Kreis Pinneberg

Kleines Elmshorner Juwel vor dem Abriss gerettet

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Kitty Haug
Das Haus Vormstegen 43 in Elmshorn ist sehr heruntergekommen – noch.

Das Haus Vormstegen 43 in Elmshorn ist sehr heruntergekommen – noch.

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Wohnungsunternehmen Semmelhaack saniert historisches Gebäude mit Adresse Vormstegen 43. Warum es nicht mehr für Stadtumbau weicht.

Elmshorn.  Es ist nur ein kleines Puzzleteil im großen Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen in Elmshorn. Aber ein besonders schönes, perspektivisch zumindest: Der Erhalt des einstmals repräsentativen Hauses mit der Adresse Vormstegen 43 ist gesichert. Pläne, es im Zuge des Stadtumbaus West abzureißen, sind vom Tisch.

In intensiven Gesprächen haben das Elmshorner Wohnungsunternehmen Semmelhaack und die Stadt Elmshorn eine Perspektive für das Stadthaus am ehemaligen Wechselplatz erarbeitet. „Die Villa bleibt erhalten, wird saniert und dann als Bürogebäude mit insgesamt rund 250 Quadratmeter Mietfläche genutzt. Und ein Mieter steht bereits fest”, sagt Semmelhaack-Prokurist Arne Parchent.

Semmelhaack ist seit zweieinhalb Jahren Eigentümer

In den Umbau und die Sanierung investiert Semmelhaack laut Parchent etwa 500.000 Euro, „genau so viel Geld wie für einen Neubau.“ Mit der Einrichtung der Baustelle wird kommende Woche begonnen. Der Fertigstellungstermin ist derzeit für den Oktober geplant.

Vor zweieinhalb Jahren hat das Elmshorner Wohnungsbauunternehmen das Gebäude gekauft – „in einem sehr traurigen Zustand“, berichtet Parchent. „Wir wollten es abreißen, bis uns das Kuratorium für Denkmalpflege ansprach“, erklärt Parchent. Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, trotzdem sprach damals vieles für den Erhalt des Gebäudes. Denn dieses Haus ist das letzte Gebäude am alten Wechselplatz, der Grenze zwischen den Orten Vormstegen und Klostersande, die Grenze zwischen dem Einflussbereich der Drostei Pinneberg und des Klosters Uetersen. „Es wäre für die Stadt nicht schön, wenn eine solche Historie zerstört werde“, meint Parchent.

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Zur Geschichte des Stadthauses lässt sich nicht viel finden, sagt Morten Planer, Mitarbeiter in der Projektsteuerung „Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen“, denn viele Akten seien während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Es wurde wohl zwischen 1873 und 1895 erbaut. „Wir wissen, dass dort Bekleidung und Antiquitäten verkauft wurden und eine Sattlerei ansässig war“, berichtet Planer. „Die Geschichte vor 1945 ließe sich mit etwas Aufwand anhand der Adressbücher bei uns noch recherchieren – aber eben leider nicht so zügig“, sagt Planer.

Aus den Dachrinnen wuchert Unkraut

Heute bietet das zweigeschossige Gebäude im Herzen der Stadt einen traurigen Anblick: Die Farbe blättert von der Außenmauer, Risse ziehen sich durchs Gemäuer bis fast hin zum Boden. Im Keller steht Wasser, aus den Dachrinnen wuchert Unkraut. Doch schon in der nächsten Woche wird das Gerüst aufgestellt. Vorher müssen allerdings die beiden Lindenbäume an der Ecke zur Reichenstraße gefällt werden. Ihr Wurzelwerk hat bereits große Schäden im Fundament des alten Hauses hinterlassen. Die Kastanie an der Straßenfront Vormstegen kann jedoch stehenbleiben. Im Zuge der Baumschutzverordnung ist die Pflanzung von zwei Bäumen geplant, die hoch und schmal wachsen sollen.

Auf die flachgeneigte Krone gesetzt bekommt das Stadthaus ein Zinkdach. Die Fassade des Stadthauses bleibt erhalten und wird in einem hellen, grauen Farbton gestrichen. Um einen dezenten Kontrast zur Fassade zu schaffen, werden weiße Sprossenfenster mit Zierelementen aus Fassadenstuck eingebaut – so sehen es die Pläne für das stadtbildprägende Gebäude vor. „Auch wenn das Haus nicht unter Denkmalschutz steht und wir daher nicht dazu verpflichtet sind, werden wir wieder Holzfenster einbauen“, erklärt Parchent.

„Haus der Technik“ wird als Schöpfwerk benötigt

Elmshorns Baustadtrat Lars Bredemeier ist erfreut über die Perspektive für das Haus – und über den Fortschritt im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen. „Es passiert jetzt an beiden Seiten der Straße etwas“, sagt er. Am Anfang, am Hafen-Südufer steht das "Haus der Technik“, das die Stadtentwässerung als benötigtes Schöpfwerk geplant hat.

Der technische Teil im Untergrund ist fertiggestellt. Im Rahmenplan ist ein mehrgeschossiger Baukörper vorgesehen. In den oberen drei Geschossen werden vom Gebäudemanagement Büroräume errichtet, die von der Stadtverwaltung genutzt werden sollen. Mit der Fertigstellung des ersten öffentlichen Neubaus im Sanierungsgebiet wird im Herbst 2021 gerechnet.

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