Kreis Pinneberg

Eiche oder Eichen – das ist in Uetersen die Frage

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Anne Dewitz
Ein Bild aus früheren Zeiten: Elsa Lange (1915–1974) zu Pferde auf dem Reitplatz von Langes Tannen in Uetersen.

Ein Bild aus früheren Zeiten: Elsa Lange (1915–1974) zu Pferde auf dem Reitplatz von Langes Tannen in Uetersen.

Foto: Museum Langes Tannen/ Fotoarchiv Familie Lange

Im Museum Langes Tannen soll das verwilderte Ensemble wieder hergerichtet werden. Doch über das „Wie“ ist ein Streit entbrannt.

Uetersen.  Es ist ein beliebtes Ausflugsziel – Langes Tannen in Uetersen mit seiner weitläufigen Parkanlage, dem Museum im Herrenhaus und wechselnden Ausstellungen in der Museumsscheune. Die Scheune war 1990 abgebrannt und nach altem Vorbild von 1762 wiederaufgebaut worden. Das Areal gehört der Stadt Uetersen. Werner Lange hat ihr den traditionsreichen Familienbesitz – einen ehemaligen Mühlenbetrieb – vererbt. Im Gegenzug verpflichtete sich die Stadt, das historische Gebäudeensemble und das 26 Hektar große Anwesen zu pflegen und zu erhalten.

Auch eine Obstwiese und ein Reitplatz gehören zum Erbe. Viele Jahre ließ die Stadt sie allerdings verwildern. Jetzt soll beides wieder nach historischem Vorbild hergerichtet werden. Darin sind sich Politik und Verwaltung einig. Auch der Förderverein des Museums Langes Tannen möchte das Vorhaben unterstützen. Doch nun ist ein Streit zwischen Politik und Verwaltung darüber entbrannt, wie viele kleinere Bäume am Rande des zugewachsenen Reitplatzes abgesägt wurden.

Gutachten von 2002 empfiehlt Entfernung des Wildwuchses

Doch von vorn: Auf Initiative des Fördervereins Museum Langes Tannen hatte es am 29. September 2020 eine Begehung des Gelände gegeben. Ziel des Fördervereins ist der Erhalt des ehemaligen Reitplatzes und der Obstwiese. Das liegt wegen der Bedeutung als Gartendenkmal auch im Interesse der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Pinneberg, die zu dem Termin eingeladen und die Ergebnisse protokolliert hatte. Mit der Museumsleiterin Ute Harms, der Forstbehörde, dem Testamentsvollstrecker Hans Bruns, dem Vorsitzenden des Fördervereins, Ludwig Schröder, der Naturschutzbehörde und Denkmalschützern wurde erörtert, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Bereiche als offene Wiesenflächen zu erhalten.

Aus dem Erbvertrag geht klar hervor, dass der Stil des Grundbesitzes nicht geändert werden darf. Die Flächen sind demnach als Wiesen zu erhalten. Das ist Aufgabe der Stadt. Dennoch bittet der Förderverein Museum Langes Tannen seine Hilfe an. „Wir sind bereit, das Vorhaben mit bis zu 20.000 Euro zu unterstützen“, sagt Ludwig Schröder.

Aus dem Jahr 2002 existiert ein gartenhistorisches Gutachten zum Museumspark Langes Tannen. Darin wird empfohlen, auf dem ehemaligen Reitplatz – einer Wiese – den Wildwuchs zu entfernen, wegebegleitende Bäume und größere Bäume aber zu belassen. Auf der Obstwiese sollen Obstbäume erhalten und gepflegt werden. „Von den vorhandenen Obstbäumen wurden Reiser genommen. Eine örtliche Baumschule veredelt diese, um Sorten und Genom zu erhalten“, sagt Schröder. Dabei handelt es sich um Apfel, Mirabelle und Kirsche, die gepflanzt werden sollen, sobald sie gewachsen sind.

Das Gutachten besagt auch, dass die Eiche und die Haselnuss, die im Obstgarten stehen, entfernt werden können. Denn insbesondere die Eiche könnte die Obstbäume in einigen Jahren überschatten und ihnen zu schaffen machen. Die Politik möchte hingegen beide Bäume erhalten. Dem Wunsch wurde seitens der Verwaltung und des Fördervereins auch entsprochen. Beide Bäume stehen noch. Uneinigkeit besteht allerdings über den Umfang der Entnahme am Rande des Reitplatzes.

Ende Januar haben nun Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs angefangen, den Wildwuchs zu entfernen, alte Bäume zu beschneiden und dünne, jüngere Bäume am Rand des Reitplatzes abzusägen. „Die zuständigen Fachbehörden waren an dem Ortstermin beteiligt und haben den Maßnahmen zugestimmt, alle Sämlinge auf dem Reitplatz zu entfernen“, sagt Antje Metzner von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises.

Über den Umfang der Entnahme ist nun ein politischer Eklat entbrannt. „Im Oktober haben wir mit acht zu zwei Stimmen im Umweltausschuss beschlossen, dass nicht alle Eichen am Rand des Reitplatzes gefällt werden dürfen“, sagt SPD-Politiker Dieter Schipler. Er fühlt sich von der Verwaltung, die nach seiner Ansicht mit dem Abholzen Tatsachen schaffen wollte, übergangen. Die Wut richtet sich gezielt gegen Bürgermeisterin Andrea Hansen. Sie hatte laut einem Medienbericht zunächst einen Schreibfehler im Protokoll vermutet und dass lediglich ein „n“ hinter „Eichen“ zu viel sei. Zudem hatte sie darauf verwiesen, dass mit Corona zurzeit wichtigere Themen anstünden.

Das Protokoll sei an dieser Stelle korrekt gewesen, so Schipler. Also sollten „Eichen“ erhalten werden, nicht „Eiche“. Sollte es in Zukunft zu Fragen bezüglich des Protokolls kommen, sei der Ausschuss zwingend einzubeziehen. Demokratisch gefasste Beschlüsse dürften nicht im Nichts verpuffen.

SPD und BfB fordern nun von Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD), aufzuklären, „durch welchen internen Fehler das Entfernen der Bäume und Sträucher auf dem ehemaligen Reitplatz Langes Tannen zustande gekommen ist“. Sie erwarten zukünftig einen respektvolleren Umgang mit Beschlüssen des Sozial- und Umweltausschusses, wie aus einem entsprechenden Antrag hervorgeht. Der Sozial- und Umweltausschuss kommt am Donnerstag, 11. Februar, zusammen.

„Die ordnungsgemäße Umsetzung des Beschlusses des Sozial- und Umweltausschusses muss nach Ansicht der Bürgermeisterin hinter den Problemen der Pandemie zurückstehen, ja sie stört sie sogar in der laufenden Corona-Krise“, heißt es seitens SPD und BfB. Aus ihrer Sicht bedeute dies für die Selbstverwaltung, „dass rechtmäßig zustande gekommene Beschlüsse zukünftig in Corona-Zeiten zu missachten sind, ohne dass es Konsequenzen haben kann“.

Bürgermeisterin Hansen versicherte auf Nachfrage des Abendblattes, dass die Verwaltung dabei sei, den Vorgang aufzuklären. Sie hätte sich zudem gewünscht, dass man miteinander rede statt übereinander.

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