Kreis Pinneberg

Wird Elmshorns neues Rathaus vier Millionen günstiger?

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Diese neue Visualisierung zeigt Elmshorns Rathaus mit erweitertem Westflügel.

Diese neue Visualisierung zeigt Elmshorns Rathaus mit erweitertem Westflügel.

Foto: Winking Froh Architekten / HA

Baustadtrat stellt Pläne für günstigeren Rathaus-Neubau vor. Worauf die Architekten dafür verzichtet haben.

Elmshorn.  Trotz coronabedingter Sitzungspause: Die Planungen für den Stadtumbau ruhen nicht. Um die Elmshorner Politiker bestmöglich zu informieren, vereinbarte die Elmshorner Stadtverwaltung mit den Mitgliedern des Stadtumbau-Ausschusses eine Videokonferenz. Wichtigstes Thema: eine optimierte Planung für den Rathaus-Neubau, die eine Beschleunigung des Baus und eine erhebliche Kostenersparnis bedeuten soll.

„Wir haben auf Wunsch der Ausschussvorsitzenden erstmals ein digitales Treffen der Mitglieder des Stadtumbau-Ausschusses organisiert“, berichtet Baustadtrat Lars Bredemeier. Er freut sich über die gelungene Premiere. Zwar könne das Gremium per Videokonferenz keine Beschlüsse fassen, wohl aber über die neuesten Entwicklungen informiert werden. „Vor dem Hintergrund immer konkreter werdenden Planungen wollten wir den überarbeiteten Entwurf des Rathaus-Neubaus dringend präsentieren.“

Belasteter Boden und Grundwasser kein Problem

Der konkretisierte Entwurf des Architekturbüros Winking Froh würdigt die genauer erkundeten Bodenverhältnisse. Das Büro schlägt vor, auf eine Teilunterkellerung des Rathauses zu verzichten und benötigte Technikräume statt im Keller in einem verlängerten Westflügel unterzubringen. „Die optimierte Planung bedeutet, dass wir weder in den belasteten Boden noch in den Grundwasserleiter vordringen“, sagt Bredemeier.

Die Folge: Weder muss eine Spundwand zur Wasserhaltung in den Boden eingebracht werden, noch eine große Menge belasteten Bodens abtransportiert werden. „Die erforderlichen Gründungspfähle können unproblematisch errichtet werden“, so der Baustadtrat weiter. Damit wird der Neubau deutlich schneller errichtet werden können. Außerdem rechnen die Architekten mit einem Einsparpotenzial von rund vier Millionen Euro.

Gesamtkosten würden 43 Millionen Euro betragen

Aktuell werden die Kosten des bisherigen Entwurfs auf rund 47 Millionen Euro geschätzt, die neue Variante würde somit bei rund 43 Millionen Euro liegen. In beiden Fällen ist bereits die Herrichtung des Geländes sowie die Innenausstattung und Möblierung des Gebäudes eingeschlossen.

Lars Bredemeier betont: „Wir müssen mit dem Bau schnellstmöglich beginnen. Nach unseren Erfahrungen steigen die Kosten für Bauvorhaben, sowohl für Bestandssanierungen wie auch für Neubauten, um bis zu neun Prozent pro Jahr“. Nicht nur die Verwaltung sei an der Stelle gefordert, auch die Politik müsse über den konkretisierten Plan einen Beschluss fassen. „Daher wollten wir schnellstmöglich die politischen Vertreterinnen und Vertreter über die veränderte Rathausplanung informieren“, erläutert Bredemeier. Der Beschluss solle, sobald die Situation es wiederzulasse, sowohl im Stadtumbau-Ausschuss als auch im Kollegium getroffen werden.

Auch ohne Beschlussfähigkeit sei die erste politische Videokonferenz wichtiggewesen: „Wir sind sehr zufrieden mit dem digitalen Austausch, der uns immerhin ein erstes Stimmungsbild ermöglicht hat“, sagt Bredemeier. Vereinzelt seien bei einigen Ausschussmitgliedern technische Probleme aufgetreten, die weiter ergründet und gelöst werden sollen. „Ich möchte mich bei den Politikerinnen und Politkern bedanken, dass sie auch in Zeiten der Pandemie ihre Aufgabe so verantwortungsvoll wahrnehmen und sich auch unter diesen Bedingungen mit den Entwicklungen im Stadtumbau auseinandersetzen“, sagt Bredemeier.

Das Baugrundgutachten hatte ergeben, dass der Boden nahe der Krückau erst zwischen zehn und 18 Meter in der Tiefe tragfähig ist. Problematisch sind die Altlasten in dem ehemaligen Industriegebiet und mögliche Kampfmittel an dieser Stelle. Alle Probebohrungen hatten Belastungen aufwiesen. Die Entsorgung dieser Erde ist teuer.

Ursprüngliche Baukosten: 30,5 Millionen Euro

Sowieso wird das Neubauprojekt an der Schauenburger Straße teurer als noch vor drei Jahren geschätzt. Damals gingen die Planungen von einer Tiefgarage aus, die von der Politik verworfen wurde. Die Kosten wurden auf 30,5 Millionen Euro geschätzt. Nun soll der Neubau größer werden, da 220 und nicht 182 Büros benötigt werden, und damit auch teurer als ursprünglich gedacht.

Die Entscheidung für den Rathausneubau war Ende 2012 gefallen. Seitdem hat sich der Baubeginn immer weiter nach hinten verschoben. 2017 wurde der erste Spatenstich noch für das Jahr 2020 kommuniziert. Nun wird damit gerechnet, dass der Bauantrag im Sommer 2021 gestellt werden kann.

Der Rathaus-Neubau ist ein zentrales Puzzleteil im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen. Sie umfasst den Buttermarkt mit der Markthalle, das Haus der Technik und zieht eine Änderung der Straßenführung nach sich.

( ade )

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