Verkehr

Pinneberger Stadtwerke befördern die Elektromobilität

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Sara Willmroth
Geschäftsführer Oliver Sinterhauf nimmt probehalber in einem der neuen Stadtwerke-Elektrofahrzeuge Platz.

Geschäftsführer Oliver Sinterhauf nimmt probehalber in einem der neuen Stadtwerke-Elektrofahrzeuge Platz.

Foto: Sara Willmroth

Das Versorgungsunternehmen will mehr Ladesäulen aufbauen und selbst mit E-Autos emissionsfrei werden

Pinneberg.  Auf den Straßen summt und surrt es immer häufiger, das „E“ am Ende eines Nummernschildes setzt sich langsam durch. Knapp 480 Elektroautos sind nach Angaben des Statistikamtes Nord inzwischen im Kreis Pinneberg zugelassen. Bei insgesamt rund 177.000 registrierten Personenwagen entspricht das zwar erst einem Anteil von 0,27 Prozent Prozent. Es sind aber schon mehr als doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren. Es dürften bald noch viel mehr sein.

Die E-Mobilität gewinnt an Beliebtheit, steuerliche Vorteile und Umweltfreundlichkeit sind nur zwei von vielen Faktoren, die Autokäufer überzeugen. Seit August 2020 fährt auch die Kreisverwaltung elektrisch. Versorger wie die Stadtwerke Pinneberg stellen sich darauf ein.

Hemmschwelle: Ladesäulen

Denn Hemmschwelle bei vielen Privatkäufern liegt in der zum Teil noch spärlichen Infrastruktur für Ladestationen. Bisher stehen im Kreis circa 50 Stationen mit 100 Ladepunkten zur Verfügung. Im Vergleich dazu: In Hamburg gibt es bereits mehr als 1000 Stationen, davon besitzen 64 eine Schnellladefunktion.

50 seien für einen Kreis von der Größe Pinnebergs viel zu wenige, meint der Geschäftsführer der Stadtwerke Pinneberg, Oliver Sinterhauf. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt er. In diesem Jahr wollen die Stadtwerke dieZahl ihrer Ladesäulen mehr als verdreifachen.

Momentan stellen die Stadtwerke drei Säulen: an der Elmshorner Straße am Marktplatz, am Parkplatz unter der Hochbrücke sowie am S-Bahnhof Thesdorf auf dem Park-and-ride-Parkplatz. Diese Ladestationen sollen im laufe des Jahres modernisiert werden. Die neuen Säulen sind mit Typ-2-Steckern ausgestattet, dem europäischen Standard, und sollen schneller als ihre Vorgänger aufladen. Auch ein Abrechnungssystem wird eingeführt. Das bedeutet aber auch: Der Strom ist damit nicht mehr kostenlos.

Stadtwerke wollen Vorbild sein

Die sieben neuen Säulen werden an öffentlichen Orten aufgestellt, die viel genutzt werden, zum Beispiel vor großen Supermärkten oder auf Parkplätzen. Wie sich der Ausbau weiterentwickele, werde von Rückmeldungen aus der Bevölkerung abhängen, so Sinterhauf.

Die Stadtwerke sehen sich hier in einer Vorbildfunktion, der sie in den nächsten Jahren gerecht werden wollen. Das Ziel: Das Unternehmen will in Zukunft emissionsfrei werden. Stolz sitzt Geschäftsführer Sinterhauf in einem der beiden neuen Elektrofahrzeuge, die gerade angeschafft worden sind. Ein kleiner Start, dem große Pläne folgen: Bis zum Jahreswechsel 2021/2022 sollen 20 weitere Elektrowagen den Fuhrpark verstärken.

Nach Angaben Sinterhaufs sind die Stadtwerke-Mitarbeiter bisher mit den neuen Autos äußerst zufrieden. Technische Probleme oder Schwierigkeiten in der Bedienung seien noch nicht aufgetreten. Die kurzen Strecken schafften die Wagen problemlos. Sobald ein Auftrag beendet ist, werden die Autos sofort an die Ladeboxen in den Hallen der Stadtwerke angeschlossen.

Eine Million Euro für 2021

Über eine Million Euro wollen die Stadtwerke dieses Jahr für eine umweltfreundliche Modernisierung ihres Unternehmens ausgeben. Schon seit vergangenem Jahr beliefern sie ihre Kunden mit ökologischem Strom aus Wasserkraftwerken in ganz Europa. Das Unternehmen selbst will seinen Strombedarf in den nächsten Jahren durch 2000 Quadratmeter Sonnenkollektoren abdecken. „Der klassische Energieversorgungsbetrieb wird schrumpfen“, sagt Sinterhauf. „Dezentraler Energieversorgung gehört die Zukunft. Wir als Stadtwerke müssen uns da neu positionieren.“

In Planung steht deshalb eine neue Dienstleistung: Nahwärmeversorgung für Privathaushalte.

„Solarkraft auf dem Dach, eine Ladestation in der Garage und im Keller die Wärmepumpe. So stellen wir und das Haus der Zukunft vor“, sagt Sinterhauf. Zudem soll der umweltfreundliche Ausbau der Stadtwerke Pinneberg als Gewerbestandort attraktiver werden.

Ambitionierte Pläne

Noch ist offen, wann und inwiefern auf diese ambitionierten Pläne konkrete Taten folgen werden. Die Anlieferung von E-Autos braucht momentan mehr als ein halbes Jahr, genaue Modelle für die Ladesäulen stehen noch nicht fest, und bevor die Solarpanels auf den Dächern des Wasserwerks aufgestellt werden können, muss die erst Statik überprüft werden. Zudem muss für die überschüssige Energie eine Speicheranlage eingeplant werden. Die Werke müssen schließlich auch nachts mit Strom versorgt sein.

Weil die Stadtwerke relevant für die Infrastruktur im Kreis sind, dürfen sie außerdem nicht ausschließlich auf E-Mobilität umsatteln. Ersatzfahrzeuge, die nicht vom Strom abhängen, sind deshalb auch nach der großen Umstellung noch nötig.

Zu wirklicher CO2-Neutralität ist es noch ein langer Weg, der bisher nur spärlich ausgeleutet ist. Sinterhauf ist jedoch zuversichtlich: „Die Mitarbeiter der Stadtwerke sind hochmotiviert und gern bereit, sich für dieses wichtige Thema besonders zu engagieren.“

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