Kreis Pinneberg

E-Autos sind im Kreis auf dem Vormarsch

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Arne Kolarczyk
Fachdienstleiterin Dörte Koppelmann und ihr Stellvertreter Arne Roggenbock kümmern sich um die Fahrzeugzulassung im Kreis.

Fachdienstleiterin Dörte Koppelmann und ihr Stellvertreter Arne Roggenbock kümmern sich um die Fahrzeugzulassung im Kreis.

Foto: Arne Kolarczyk

5397 „Stromer“ sind unterwegs. Zulassungsstelle verwaltet Rekordbestand von 243.441 Fahrzeugen. Sechs Wochen Wartezeit auf einen freien Termin.

Kreis Pinneberg.  Wer im Kreis Pinneberg ein Fahrzeug zulassen will, muss aktuell sechs Wochen auf einen freien Termin warten – oder spontan sein. „Es werden häufiger kurzfristig Termine in unserem Portal freigegeben, regelmäßiges Reinschauen lohnt“, so Arne Roggenbock, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr des Kreises Pinneberg. Die Online-Terminvergabe wurde im vorigen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie Knall auf Fall eingeführt – und hat ihre Bewährungsprobe bestanden. Denn spontan ohne Termin zur Zulassungsstelle an der Ernst-Abbe-Straße in Elmshorn zu fahren, das wird nicht mehr so schnell möglich sein.

Doch trotz Corona und den Einschränkungen in der Kreisbehörde: Die Zahl der Kraftfahrzeuge ist im Kreis Pinneberg auch 2020 weiter angestiegen. Zum 1. Januar 2021 waren bei der Zulassungsstelle 243.441 Autos angemeldet. Damit wurde die Zahl aus dem Jahr 2019 um 3856 Fahrzeuge übertroffen. Einen so hohen Kfz-Bestand wies der Kreis Pinneberg noch nie aus. Das ist insbesondere auf einen Boom bei den Gebrauchtwagen zurückzuführen. 33.457 Fahrzeuge wechselten 2020 ihren Besitzer - das sind 3965 mehr als im Vorjahr.

Für einen Neuwagen entschieden sich 14.020 Bürger im Kreis. Die Zahl der fabrikneu zugelassenen Fahrzeuge sank damit um 1551. „Das könnte damit zu tun haben, dass 2020 die Autohäuser im Lockdown längere Zeit geschlossen hatten“, so Roggenbock weiter. Auch sei denkbar, dass die Bürger in Zeiten der Corona-Krise das Risiko gescheut und lieber in ein günstigeres Gebrauchtfahrzeug investiert hätten.

2,2 Prozent der Fahrzeuge im Kreis fahren elektrisch

Die Zahl der Elektrofahrzeuge steigt dagegen stetig. 5397 „Stromer“ waren zum Stichtag 1. Januar 2021 registriert – genau ein Jahr zuvor waren es nur 2683 gewesen. Das macht einen Anstieg um sensationelle 101 Prozent. Bezogen auf den gesamten Fahrzeugbestand liegt die Quote aber nur bei 2,2 Prozent. Immerhin: Vor einem Jahr lag sie mit 1,12 Prozent noch deutlich niedriger. Roggenbock führt den Anstieg auf die Kaufprämien für Elektrofahrzeuge zurück, die von der Bundesregierung und den Fahrzeugherstellern ausgelobt worden sind.

Von den 5397 Elektrofahrzeugen tragen 2351 ein E-Kennzeichen. Die Mehrzahl (3861 Fahrzeuge) sind Hybriden, verfügen über einen Verbrennungs- und einen Elektromotor, teilweise auch mit extern aufladbarem Speicher. Nur 1539 Pkw sind laut der Statistik reine Elektrofahrzeuge, es handelt sich zumeist um Firmen- oder Dienstwagen.

Seit einigen Jahren können Bürger bundesweit bei einem Umzug ihr Kennzeichen mitnehmen. „Das wird gern genutzt. Wer zum Beispiel aus Hamburg in den Kreis Pinneberg zieht, behält fast immer sein HH-Kennzeichen“, sagt Roggenbock. 11.365 auswärtige Kennzeichen hat die Zulassungsstelle inzwischen in ihrem Bestand, 1535 mehr als noch vor einem Jahr. Darunter auch einige „Exoten“ aus dem Süden Deutschlands. Die größte Zahl der Auswärtigen fährt mit HH, gefolgt von SE und IZ.

34.021 Kunden besuchten 2020 die Zulassungsstelle. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 49.826 Gäste gewesen. Grund für den Rückgang ist die Corona-Pandemie, die den spontanen Besuch ohne Termin nicht mehr möglich machte. Dass trotz der stark rückläufigen Zahlen dennoch mehr Fahrzeuge als im Jahr davor zugelassen worden sind, liegt an den Zulassungsdiensten, die im Vorjahr einen Boom erlebt haben. „2020 hat uns als Corona-Jahr vor besondere Herausforderungen gestellt“, sagt Dörte Koppelmann, die Leiterin des Fachdienstes. Doch trotz der Pandemie habe ihre Behörde lediglich einen Tag geschlossen gehabt.

Im Anschluss wurden feste Termine zunächst telefonisch vergeben, ehe die bereits in der Testphase befindliche Online-Terminvergabe gestartet wurde. Seitdem wurden 200 Termine für Privatkunden täglich vergeben. Mit Beginn des harten Lockdowns musste die Zahl der Termine auf 120 reduziert werden, sodass die Wartezeit von damals einer Woche auf sechs Wochen gestiegen ist.

„Es hat einige schriftliche Beschwerden und Unmutsbekundungen aufgrund der Wartezeiten gegeben“, sagt Koppelmann. Sie könne das auch nachvollziehen, jedoch nichts daran ändern. 15 Mitarbeiter, teilweise in Teilzeit, arbeiten in der Zulassungsstelle, alle unter erschwerten Bedingungen mit Maske. Vier sind derzeit an das Gesundheitsamt ausgeliehen, um die Kontaktverfolgung der Corona-Positiv-Fälle zu übernehmen. Daher können mehr als die 120 Termine für Privatpersonen nicht vergeben werden. Wer einen Termin ergattert hat, muss die Terminbestätigung mitbringen, unbedingt allein kommen und die Maskenpflicht im Gebäude beachten. Dafür braucht er oder sie auch nicht zu warten.

Start der Onlinezulassung steht weiterhin in den Sternen

Noch komfortabler wäre es, wenn die Onlinezulassung endlich möglich wäre. Eigentlich sollte dieses Projekt, dessen Einführung eine gesetzliche Vorgabe ist, bereits am 1. Oktober 2019 gestartet sein. „Viele Kunden fragen danach“, sagt Roggenbock. Doch ihm bleibe nichts anderes übrig, als sie auf unbestimmte Zeit zu vertrösten. „Dabei haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und sind bereit. Doch auf Landesseite gibt es weiterhin Probleme.“ Derzeit funktioniere gerade einmal die bereits 2015 gestartete Online-Außerbetriebsetzung von Fahrzeugen, die zwischenzeitlich auch längere Zeit nicht nutzbar war. Sie wurde allerdings 2020 nur 196-mal genutzt. Wann die Onlinezulassung kommt? Roggenbock zuckt mit den Schultern. „Auch wir werden immer weiter vertröstet.“​

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