YouPi bei Youtube

Jugend-TV aus Pinneberg für Medienpreis nominiert

| Lesedauer: 5 Minuten
Katja Engler
Stefan Doose vom Pinneberger Geschwister-Scholl-Haus hat das Fernsehprojekt mit initiiert.

Stefan Doose vom Pinneberger Geschwister-Scholl-Haus hat das Fernsehprojekt mit initiiert.

Foto: Katja Engler

Der eher journalistische Ansatz des Projekts aus dem Geschwister-Scholl-Haus soll nun gewürdigt werden.

Pinneberg. Ein Spiegel für das soziale Leben in Pinneberg – das sollte YouPi von Anfang an sein. Zuerst hatten Pinneberger Jugendliche über den Kontakt zu den drei städtischen Jugendzen­tren eine Radiosendung mit ähnlichem Zuschnitt entwickelt. Seit ein paar Monaten ist YouPi hinzugekommen – eine Fernsehsendung von Jugendlichen für ihre Altersgenossen, die über das berichtet, was in Pinneberg an Kulturellem und Gesellschaftlichem passiert. Dieses Jugendfernsehprojekt wurde jetzt für den Medienkompetenzpreis des Offenen Kanals in Kiel nominiert.

„Ursprünglich hatten wir vorgehabt, die Fernsehbeiträge ganz in Ruhe vorzubereiten und hinterher zu schneiden. Dann wurden wir von Corona überrannt und beschlossen, die Geburtsstunde von YouPi vorzuziehen“, sagt Stefan Doose (58), Kulturpädagoge und im Hauptberuf Musiklehrer in Hamburg.

Seit 14 Jahren ist er am Pinneberger Geschwister-Scholl-Haus als Kulturpädagoge aktiv und kennt seine Kollegen vom Komet und dem Club Nord bestens. Ständig überlegen sich die Pädagogen aus allen drei Einrichtungen, was sie trotz der Corona-Beschränkungen den vielen unbetreuten Jugendlichen anbieten können.

Im Sommer, wo vieles gelockert war, konnten sie sich noch eine Menge ausdenken. Das ist jetzt sehr viel schwieriger geworden und ständig mit der Suche nach der Lücke verbunden.

Der Schnellstart von YouPi im Juni etwa war aus der Absage des Poetry- und Singer-Slams im März entstanden. „Es wäre superschade gewesen, auch den nächsten Slam komplett abzusagen. Also sagten wir uns: Wagen wir den Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Doose. Das ging nur mit einer direkten Live-Sendung und großem technischem Aufwand, für den sie dann im Juni bereit waren.

Für die technische Seite war und ist der freischaffende Medienprofi Marco Giese zuständig. Er besorgte die vier nötigen Kameras, die in den beiden zu bespielenden Sälen des GSH – um die Abstände zu halten – zum Einsatz kamen und koordiniert werden mussten.

Obwohl es bis zuletzt technische Hürden gab, wurde es „ein brillantes Zusammenspiel“, sagt Doose. „Für einen Senkrechtstart war das gelungen.“ Seitdem sind die Fernsehbeiträge auf dem YouTube-Kanal zu sehen unter den Stichworten „YouPi“ und „GSHPI“, außerdem über den offenen Kanal.

Jugendliche, die Lust haben, mit Medien zu arbeiten, finden Doose und Kollege Giese bei beschränkten Freizeitaktivitäten in sehr kleinen Gruppen, oder sie werden von den bereits Aktiven angeschleppt. „Wenn sie medienaffin sind, entsteht meist ein Kontakt zu den Eltern“, so Doose. Insgesamt machen zwischen acht und zwölf Jugendlichen regelmäßig mit bei YouPi, viele davon im Hintergrund, indem sie für Ton oder Licht sorgen, die Kamera führen, schneiden oder anderes für die Produktion machen.

„Im Herbst hatten wir Glück und konnten live anmoderieren. Momentan sind wir wegen Corona wieder sehr eingeschränkt. Unsere Redaktionssitzungen laufen über Zoom. Dieses Projekt ist mit ständigen Herausforderungen verbunden“, sagt Doose. Die Sendung vom Juni habe viele Menschen aufmerksam gemacht auf YouPi. So kam es, dass das jugendliche Fernsehteam das Entenrennen, das der Rotary-Club jedes Jahr zu einem guten Zweck veranstaltet, live filmen durfte – mit Nahaufnahmen vom Schlauchboot aus – übermittelt per neuer Funk-Übertragungstechnik, die die Rotarier spendierten.

Eine weitere Idee kam direkt von den Jugendlichen, genauer gesagt von Carlotta Löbner (17), die in Pinneberg die Johannes-Brahms-Schule besucht: Sie begleitete die personell abgemagerten Fridays-for-Future-Protestler, die vor der Kamera Hoffnungs-Lose an die Passanten verteilten. „Eine kleine Provokation“, sagt Doose dazu. „Wir wollen Fernsehen für die Jugendlichen machen. Nicht, um Klicks zu bekommen“, sagt Carlotta Löbner.

Das findet sie ausgezeichnet. Momentan sei es schwierig, neue Mitstreiter zu finden, „wir haben neue Flyer entworfen, aber wegen Corona nicht an den Schulen verteilen dürfen“, erzählt sie. Am tollsten fand sie eine Fahrt mit dem Fernsehteam auf einen Bauwagenplatz in Hamburg: „Ich fand das spannend. Wir wussten nicht, dass sowas existiert. Das hat uns eine total andere Perspektive eröffnet. Das fand ich super.“ Irgendwann möchte sie mal einen Beitrag drehen, der die verbreitete Meinung aufgreift, Pinneberg sei hässlich. Stimmt das vielleicht gar nicht?

Sicher ist: YouPi hat einen vorwiegend journalistischen Ansatz, weniger einen künstlerischen. Jugendliche sollen sich vor und hinter der Kamera ausprobieren können, „wir hoffen, dass viele Zeit haben, sich dem weiter zu widmen“, sagt Doose. Im Dezember dann die nächste Herausforderung: Die Jahresfeier zur Städtepartnerschaft mit Rockville nahte, und den Beteiligten von YouPi gelang es, erstmals live die dortige Bürgermeisterin über einen Großbild-Schirm ins Pinneberger Rathaus zuzuschalten. Die Interviews mit den beiden weiblichen Stadtoberhäuptern führten zwei Jugendliche aus Pinneberg.

Allen Pädagogen liegt am Herzen, trotz Corona möglichst viele Jugendliche zu erreichen und wenigstens minimale Formen von Gemeinschaft herzustellen. Einer habe Kochrezepte an die Jugendlichen geschickt, ein anderer die Möglichkeit geschaffen, sich am Schreiben eines Drehbuches für einen Stummfilm zu beteiligen. Die Summe solcher verbindenden Ideen ist es, die denen, die es schaffen, wieder ein Gefühl des Zusammenhalts vermitteln.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg