Pinneberg

Hogenkamp Nord: Ein Bebauungsplan voller Widersprüche

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Protestierende (v. l.) am Grundstück Fuchsbau in der Nähe vom Igelweg: Tobias Lorentzen, Alexandra Schwan, Birgit Struensee und Carsten Keuchel.

Protestierende (v. l.) am Grundstück Fuchsbau in der Nähe vom Igelweg: Tobias Lorentzen, Alexandra Schwan, Birgit Struensee und Carsten Keuchel.

Foto: Sören Krampe

Politiker wollen Charakter der Oelting-Siedlung erhalten. Aber es fehlt Wohnraum, weshalb nun verdichtet gebaut werden darf.

Pinneberg.  Soll nun der Charakter der Oelting-Siedlung im Süden Pinnebergs erhalten werden, wie es im Bebauungsplan 41 zum Hogenkamp Nord steht, oder nicht? Und falls ja, warum dürfen am Igelweg und am Fuchsbau demnächst zwei größere Grundstücke nach Abriss der vorherigen Häuser mit jeweils zwei Stadtvillen bebaut werden, was dem Typus einer großzügigen, grünen Siedlung widerspricht?

Mit dieser Frage werden am Dienstag einige Pinneberger schlafen gegangen sein, die der langen Diskussion in der erstmals digital abgehaltenen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses gefolgt sind. Allen voran Birgit Struensee, die aus Protest gegen die Verschandelung ihres Viertels eine Anwohner-Initiative gegründet hat (wir berichteten) und jetzt gegen die Stadt klagen will.

Rund 70 Anwohner protestierten

Wegen massiver Proteste von rund 70 Anwohnern, die dort wohnen, weil sie den Charme einer grünen Siedlung gesucht hatten, war die Stimmung von Anfang an angespannt. Dazu trugen auch zwei Anwohner bei, die in der Einwohnerfragestunde auf Unstimmigkeiten und mangelnde Unterstützung seitens der Politik hinwiesen.

Primär ging es um zwei Anträge: Die Grünen & Unabhängigen wollen mehrheitlich zum einen eine Veränderungssperre erwirken, um weiteren Schaden in Form von zu dichter und zu hoher Bebauung abzuwenden. Zum anderen wollen sie, dass der B-Plan 41 zum dritten Mal geändert wird. Damit verbunden, sollten alle vorhandenen Bauvoranfragen (wir berichteten) zurückgestellt werden. Die beiden bereits geplanten Häuser auf dem Grundstück Igelweg 2 dürften in diesem Fall nicht gebaut werden.

Grüne & Unabhängige wollten Veränderungssperre

Ihr Antrag scheiterte aber in allen drei Punkten. Unbeantwortet blieb die Frage einer Anwohnerin, warum 2018 eine Bauvoranfrage abgelehnt worden sei, die genau in dem Sinne der bisherigen Bebauung im Viertel verlaufen wäre.

Die übrigen Fraktionen CDU, SPD, FDP und Bürgernahe haben dann ihrem eigenen Antrag zur Mehrheit verholfen, wobei im Laufe der Diskussion deutlich wurde, dass die Politiker gar nicht so weit auseinander liegen. Auch in dem gemeinsamen Antrag wird eine dritte Änderung des B-Plans 41 angestrebt – mit immanentem Widerspruch: Einerseits wollen sie damit die städtebauliche Entwicklung steuern, andererseits den „bisherigen Charakter einer stark durchgrünten Einfamilienhaus-Siedlung mit niedriger Bebauungsdichte erhalten“. Dies aber ohne Veränderungssperre und ohne Zurückstellung von Bauvorhaben. Eventuelle Bauvorhaben sollen künftig allerdings dem Ausschuss mitgeteilt werden. Carl-Eric Pudor (CDU) sagte dazu: „Wenn wir der Veränderungssperre zustimmen, würden wir zwei jungen Familien die gesamte Lebensplanung zerschießen. Warum sollen wir dort modernes Bauen verhindern?“

Was waren die Ziele der B-Plan-Änderung von 2014?

Von Vorteil erwies sich, dass Gerhard Thomssen (SPD) ein gutes Gedächtnis hat. Er erinnerte daran, was hinter der 2014 besprochenen 2. Änderung des B-Plans gestanden hatte: „Damals gab es zahlreiche Wünsche, in dem Gebiet ein bisschen mehr Flexibilität zu schaffen. Und es ging uns damals darum, den Gebietscharakter im Wesentlichen zu erhalten“, sagte Thomssen. Sein Kollege Reinhard Matthies schlug vor: „Wir sollten uns bemühen, das anders zu formulieren, damit wir bessere Vorläufe und mehr Zeit haben.“ Birgit Klampe (FDP) stellte fest: „Da gibt es Diskrepanzen. Wir wollen eine dritte Änderung.“

Vorschlag von Bauamtschef Klaus Stieghorst an die Politik: „Offensiver vorgehen, grundsätzliche Ziele formulieren, wie verfahren werden soll.“

( eng )

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