Corona-Impfung

Impfzentrum im Kreis verdoppelt seine Kapazitäten

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Burkhard Fuchs
Die beiden Impfzentrums-Leiterinnen Silke Dräger (l.) und Ute Huckfeldt sowie Dr. Marc Dupas von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die beiden Impfzentrums-Leiterinnen Silke Dräger (l.) und Ute Huckfeldt sowie Dr. Marc Dupas von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Foto: Burkhard Fuchs

Von Montag an wird in Prisdorf auch das Vakzin von AstraZeneca gespritzt. Zunächst sind medizinisches Personal und Pflegekräfte dran.

Die Impfungen gegen das Coronavirus nehmen jetzt kräftig an Fahrt auf. Von Montag an wird das Impfzentrum in Prisdorf erstmals auch am Vormittag impfen. Das werden vor allem Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste und Arztpraxen sein. 420 Termine sind bereits fest vereinbart.
Alle Personen sind unter 65 Jahre alt und bekommen den neuen Impfstoff von AstraZeneca, der für diese Altersgruppe zugelassen ist. Am Nachmittag werden weiterhin die älteren Menschen über 80 Jahre mit dem Impfstoff von Biontech/ Pfizer geimpft. Die Senioren werden allesamt angeschrieben und können in Ruhe ihre Impftermine für sich vereinbaren. Am 1. März soll dann auch das zweite Impfzentrum in Elmshorn starten, kündigt Kreissprecherin Silke Linne an.
„Wir fahren das jetzt hoch. Es klappt alles gut. Wir haben das gut im Griff“, sagt Marc Dupas, der ärztliche Leiter der beiden Impfzentren im Kreis, der auch niedergelassener Allgemeinmediziner in Uetersen ist.
Er selbst habe sich vor drei Wochen impfen lassen und auch bereits die zweite Impfung erhalten, sagt Dr. Dupas. „Ich war einen Tag etwas müde und hatte einen schweren Arm. Am nächsten Tag war ich wieder fit.“
Vormittags würden nun insbesondere die Ärzte, deren Mitarbeiter, ambulante Pflegekräfte, Logopäden, Physiotherapeuten und andere Beschäftigte geimpft, die direkten Kontakt zu den Bewohnern in den Pflegeheimen haben. Der Kreis habe den Kontakt über die Pflegedienste gesucht und so 420 Termine für die erste Woche fest vereinbart, so Kreissprecherin Linne. „Die Termine sind auch alle voll.“ Diese Gruppe werde in Prisdorf ab Montag von 7 bis 12 Uhr geimpft.
Dr. Dupas schätzt, dass das medizinische und pflegerische Personal bereits bis Ende Februar mit den Impfungen durch sei. Danach würden weitere Personen- und Berufsgruppen, wie von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfohlen, dran kommen – wie etwa die Einrichtungen der Eingliederungshilfe, der Tagespflege oder betreute Wohnformen für Ältere.
Die Bewohner und Mitarbeiter in den stationären Alters- und Pflegeheimen im Kreis Pinneberg seien bereits vollständig geimpft worden, so der ärztliche Leiter der Impfzentren. Dies haben mobile Teams erledigt, die landesweit die Einrichtungen aufgesucht haben. Im Kreis Pinneberg dürften somit die 3765 Bewohner in den dortigen Pflegeheimen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus sicher sein. Landesweit sind dies rund 70.000 Altenheimbewohner.
In Prisdorf werden ab Montag also vormittags und nachmittags (13 bis 18 Uhr) jeweils zwei Impflinien offen sein, erläutert Dr. Dupas. Das heißt, die Zahl der Mitarbeiter werde sich dort verdoppeln, so Kreissprecherin Silke Linne. Es würden so jeweils bis zu 120 Impfungen am Vormittag und Nachmittag möglich sein. „Wir arbeiten dort in zwei Schichten.“ Bei ausreichender Versorgung mit den Impfseren könnten in Prisdorf bei sechs Impflinien bis zu 360 und in Elmshorn bei drei Impflinien bis zu 180 Menschen pro Stunde geimpft werden.
Die Ärzte würden in der Regel vormittags oder nachmittags eingesetzt, während die medizinischen Assistentinnen meist den Tag durcharbeiteten würden, die das Deutsche Rote Kreuz für diese Aufgabe abstelle beziehungsweise rekrutiert habe.
Jede Impflinie soll von einem Arzt fachlich begleitet sein, um mögliche medizinische Vorerkrankungen oder Beschwerden bei den zu impfenden Personen im Vorfeld abzuklären. Dafür stehe reichlich Personal zur Verfügung, sagt Dr. Dupas. Es herrsche kein Mangel. „Wir haben 50 Bewerbungen von Ärzten für eine Schicht. Das sieht gut aus.“ Die Rekrutierung der Ärzte werde ab März „exponentiell steigen. Da werden wir bestimmt ein Dutzend Ärzte am Tag brauchen.“
Diese Einschätzung teilt Delf Kröger, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Bad Segeberg. Landesweit hätten sich 3000 Ärzte für die Arbeit in den 28 Impfzentren in Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt. „Wir haben da eine große Bereitschaft, und bis auf weiteres ein gutes Polster. Es ist auch eine gute Mischung an Ärzten, die noch praktizieren, und welchen, die schon im Ruhestand sind.“ Diese würden nun bald auch alle gebraucht, wenn ab März wie geplant die Impfungen in größerer Dimension losgingen. Darunter seien auch zahlreiche erfahrene Bereitschaftsärzte, die sich seit Jahren sehr gut mit der Koordination von Dienstplänen auskennen.
Für die einzelnen Schichten in den Impfzentren haben alle diese freiwilligen Ärzte eine App auf ihrem Smartphone, über die sie in einer Push-up-Meldung erfahren, wo und wann welche Schicht frei sei, so Kröger. Die Ärzte könnten sich direkt für diese Schichten anmelden. Dabei werde darauf geachtet, dass jeder, der möchte, auch eine Chance erhalte, daran mitzuwirken, so der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Einsatz in den Impfzentren werde für die Ärzte mit einem Stundensatz von 115 Euro vergütet.
Alle Termine werden entweder von den Impfzentren vergeben oder durch die Benachrichtigung der älteren Leute durch das Land vereinbart. Wer älter als 80 Jahre alt ist, werde persönlich angeschrieben. Dies waren bisher schon mehr als 72.350 Menschen über 85, für die bereits 15.500 Impftermine vereinbart worden seien, teilt dazu das Sozialministerium mit.
Landesweit sind bislang rund 150.000 Menschen geimpft worden, rund 50.000 davon zum zweiten Mal.

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