Wirtschaft

Streit um Umzug des Pinneberger Sonnabend-Marktes

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Katja Engler
Kartoffelbauer und Gemüsehändler Klaus Hauschildt aus Heidgraben auf dem Wochenmarkt vor der Drostei. Er ist gegen den Umzug.

Kartoffelbauer und Gemüsehändler Klaus Hauschildt aus Heidgraben auf dem Wochenmarkt vor der Drostei. Er ist gegen den Umzug.

Foto: Katja Engler

Im Juni sollen die Händler nach einem Beschluss der Politik in die Innenstadt wechseln. Den Marktleuten stößt das bitter auf.

Pinneberg. Nach Jahren der Diskussion soll der Sonnabend-Markt nun im Juni vom Marktplatz zur Bismarkstraße und vor die Drostei umziehen. Doch noch immer gibt es Unmut. Die Marktbeschicker haben eine Blitzumfrage unter ihren Kunden gemacht.

Ergebnis: Rund 90 Prozent von ihnen wollen keinen Umzug, 713 Befragte haben Nein dazu gesagt. Das sagt Gemüsebauer Klaus Hauschildt aus Heidgraben, der seit mehr als 40 Jahren seine Ware auf dem Pinneberger Markt verkauft.

Seine Kollegen und er stemmen sich gegen den Umzug vom Marktplatz auf den Platz zwischen VR-Bank und Rathaus. Aus ihrer Sicht habe das viele Nachteile. Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses haben die Verlegung am Dienstag trotzdem beschlossen.

Argument: Innenstadt soll belebt werden

Das Hauptargument der Politik für den Umzug ist die Vitalisierung der Innenstadt, die sich die umliegenden Einzelhändler jetzt, im Corona-Lockdown, dringend wünschen. Das machten Klaus Seyfert und Florian Kirsch (beide CDU) deutlich: „Herr Glindmeyer ist nochmal auf uns zugekommen und hat gesagt, dass sich Markt und Innenstadtgeschäfte gegenseitig beleben. Wenn wir nicht verlegen, hätten wir uns den Umbau der Bismarckstraße sparen können“, so Florian Kirsch. „Der Donnerstagsmarkt ist schon jetzt ein Treffpunkt für Jung und alt“, so Seyfert.

Das sei ja gut und schön, sagt Marktbeschicker Klaus Hauschildt, „aber das, was mit einem Wochenmarkt verbunden ist, nämlich Anfahrten, Fahrzeuge vor den Schaufenstern, Dreck und ein bisschen Lärm, das wollen die Einzelhändler nicht. Und wenn Events stattfinden, sollen wir ausweichen und auseinandergezogen werden. Das finden wir unfair.“ Das eine ohne das andere sei nicht zu haben.

Poller funktionieren nicht

Probleme sieht Hauschildt bei den versenkbaren Pollern, die schon jetzt, nach zwei Jahren, nicht mehr funktionierten. Dazu sagt Stadtsprecherin Maren Uschkurat: „Die Poller an der Einfahrt von der Friedrich-Ebert-Straße sind nicht mehr defekt, aber schwer zu handhaben. Es wurde das falsche Produkt eingebaut. Der Austausch der Poller soll bis zum Sommer erfolgen.“ Hauschildt sagt, es fehlten Stromkästen. Prinzipiell reichten die, sagt Uschkurat. Sie seien sogar „im Rahmen der Umgestaltung der Bismarckstraße noch durch zusätzliche, versenkbare Versorgungspoller zwischen den Bänken und Bäumen ergänzt“ worden. Die Erfahrungen der letzten Monate hätten aber gezeigt, dass es gut wäre, bis zum Sommer zwei weitere Versorgungskästen einzurichten, um die Marktstände flexibler aufstellen zu können.

Zudem haben die Marktleute Probleme beim Rangieren: „Das Ein- und Ausladen ist schwierig, aber bei Minusgraden ist das nicht mehr zumutbar für einige Kollegen. Das treibt einen Keil zwischen uns Markthändler. Weil’s da dauernd Stress gibt“, sagt Hauschildt.

Nur eine Toilette für den Markt

Wie so oft herrscht auch bei der Verlegung des Sonnabend-Wochenmarktes, die schon seit 2011 regelmäßig auf den Tagesordnungen der Ausschusssitzungen stehen, keine Einigkeit in der Pinneberger Politik. Während CDU und SPD ihn verlegen wollen, sind FDP und Grüne/Unabhängige eher dagegen. „Wir werden nicht dafür stimmen. Der Markt soll dort bleiben, und die Umgebung soll in unseren Augen verschönert werden“, sagt Birgit Klampe (FDP).

Seit Jahrzehnten ärgern sich die Beschicker, dass es für sie dort nur eine Toilette gibt, „die war vielleicht in den 70er-Jahren okay, aber heute geht das gar nicht mehr“, sagt Hauschildt.

Karsten Kreißler (Grüne/Unabhängige) bohrt bei der Frage nach, welches Entwicklungspotenzial der Sonnabendmarkt am neuen Ort habe und welche Perspektive Beschicker hätten, die neu hinzu kämen. Klaus Hauschildt sagt: „Wenn der Umzug kommt, seid Ihr weg, wird den Neuen gesagt.“ Im Ausschuss kam dazu keine klare Antwort.

Gerhard Thomssen (SPD) kennt die Argumente: „Ich möchte daran erinnern, dass das eine uralte Geschichte ist. Wir gehen davon aus, dass sich beide wechselseitig beleben. Wir bleiben dabei. Es ist ein Ärgernis, dass da noch nichts passiert ist.“ Die Basis der Berechnungen für den Umzug stammen aus einer Zeit, als der Sonnabend-Markt größer war als heute. Im Ausschuss fällt die Zahl von 48 Beschickern im Jahr 2011.

Dass es heute zu eng werden könnte, will Bauamtsleiter Klaus Stieghorst nicht bestätigen: „Im Bereich der Bismarckstraße wurde die maximale Zahl an Ständen berücksichtigt. Der Raum ist flexibel, aber begrenzt. Aber vonseiten der Marktbeschicker gab es immer kritische Stimmen.“ Maren Uschkurat sagt, wegen der Corona-Maßnahmen sei es bisher sinnvoll, sonnabends auf dem Marktplatz zu bleiben.

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