Kreis Pinneberg

Ein Knick-Schnitt sorgt für Unruhe in Ellerbek

| Lesedauer: 5 Minuten
Sara Willmroth
Die Ellerbeker Thies Klingenberg (v. l.), Carolina Schweig, Stefan Peters, Britta Steidlinger, Dieter Lockemann und Hinrich Brumm sorgen sich um das Landschaftsschutzgebiet hinterm Zaun.

Die Ellerbeker Thies Klingenberg (v. l.), Carolina Schweig, Stefan Peters, Britta Steidlinger, Dieter Lockemann und Hinrich Brumm sorgen sich um das Landschaftsschutzgebiet hinterm Zaun.

Foto: Sara Willmroth

Neuer Eigentümer eines Grundstücks an der Straße Achter de Hoef pflegt Bäume und Gestrüpp. Nachbarn fürchten, dass er bauen will.

Ellerbek.  Ein Rest von Schnee bedeckt die Bäume und Stümpfe des kleinen Walls, der das Grundstück Achter de Hoef 44 a in Ellerbek umgrenzt. Große Baumaschinen haben Rillen in die Erde vor dem Knick gedrückt. Seit 2004 gehört das kleine Wiesenstück zum Landschaftsschutzgebiet Düpenau und Mühlenau und darf damit nicht bebaut werden. Vorboten ist alles, was den „Charakter“ des Gebiets verändert.

Dennoch hat ein Bauunternehmer aus Rellingen den Platz im vergangenen Jahr gekauft und vermessen lassen – um zu überprüfen, ob die gekaufte Fläche dem Bebauungsplan entspricht. Anwohner monieren, dass sie nicht rechtzeitig über den Vermessungstermin informiert worden seien. Und nun ist an den Bäumen geschnitten worden. Stefan Peters, dessen Grundstück Zaun an Zaun mit dem Landschaftsschutzgebiet liegt, sagt: „Die Angst ist da, dass hier Tatsachen geschaffen werden.“

Vor zwei Monaten hat es einen Kahlschlag in Quickborn gegeben

Erst zum Jahreswechsel war in Quickborn ein zwei Hektar großer Wald auf einem Privatgrundstück gerodet worden (wir berichteten). „Mit Rodung hat der Schnitt in Ellerbek überhaupt nichts zu tun. Dazu gäbe es auch keine Genehmigung“, sagt Jörg Kastrup vom Fachdienst Umwelt beim Kreis Pinneberg. Es handele sich vielmehr um Knickpflege, die mit der Gemeinde abgestimmt sei. Als die Polizei nach dem Anruf eines Anwohners kam, hätten die Beamten keine Verstöße festgestellt.

Alle zehn bis 15 Jahre sollen Knicks – „auf den Stock gesetzt“ werden. Das bedeutet, die Bäume werden gestutzt, überwucherndes Unkraut wird zurückgeschnitten, um den Knick zu pflegen. Im Oktober 2020 hat der neue Eigentümer einen Antrag auf Knickpflege gestellt, der bewilligt worden ist. Üblicherweise sind Knicks ungefähr drei Meter breit, dieser wucherte bereits acht Meter in das eigentliche Grundstück hinein.

Knickpflege? Nachbarn sind skeptisch

Die Nachbarn bleiben skeptisch. Sie vermuten, anstatt den Knick zu pflegen schneide der neue Eigentümer ihn zu weit zurück. Dadurch könnte das Biotop, das sich dort gebildet hat, zerstört werden. Und dann ließe sich der Status „schützenswert“ anzweifeln. „Wir glauben, dass hier Sachen forciert werden, die nicht sein müssen“, sagt Carolina Schweig, ebenfalls eine Anwohnerin.

Aus dem Gebiet Bauland zu machen, versuchten die früheren Eigentümer. 2018 beantragten sie nach Angaben des Fachdienstes Umwelt eine Loslösung des Grundstücks vom Landschaftsschutzgebiet. Die wurde abgelehnt, wie auch alle darauffolgenden Anfragen.

Was plant der neue Eigentümer? Dazu möchte er sich in einem Telefonat mit dem Hamburger Abendblatt nicht äußern.

„Bebauung der Wiese ist ganz klar verboten“

Tatsache ist: „Die Hürde für ein Entlassungsverfahren aus dem Landschaftsschutz ist sehr hoch“, sagt Jörg Kastrup vom Fachdienst Umwelt. In den letzten 30 Jahren seien neun Änderungsverordnungen zu den Landschaftsschutzgebieten im Kreis erlassen worden. Die Gemeinde müsse dafür nachweisen können, dass keine andere Fläche aus Naturschutzsicht für eine berechtigte Bebauung geeigneter sei. Er sagt: „Die Bebauung der Wiese ist ganz klar verboten.“

Bürgermeister Günther Hildebrand (FDP) sieht das auch so. Er sagt: „Es gibt keine Chance, dass das Grundstück bebaut wird.“ Er sei dagegen, den Landschaftschutz für dieses Grundstück aufzugeben. Er habe schon für die Gemeinde Ellerbek bei der Planung des Landschaftsschutzgebietes Düpenau und Mühlenau Anfang der 2000er-Jahre mitgewirkt.

Nachbarn hätten Grundstück selbst gern gekauft

Die Nachbarn hätten das Grundstück gern gekauft. Sie hatten es ihren Angaben nach genutzt, um zur angrenzenden Mühlenau zu gelangen. „Wir wären die Ersten, die das Grundstück gekauft hätten“, sagt ein Anwohner. Es sei ihnen leider nicht angeboten worden. „Es war immer schön, mit den Kindern Brombeeren zu pflücken und daraus später Marmelade zu kochen. Jetzt werden die Brombeeren zerstört.“

Brombeersträucher gelten als Unkraut, von denen der Knick befreit werden soll. Laut Kastrup trieben die Sträucher schon lange stark in die Wiese. „Die Pflege war mal wieder dran“, sagt er.

Quickborner Kahlschlag beschäftigt Politik

Der Wunsch der Anwohner wäre es, dass das Gebiet zu einer Blühwiese würde und der überwucherte Knick wild, wie er momentan ist, erhalten bliebe. Es sei ein besonderes Biotop dort entstanden, sagen sie. Und hoffen, dass das Nein des Fachdienstes Umwelt zur Bebauung weiterhin ein Nein bleibt.

Der Kahlschlag von Quickborn beschäftigt unterdessen weiter die Politik in der Stadt. Am morgigen Donnerstag von 19.30 Uhr an will sich der Umweltausschuss mit dem Thema befassen. Auch der dortige Eigentümer, der den Auftrag zur Rodung der zwei Hektar großen Fläche gab, wird erwartet. Für Zuschauer dürfte bei der Sitzung im Arthur-Grenz-Saal kein Platz sein.

Dieser Text wurde am 17. Februar 2021 um 18.15 Uhr geändert. In einer früheren Version wurde der Bürgermeister Günther Hildebrand falsch zitiert.

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