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Helgoland setzt auf Wasserstoff-Produktion im großen Stil

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Helgoland aus der Luft betrachtet.

Helgoland aus der Luft betrachtet.

Foto: Marcus Brandt / picture alliance/dpa

Agenda 2021: In diesem Jahr fällt die Entscheidung über ein Milliarden-Projekt in der Inselgemeinde. Was sonst noch geplant ist.

Helgoland.  Die Gemeinde Helgoland ist in den vergangenen Jahren jünger und internationaler geworden. 1491 Menschen leben auf der Hochseeinsel, die zum Kreis Pinneberg gehört. Von ihnen haben 235 Bewohner einen ausländischen Pass. Vor zehn Jahren waren das lediglich 66 von 1436 Bewohnern. „Hier leben 37 Nationalitäten“, sagt Bürgermeister Jörg Singer. „Durch das Wachstum bei Forschung, Offshore-Windkraft und im Tourismus haben wir uns zu einer europäischen Insel entwickelt.“ 2010 lag das Durchschnittsalter seinen Angaben zufolge bei 60 Jahren, jetzt bei 50 Jahren.

2020 war ein Haushaltsjahr mit drei Nachträgen. Ein Nachschuss zum Kaufvertrag durch den Bund zum Binnenhafen von 11,2 Millionen Euro stabilisierte die Haushaltslage. Neben einem Hilfspaket für die Inselwirtschaft in Höhe von rund einer Million Euro im Mai 2020 wurde Geld für die Modernisierung von Trink- und Abwasser in Höhe von rund 6,7 Millionen Euro bereitgestellt.

Weniger Touristen, weniger Übernachtungen

Finanziell schwierig war das Jahr auch, weil laut Singer 40 Prozent weniger Touristen und 25 Prozent weniger Übernachtungen auf Helgoland gezählt wurden. Ähnliches sei 2021 zu erwarten.

Die Großprojekte Binnenhafen, Wohnen am Leuchtturm, Rathaus und Kläranlage mit mehr als 40 Millionen Euro Investitionsvolumen werden im ersten Quartal 2021 abgeschlossen. Die neue, vom AZV Südholstein gebaute und betriebene Kläranlage im Südhafengelände geht im ersten Quartal in Betrieb.

Gerade abgeschlossen ist die Rathaus-Renovierung. Das sanierte Mare Frisicum Spa eröffnet im Frühjahr, ebenso das modernisierte Museum. Die neue Tennisplatzanlage wird zum Saisonstart eingeweiht. Alle Wohnungen des Projektes „Wohnen am Leuchtturm“ sind bezogen. Der Binnenhafen wird nach einer Projektlaufzeit von etwa acht Jahre im zweiten Quartal fertiggestellt.

Auftrag für neue Dünenfähre

Im ersten Quartal dieses Jahres wird die Gemeinde den Bau einer neuen Dünenfähre beauftragen – ein Projekt, an dem Singer schon seit 2012 arbeitet. Eine europaweite Ausschreibung läuft. In Dienst gestellt werden soll die Fähre Mitte 2022.

Im Bau ist das etwa 2000 Quadratmeter große BOS-Zentrum („Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“) im Oberland. In dem neuen Gebäude werden Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst untergebracht. Die Bauzeit wird auf zwei Jahre, die Kosten werden auf etwa 14,5 Millionen Euro geschätzt. Das alte Spritzenhaus auf dem Oberland sei in die Jahre gekommen, eine Erweiterung nicht mehr möglich gewesen, so Singer.

Das neue Feuerwehrwehr-Gebäude mit vier Stellplätzen und einem Atemschutz-Trainingsraum bietet den Plänen zufolge in den Umkleiden Platz für 50 Menschen. Im Obergeschoss entstehen fünf Wohnungen für Mitarbeiter. Zudem erhält der Rettungsdienst einen Stellplatz, Umkleiden und einen Aufenthaltsraum. „Auch die Inselpolizei bekommt ein neues Zuhause“, sagte Singer. Knapp 400 Quadratmeter stehen für diesen Bereich zur Verfügung – mit Büroräumen, Erkennungsdienst und Verwahrzelle.

Gemeindewohnungen werden erneuert

Das baufällige und denkmalgeschützte Aquarium des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) wird abgerissen und anschließend neu aufbaut. Die Gemeinde bezuschusst die Bluehouse-Ausstellung am Nordosthafen mit 2,1 Millionen Euro, die den Nordsee-Meeresraum mit realen und virtuellen Felswatt-Attraktionen präsentieren wird. Der Abriss des bestehenden Baus ist für das dritte Quartal geplant, die Neueröffnung für Ostern 2022.

Ebenso abgerissen und neu gebaut werden 13 Wohnungen am Invasorenpfad mit einem Investitionsvolumen von geplanten 2,7 Millionen Euro. Der Baubeginn ist für 2021 geplant, der Wiederbezug der neuen Gemeindewohnungen für Helgoländer mit Erstwohnsitz für das Frühjahr 2022.

Die Trinkwasserversorgung wird für 2,7 Millionen Euro erneuert. Eine 60 Jahre alter Betonspeicher wird in den kommenden zwei Jahren durch moderne Stahlbehälter ersetzt. Leitungen müssen neu verlegt werden. Das Projekt soll 2022 abgeschlossen werden.

Neues Entwicklungskonzept wäre sinnvoll

Zehn Jahre Offshorewind auf Helgoland: Das zehnte Wirtschaftsforum Offshorewind ist im August 2021 geplant.

Außerdem kommt die Umsetzung des Regionales Entwicklungskonzeptes 2025 (REK) ins zehnte Jahr. „Wir haben 80 Prozent der 75 festgelegten Projekte bereits umgesetzt“, sagt Singer. Daher sei es sinnvoll, neue Ziele festzulegen und zu schauen, was man bis 2030 erreichen möchte. Dieser Dialog soll beginnen, sobald es die Corona-Situation wieder zulässt.

Wie kann die Nordostmarina umgesetzt werden? Eine Frage, die 2021 beantwortet werden soll. Es geht dabei um 125 Liegeplätze für Segler. Die Hafenprojektgesellschaft HGH ist von der Gemeinde Helgoland beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für einen Segelhafen im Nordostgebiet zu erstellen. Außerdem sollen die Landungsbrücke und die Zollmole zu neuen Erlebnisorten unter anderem mit Gastronomie werden. Wie das aussehen könnte, darüber wird 2021 diskutiert.

Entscheidung über neues Gesundheitszentrum erwartet

Im ersten Halbjahr 2021 soll sich auch entscheiden, wie das Abenteuerland, ein unterirdisches Erlebniszentrum mit Escaperoom, Disco, modernem Indoorspielplatz und Bowlingbahn auf einer Fläche 1000 Quadratmetern, umgesetzt wird. Die Grundideen lieferten 2016 Schüler der James-Krüss-Schule.

Es soll zudem entschieden werden, wo das neue Gesundheitszentrum Helgoland in zwei Jahren gebaut wird. Die Entscheidung ist fürs erste Quartal vorgesehen. Favorisiert wird bislang das Gelände der Paracelsiusklinik.

Zur Produktion von grünem Wasserstoff auf hoher See planen die Insel Helgoland und ein Firmenkonsortium in der Nordsee bis 2035 zehn Offshore-Windanlagen. Der zwischen der Hochseeinsel und der Doggerbank erzeugte Windstrom soll vor Ort in jährlich bis zu eine Million Tonnen Wasserstoff umgewandelt und durch eine Pipeline an Land gebracht werden. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. 2021 wird sich entscheiden, wo das europaweit einmalige Pilotprojekt umgesetzt werden könnte. Wie bereits zur Ansiedlung der Offshore-Windkraft soll diese Entwicklung im Einklang mit den Zielen der Standbeine Tourismus und Forschung umgesetzt werden.

Aquaventus gehören derzeit 27 Unternehmen, Organisationen und Forschungseinrichtungen an. Dazu zählen unter anderem die Deutsche Shell Holding, Fraunhofer IFAM, E.on, RWE Renewables, Siemens Gamesa Renewable Energy, Siemens Gas and Power, Vattenfall Innovation, die Hansewerk AG sowie die Gemeinde Helgoland.​

( ade )

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