hygienemaßnahmen. Die OP-Schwester setzt große Hoffnung auf die Impfungen.

Giulia Sehrndt (18) und Selina Postler (19) fühlen sich nicht so sicher. Der Abstand werde zum Teil missachtet, weil es so voll ist. Trotzdem stehen sie eine halbe Stunde vor H&M an und warten jetzt vor Bijou Brigitte auf Einlass. „Ich glaube, alle freuen sich, dass sie wieder rauskommen“, sagt Giulia, die auch mehr gekauft hat, als sie ursprünglich vorhatte. Sie vermutet, einige Käufer seien gestresst, weil sie Angst haben, nichts mehr abzubekommen.

Dreimal nach Baumarkt gefragt worden

Auf dem Weg in die Rathauspassage richtet Arne Bohm seiner kleinen Tochter die pinkfarbene Maske. Der 44-Jährige braucht ein paar Sachen und will bei der Gelegenheit die lokalen Geschäfte unterstützen. Ihm seien viele Hamburger aufgefallen. Woran er die erkenne? „Ich wurde heute schon dreimal nach dem Weg zum Baumarkt gefragt“, erzählt er belustigt: „Aber für Pinneberg ist das ja gut, dann kommt noch ein bisschen mehr Geld rein.“ Angst vor einer Zunahme des Infektionsgeschehens habe er nicht. Die Geschäfte setzten die Hygienemaßnahmen schließlich gut um.

Erst gegen Abend wird es leerer in der Pinneberger City. Die Läden schließen, Tag eins nach Lockdown zwei ist vorüber.

( hspsw )

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