Kreis Pinneberg

Will der neue Baustadtrat wieder fort aus Elmshorn?

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Kitty Haug
Baustelle Pinneberg

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Foto: Ha / HA

Lars Bredemeier hat sich in seiner erst 20-monatigen Amtszeit schon in zwei anderen Städten beworben. Er erklärt, warum.

Elmshorn.  Der Elmshorner Innenstadt-Umbau, das Jahrhundertprojekt in der Krückaustadt – es ist in der Verwaltung aktuell vor allem mit dem Namen des Zweiten Stadtrats Lars Bredemeier verbunden. Der 54 Jahre alte Christ­demokrat, geboren in Bremen, war am 7. März 2019 mit den Stimmen von CDU und Grünen in Elmshorn für sechs Jahre als Baustadtrat gewählt worden. Seit dem 1. Juni 2019 koordiniert der studierte Geograf im Rathaus die Arbeiten im Sanierungsgebiet. Doch nun stellt sich die Frage: Will Bredemeier eigentlich schnell wieder weg? Tatsache ist: Er hat sich während seiner Zeit in Elmshorn schon zweimal auf Stellen in anderen Städten beworben.

Die Politik hatte die Stelle eines Zweiten Stadtrats neu geschaffen, um das Tempo und die Effizienz beim wichtigsten Zukunftsprojekt der Stadt deutlich zu erhöhen. Bredemeier ist in seiner Funktion auch Zweiter Stellvertretender Bürgermeister. Stadträte und Bürgermeister leiten je eines der drei Dezernate der Stadtverwaltung Elmshorn.

Erste Bewerbung nach acht Monaten

Die erste Bewerbung schickte Lars Bredemeier im Februar 2020, gut acht Monate nach seinem Amtsantritt in Elmshorn nach Bremerhaven. Dort wurde ebenfalls ein Baustadtrat gesucht. Doch ein FDP-Kandidat erhielt das Amt in der Hafenstadt. Anfang Januar dieses Jahres folgte einer zweite Bewerbung – in Magdeburg. Wie das Internetportal volksstimme.de am 11. Januar vermeldete, habe er beim Vorstellungsgespräch „den besten Eindruck“ hinterlassen. Gewählt wurde er am 21. Januar allerdings nicht. Elmshorner Politiker erfuhren von dem Vorgang durch eine anonyme E-Mail. Informiert hat Bredemeier niemanden – anders als etwa der Erste Stadtrat Dirk Moritz, der sich im vergangenen Jahr als Landrat beworben hatte.

Sowohl Bürgermeister Volker Hatje als auch CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt haben die anonyme E-Mail erhalten. Sie wollen sich unter Verweis auf vertrauliche Personalangelegenheiten auf Abendblatt-Anfrage nicht dazu äußern. Doch Neufeldt verurteilt zumindest den Versand der anonymen E-Mail. „Das geht in Richtung Mobbing und Stalking“, meint der Politiker. Es mache ihn nachdenklich, dass es jemanden gebe, „der ein extremes Interesse haben muss, jemanden so zu schädigen“.

SPD-Fraktion kritisiert: Beim Stadtumbau passiere nichts

Besetzungsprozesse in der Kommunalpolitik sind transparent. Es ist nicht unüblich, dass sich sich Politiker mit ihren Parteifreunden in anderen Städten austauschen, wenn es um Verwaltungsposten geht. Spätestens, wenn Kandidaten in der engeren Auswahl sind, müsse dies veröffentlicht werden, erklärt SPD-Fraktionschef Arne Klaus. Trotzdem „wurden wir erst durch das anonyme Schreiben auf Bredemeiers Bewerbung aufmerksam“. Allerdings verurteilt auch er die anonyme E-Mail aufs Schärfste. „Grundsätzlich ist das Streben nach beruflicher Verbesserung, nach Karriere nicht anstößig“, meint Klaus. Vielmehr sollte jetzt ein kritischer Blick auf Bredemeiers bisherige Arbeit gelegt werden.

„Im Stadtumbau passiert nichts“, so Klaus. Der Zweite Stadtrat habe es bisher auch nicht geschafft, eine positive Grundstimmung für das Großprojekt in der Bevölkerung zu schaffen oder Investoren für den Stadtumbau zu begeistern und zu aktivieren.

Grüne halten intensive Gespräche für notwendig

Das sieht der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sven Herrmann, anders: Lars Bredemeier habe viele Dinge vorangetrieben wie beispielsweise einen Austausch mit der Eigentümerfamilie der Knechtschen Hallen, um gemeinsam die bestmögliche Lösung für eine zukunftsfähige Nutzung zu erarbeiten. Auch habe Bredemeier für den Bau des neuen Rathauses – das zentrale Gebäude im Sanierungsgebiet Krückau/Vormstegen – Bebauungspläne auf den Weg gebracht. Herrmann sieht Bredemeiers Bewerbungen als ein Zeichen, dass er „wohl noch nicht in Elmshorn angekommen ist“. In den nächsten Wochen seien daher intensive Gespräche notwendig, „damit er sich hier mit den Aufgaben identifizieren kann“.

Und was sagt Lars Bredemeier selbst? Die Gründe für die Bewerbung in Bremerhaven seien familiäre gewesen, erklärt der Zweite Stadtrat auf Abendblatt-Anfrage schriftlich. Und weiter: „Auf die Stellenausschreibung in Magdeburg war ich im Zuge der Bewerbung der Stadt als Kulturhauptstadt aufmerksam geworden. Ausschlaggebend war hier die Aussicht auf ein interessantes Aufgabenfeld, das Magdeburg mit seinen mehr als 230.000 Einwohnern und seiner historischen Bedeutung bietet. Immerhin ist die Stadt rund fünfmal so groß wie Elmshorn. Gerade in meinem Bereich ergeben sich damit deutlich größere Gestaltungsmöglichkeiten“, schreibt Bredemeier. Er möchte diese Bewerbung auch nicht als Wunsch verstanden wissen, seinen Einsatz bei der Stadt Elmshorn beenden zu wollen. Im Gegenteil: „Ich schätze die gute Zusammenarbeit in Elmshorn, die insbesondere auf der politischen Ebene und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Dezernats zum Tragen kommt. Ich werbe weiterhin für eine zeitgemäße Umstrukturierung im Baudezernat, die der hohen Komplexität unserer Großprojekte Rechnung trägt“, erklärt er.

Stadtrat: Bewerbung habe mit Personalabbau nichts zu tun

Auf eine Information des Bürgermeisters und der politischen Parteien habe er im Vorwege seiner Bewerbung verzichtet. Nun stehe er jedoch derzeit im Austausch mit den Parteien, um in weiteren Gesprächsterminen die Motivation seiner Bewerbung transparent zu erläutern und gegebenenfalls vorhandene Fragen zu beantworten.

Einen Zusammenhang zwischen dem Abzug von Kollegen aus seinem Verantwortungsbereich und seinen Bewerbungen sieht er nicht. Es hätten auch Mitglieder aus anderen Dezernaten die Stadtverwaltung verlassen. „Die jeweilige Motivation ist jedoch sehr individuell begründet. Leider macht sich dabei in der Tat die schwierige Marktlage im Bereich der technischen Berufe bemerkbar. Mitunter wurde unser Fachpersonal gezielt abgeworben.“

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