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Pinneberg braucht Platz für neue Firmen

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Katja Engler
Die Kreisstadt Pinneberg aus der Vogelperspektive.

Die Kreisstadt Pinneberg aus der Vogelperspektive.

Foto: Alexander Sulanke

Agenda 2021, Teil 7: Kreisstadt setzt Planung für Gewerbegebiete fort. Im Schulbau tut sich viel. Brücke bereitet Kummer.

Pinneberg.  Da auf Pinneberg ein hoher Siedlungsdruck lastet und die Stadt zurzeit nur wenige freie Flächen besitzt, gilt es, viele Ziele miteinander in Einklang zu bringen. Vielleicht dauert hier deshalb die Erschließung neuer Gewerbegebiete länger als anderswo. Beim Schulbau, der größten und langwierigsten Herausforderung, geht es aber erkennbar weiter, das Problem fehlender Kitaplätze scheint demnächst gelöst zu sein, im Sport und bei der Digitalisierung wurde viel geschafft. Das Problem 2020 war unabhängig davon und hieß überall: Corona. Auf den Corona-bedingten Kosten ist die Stadt sitzen geblieben: mehr als 300.000 Euro. Nur die Hygienemaßnahmen an den Schulen hat das Land bezahlt.

Aber Bürgermeisterin Urte Steinberg berichtet aus dieser immensen Umstellungsphase auch viel Positives: „Wir Verwaltungsoberhäupter standen in ständigem Austausch und sind dadurch sehr zusammengewachsen. Das hat unglaublich geholfen. Wir konnten uns Gehör verschaffen.“ Auch die Arbeit im Krisenstab des Kreises empfand Steinberg als „super gelöst“. Tatsache ist, dass der Nachtragshaushalt 2020 nur zum Teil genehmigt wurde. Einige Projekte mussten in dieses Jahr verschoben werden.

Gewerbegebiete: Die Ausweisung neuer Gewerbegebiete gilt als Quelle zusätzlicher Steuereinnahmen. Deshalb tritt Urte Steinberg dafür ein, die Gewerbesteuern nicht zu erhöhen. „Wir wollen schließlich die Wirtschaft vor Ort erhalten und stärken. Deshalb müssen wir auch den öffentlichen Personennahverkehr stärken und den Bahnhof mit Umgebung umbauen.“ Der Hebesatz bei Gewerbesteuern liegt aktuell in Pinneberg bei 390 Prozentpunkten, in Hamburg bei 470. Corona hat zum Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen geführt, das Land hat Ausfälle von 4,6 Millionen Euro erstattet.

Bei den Gewerbegebieten preschen Kummerfeld und Borstel-Hohenraden vor und schaffen neue Gewerbegebiete in der Nähe der Autobahnanschlüsse. In Pinneberg geht es langsamer. Das Rehmenfeld, wo so viel Wohnbebauung geplant ist, steht vor dem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan. Für das Grundstück, auf dem das frühere DRK-Heim steht, ist ein Bieterverfahren vorgesehen. Für die Müssentwiete hatten die Erschließungskosten im Haushalt 2020 gestanden. Da dieser aber noch nicht vollständig genehmigt war und weitere Kosten für Schulbau und Westumgehung entstanden waren, wurde daraus nichts. Dafür aber 2021: Dann sollen die Stadtwerke ihren Teil der Erschließung umsetzen. Der Bau der neuen Straße soll 2021 ausgeschrieben werden. „Für das Gewerbegebiet gibt es diverse Anfragen“, sagt Steinberg.

Die Firma C. Otto Gehrckens hat sich immer mal wieder auf dem eigenen Gelände vergrößert. Mittelfristig wünscht sich die Geschäftsführung aber ein größeres Grundstück Richtung Gehrstücken Süd. Dieses Jahr soll es zum Auslegungsbeschluss für das neue Gewerbegebietes nebenan kommen, zwischenzeitlich wurden Gespräche mit Bürgerinitiativen geführt. „Die gewerbliche Entwicklung Pinnebergs macht mit diesem gewaltigen Paket einen Sprung, den es in den letzten 50 Jahren nicht gegeben hat“, sagt Steinberg.

Für freie Flächen in der Parkstadt Eggerstedt waren vor fünf Jahren große Pläne verkündet worden: Ein Hotel mit Wellnessoase, ein Ärztehaus, ein Gründerzentrum. Momentan hüllen sich die einst so Entflammten in Schweigen. Steinberg: „2021 wird es dort vorangehen. Sollten die, die bisher dort Interesse hatten, nicht auf uns zukommen, werden wir von Verwaltungsseite aktiv.“

Bürgerpark: Trotz der Finanzklammheit scheint eine neue Idee so verlockend zu sein, dass darüber ernsthaft nachgedacht wird. Die Rede ist von einem Sport- und Bürgerpark An der Raa, zwischen Kampfbahn B und dem Hogenkamp. Uwe Hönke, Geschäftsführer beim VfL Pinneberg, hatte kürzlich im Ausschuss die Skizze eines Planers für das Areal vorgelegt – als „Anstoß für eine Detailplanung, was auf dem Gelände für die Bürger und Vereine möglich ist“, so Hönke. „Sollte dieses Projekt Gestalt annehmen, würde es den Sport in ganz Pinneberg gewaltig voranbringen“, hatte er frohlockt. Von Nägeln mit Köpfen ist die Idee weit entfernt. Vorerst beschloss die Politik, die Verwaltung mit der Bildung einer Planungsrunde zu beauftragen. Sportvereine, Schulen, Kindergärten, Jugend- und Seniorenbeirat und Hobbysportler sollen mitreden.

Sport: Im September galt es schon als abgehakt, dass die teils marode Kampfbahn B saniert wird. Weil es zu teuer geworden wäre für die Stadt. Daraufhin bildete sich ein Inspektionsteam aus Vertretern der Vereine, der Verwaltung und dem Hausmeister, das die Kampfbahn B besichtigte und eine Mängelliste erstellte. „In Erwartung einer großen Lösung ist auf der Kampfbahn B jahrelang nichts gemacht worden. Sie wird dringend gebraucht“, sagt Hönke. Alle Reparaturen sollen 158.000 Euro kosten. Zwischenzeitlich war die Reparatur aus dem Etat 2021 raus, die CDU kämpft dafür, sie wieder aufzunehmen.

Schulbau: Wie in anderen Gemeinden, bildet der Schulbau den Schwerpunkt im Etat. Die Grundschule auf dem Gelände der Grund- und Gemeinschaftsschule wird 2021 tatsächlich gebaut, knapp sechs Millionen Euro stehen im Haushalt, weitere vier Millionen folgen 2022. Auch der Ersatzbau der Grundschule Thesdorf wird begonnen (5,5 Millionen Euro) und 2022 beendet (weitere fünf Millionen). Ende 2022 müssen die beiden Schulneubauten stehen, sonst fließt das Fördergeld nicht. Gerade wurde die Umwandlung der Hans Claussen Schule in eine offene Ganztagsschule beschlossen, 2021 beginnt die Planung von Erweiterungs- und Betreuungsräumen. An der Grundschule Rübekamp werden dieses Jahr der Erweiterungsbau und die Mensa geplant. Am Schulzentrum Nord ist der Raumbedarf ebenfalls gestiegen. 2021 startet die Planung. Zudem kostet die neue Brandschutzanlage an der Johannes-Brahms-Schule 450.000 Euro.

Bei der Digitalisierung der Schulen und der dortigen WLAN-Infrastruktur wird die Stadt entlastet: 2021 sollen da 3,85 Millionen Euro investiert werden, davon zahlen Land und Bund gut 1,8 Millionen. „Wenn alles nach Plan läuft, soll der Digitalpakt Schule Ende 2021 umgesetzt sein“, so die Bürgermeisterin.

Kitas: Da das Recht auf einen Kita-Betreuungsplatz gesetzlich festgeschrieben ist, strecken sich die Kommunen seit Jahren nach der Decke, denn von Bund und Land sind sie nicht auskömmlich finanziert. Schwierig war in Pinneberg die Suche nach Standorten. Zwei sind gefunden und sollen alle Probleme lösen, weil die geplante Kita am Rosenfeld bis zu 200 Kinder aufnehmen könnte. Einen Konfliktherd sieht ein Teil der Politiker noch in der Verkehrssituation am Wedeler Weg, wo die Kita hin soll. Die Verwaltung bereitet eine Vorlage mit mehr Parkraum vor.

Wenig bis kein Konfliktpotenzial scheint der zweite Kita-Standort auf dem ehemaligen Post-Areal an der Friedrich-Ebert-Straße in sich zu bergen, wo für 100 Kinder Platz sein soll. In der städtischen Kita im Quellental wurden für 2021 die Kosten für einen Anbau bewilligt.

Brücken: Die Brücke über die Pinnau im Verlauf der Friedrich-Ebert-Straße ist kaputt. Kurzfristig muss eine stählerne Unterkonstruktion errichtet werden, um die Brücke wenigstens noch für drei bis vier Jahre tragfähig zu halten. Der Nachtragshaushalt hat hierfür 70.000 Euro vorgesehen, die Planung kostet 35.000 Euro. Für diese Arbeiten wird im kommenden Jahr über eine Vollsperrung der stark befahrenen Straße nachgedacht, die die Bürgermeisterin vermeiden will. Wie eventuell der Verkehr umgeleitet werden soll, muss die Politik beschließen. Bis Ende 2024 soll eine komplett neue Brücke fertig sein, die Baukosten werden auf 3,1 Millionen Euro geschätzt. Auch die Holzbrücke über die Pinnau entlang des Heinrich-Christiansen-Weges wird erneuert. Im Zuge dessen soll der daran anschließende Weg, den Radler und Fußgänger nutzen, verbreitert werden. Kosten: 320.000 Euro, die Firma Matrix, die den ILO-Park baut, zahlt 100.000 Euro. 2021 geht es los, 2022 sollen Brücke und Weg fertig sein.

Fahrradverkehr: Ein lange gesuchter Stadtentwicklungsingenieur für die Fahrradwege ist gefunden. Der Stadtplaner tritt seine Stelle jetzt an. 14 Velorouten sollen in der Stadt eingerichtet werden. Ein Teil vom Fahltskamp etwa ist Fußgängerzone. Ein anderer, von der Straße An der Berufsschule beginnend, wird immens viel von jugendlichen Fahrradfahrern genutzt. Dieser Teil sollte eigentlich schon 2020 Fahrradstraße werden. Es hat aber Unstimmigkeiten gegeben, weshalb die Verwaltung derzeit eine zweite Vorlage erarbeitet, die Anfang 2021 fertig sein soll. Sinn macht das, weil die Fortsetzung des Fahltskamps, die Straße Oberer Ehmschen, ebenfalls Fahrradstraße werden soll, wie Rellingens Bürgermeister Marc Trampe sagt. Auch nach Prisdorf soll ein Radweg gebaut werden, wünscht sich Urte Steinberg – wichtig für Schulkinder, die dort entlangfahren. Es seien auch Klagen oder der Widerspruch von Bürgerinitiativen, die die Einrichtung von Velorouten oder Fahrradstraßen verzögerten, sagt Urte Steinberg.

Bahnhof: Der Bahnhof, der lange Zeit als Schandfleck galt, so gar nichts Einladendes für Neuankömmlinge besaß und dem Ruf der Stadt vorauseilte, die viel besser ist als derselbe, mausert sich so langsam. Viele neue Fahrradbügel zum sicheren Festschließen wurden in die Bodenplatten gerammt, der Park-and-ride-Parkplatz ist fertig, der schicke Busbahnhof auch. 2020 ist im Bahnhof nicht nur das lange Dach über Bahnsteig 4/5 angebracht und überall auf dem Boden ein geriffeltes Blindenleitsystem installiert worden, sondern seit wenigen Wochen ist die neue Fußgängerunterführung offen, auch wenn noch immer die Aufzüge fehlen und Menschen mit Behinderung oder Kinderwagen sich weiter über die Stufen quälen müssen. Im ersten Quartal 2021 sollen die Aufzüge funktionstüchtig sein. Die Straße, die auf der Fahlt-Seite keinen Fußweg mehr hat, ist das Letzte, was neu gemacht wird. Vorher sind die Gebäude dran.

Ebenfalls auf der Nordseite sollte ja ein Fahrradparkhaus mit Minisupermarkt gebaut werden, das so zwischenzeitlich vom Tisch war und jetzt wieder darauf liegt, weil die Deutsche Bahn es möglicherweise doch bauen will.

Im Zuge der einstimmig beschlossenen Umgestaltung des Nazidenkmals zum Mahnmal stehen 10.000 Euro für den Abschluss der Künstlerbeteiligung im Haushalt dieses Jahres.

Auf der Südseite des Bahnhofes sind die grünen Lärmschutzwände fast fertig installiert. Von privater Hand wird dort ein Parkhaus gebaut, für die Gestaltung des Vorplatzes laufen die letzten Verhandlungen. Baukosten: 4,5 Millionen Euro in den Haushalten 2021/22, davon eine Million Fördergeld.

Rathaus: Lange wurde auf der Verwaltung herumgehackt, weil zu wenig von dem umgesetzt wurde, was die Politik beschlossen hatte. Ein Hauptproblem: Viele Stellen waren nicht besetzt. Das hat sich geändert und wird 2021 noch besser. Verstärkt wurde die Fachdienstleitung Kultur, Bildung und Sport. Ein neuer Fördermittelscout wurde gefunden, der neue Streetworker hat angefangen. Gesucht wird die Sachbearbeitung Feuerwehr, die Teamleitung Bürgerbüro und die Buchhaltung. Nächstes Jahr plant Bürgermeisterin Steinberg, ein Klimaschutzmanagement einzurichten, jemanden für die IT-Informationssicherheit zu engagieren, zwei weitere IT-Administratoren für die Schulen. Auch will Steinberg die Stelle der Ordnungsamtsleitung im Fachbereich I neu ausschreiben: „Es braucht in dem Prozess der Digitalisierung mehr Unterstützung auf Führungsebene.“

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