Keine Sanierung

Awo-Treff in Halstenbek soll abgerissen werden

| Lesedauer: 4 Minuten
Arne Kolarczyk
Jürgen Boller (77) ist Vorsitzender des Awo-Ortsverbandes Halstenbek und steht vor dem gesperrten Awo-Treff am Bickbargen 126, der abgerissen werden soll.

Jürgen Boller (77) ist Vorsitzender des Awo-Ortsverbandes Halstenbek und steht vor dem gesperrten Awo-Treff am Bickbargen 126, der abgerissen werden soll.

Sanierung des Gebäudes in Krupunder lohnt sich nicht. Ortsverband ist enttäuscht – und möchte ein neues Domizil am Heideweg beziehen

Halstenbek. Jürgen Boller ist enttäuscht. Sogar „schwer enttäuscht“, wie er selber sagt. Der Vorsitzende des Awo-Ortsverbands Halstenbek und seine 80 Mitglieder müssen sich von ihrem bisherigen Domizil verabschieden. Der Awo-Treff für Jung und Alt am Bickbargen 126, der seit August 2020 wegen baulicher Mängel gesperrt ist, wird nie wieder eröffnen.
„Der Trend geht zum Abriss“, sagt Bürgermeister Claudius von Rüden und verweist auf ein Gutachten, das immensen Sanierungsbedarf für das einst als Einfamilienhaus errichtete Gebäude aufzeigt, das aktuell als Sicherheitsrisiko gelte. Boller kann die Expertise nicht nachvollziehen. „Wir als Awo nutzen das Gebäude seit 1983 als Begegnungsstätte. Der Zustand ist noch genauso wie er am Anfang war, aber jetzt soll das auf einmal alles nicht mehr funktionieren?“ fragt sich der 77-Jährige. Er habe schon gehofft, dass sein Ortsverband das Heimatdomizil in der Nähe des Bahnhofs Krupunder nach einer Sanierung wieder in Besitz nehmen könne.
Der Gutachter vom Büro Architekturgarage aus Hamburg schließt genau das aus. Das Gebäude müsse „für die bisherige Nutzung, sowohl von seiner räumlichen Organisation als auch seiner technischen Ausstattung, als ungeeignet eingestuft werden“, heißt es in der Expertise. Die Architekten verweisen auf fehlende Fluchtwegmöglichkeiten, den scheinbar mangelhaften Brandschutz und auf die fehlende Barrierefreiheit. Der Awo-Chef sieht das natürlich anders. Er verweist auf die langjährige, problemlose Nutzung der Räumlichkeiten durch den Ortsverband. „Wir sehen überhaupt keinen Grund, das Gebäude abzureißen.“
Genau diesen Schluss zieht die Verwaltung aus dem Gutachten. Weil die Architekten eine weitere Nutzung als Begegnungsstätte für nicht zulässig halten, haben sie lediglich den Sanierungsbedarf berechnet, der für eine Umnutzung des Gebäudes für Wohnzwecke anfallen würde. Es müsste dann an die gültige Energieeinsparverordnung angepasst werden, was erhebliche Investitionen in Dämmung sowie Fenster und Türen erfordern würde. Auch im Innenbereich sowie am Dach sehen die Planer großen Sanierungsbedarf. Zusammengerechnet soll es 451.500 Euro kosten, das ehemalige Einfamilienhaus wieder für eine Wohnnutzung fit zu machen und dabei dem heutigen Stand der Technik anzupassen.
Ein Abriss soll dagegen laut dem Gutachten 40.000 Euro kosten. Von Rüden verweist darauf, dass aufgrund der Corona-Pandemie noch kein Beschluss der Politik erfolgt sei. Die Tendenz sei jedoch klar. Die zukünftige Nutzung der Fläche werde erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Thema werden. Von Rüden strebt eine Nutzung für den Gemeinbedarf an. Die Awo, die bisher einen Mietvertrag für das im Gemeindebesitz befindliche Gebäude hatte, wird wohl nicht dorthin zurückkehren.
„Wir sind aufgefordert worden, uns nach einem anderen Objekt umzusehen. Und das haben wir auch gemacht“, sagt Awo-Chef Boller. Fündig geworden sei man am Heideweg. Dort werde derzeit das Gebäude einer ehemaligen Kneipe umgebaut. „Das würde sich für unsere Zwecke eignen, auch wenn leider kein Grundstück dabei ist“, sagt Boller. So könnte ein Versammlungsraum für 40 Personen sowie ein kleinerer Wirtschaftsraum inklusive Büro entstehen. Das Gebäude verfüge zudem über eine Küche, einen Keller als Abstellraum und drei Parkplätze, die im Sommer eventuell auch als Außenfläche genutzt werden könnten.
Boller: „Ich habe die Daten an die Verwaltung weitergegeben, die müssen jetzt mit dem Eigentümer über einen eventuellen Mietvertrag verhandeln.“ Bis das soweit ist, schreibt Boller fleißig Listen über das Inventar des Altgebäudes. Ein Teil soll eingelagert, ein anderer vernichtet werden. Aktuell ruht die Arbeit des Ortsverbandes aufgrund der Corona-Pandemie.
Übergangsweise hat die Gemeinde dem Ortsverband den Versammlungsraum des ehemaligen Jugendzentrums A 23 am Neuen Weg, das heute als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, angeboten. „Die Räume sind okay, aber es ist nur die Hälfte der Leute gekommen.“ Das liege daran, dass viele Mitglieder nicht mehr so mobil seien und ihnen der Weg von Krupunder nach Halstenbek-Ort zu beschwerlich sei. „Das Gebäude ist auch sehr abgelegen“, sagt Boller, der mit seinem Ortsverband zurück nach Krupunder will. Die ehemalige Kneipe am Heideweg könnte dann für die Awo zum Neuanfang werden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg