Adventsserie

Dieser Mann hat ein Herz für Alleinerziehende

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Alexandra Schrader
Ausgezeichneter „Herzensmensch“ und selbst alleinerziehender Vater: Udo Radloff in der Elmshorner Geschäftsstelle seines Vereins Alleinerziehende Norddeutschland.

Ausgezeichneter „Herzensmensch“ und selbst alleinerziehender Vater: Udo Radloff in der Elmshorner Geschäftsstelle seines Vereins Alleinerziehende Norddeutschland.

Foto: Alexandra Schrader

Adventskalender, Maske 21: Mit dem Elmshorner Verein unterstützt Udo Radloff Kinder mit nur einem Elternteil.

Elmshorn. An der Wand hängt das ABC, versehen mit kleinen bunten Bildchen, im Regal stehen Puppen und ein CD-Player. Eine Kerze gibt dem Raum gemütliches Licht, aus einem Zimmer schallt Kinderlachen – Musik in den Ohren von Udo Radloff in seinem Elmshorner Büro. Erst im November wurde er von der Volksbank zum „VR-Herzensmensch“ gekürt. Der Preis wird an Menschen vergeben, die in der Region besonderes Engagement zeigen. Und nicht weniger macht Radloff – mit seinem Verein zeigt er außergewöhnlichen Einsatz.

2005 hat Radloff – selbst alleinerziehender Vater – den Verein „Alleinerziehende Norddeutschland e.V.“ in Elmshorn gegründet, um Mütter und Väter zu unterstützen. 15 Jahre später gibt es in der Geschäftsstelle aber viele weitere Angebote: Neben der Beratung bei Erziehung, Trennung, Wohnungssuche und Inobhutnahme von Kindern bietet Udo Radloff seit Februar in einem Frauenprojekt auch Deutschkurse für Migrantinnen mit kleinen Kindern an. Diese Kurse seien für Mütter kostenlos und würden von der Stadt Elmshorn gefördert werden.

Jeder und jede Alleinerziehende habe ein Anrecht auf den Sprachkurs. „Für Väter müsste bei Nachfrage ein neuer Kurs gegründet werden,“ sagt der Vereinsvorsitzende „Der aktuelle ist nur für Frauen.“ Für Elternteile mit berufstätigem Partner, gebe es selbstbezahlten Einzelunterricht. „Das Besondere an den Kursen ist, dass sie auch auf Bewerbungsgespräche vorbereiten“, so Radloff „Manche kommen auch mit konkreten Stellenangeboten, auf die wir uns dann gemeinsam vorbereiten.“ Die Teilnahme erhöhe die Chancen, einen Job zu finden und sich besser zu integrieren.

Udo Radloff ist selbst alleinerziehender Vater

Lange bot Udo Radloff hauptsächlich Beratung in seinem Wohnzimmer an, da ihm keine Räumlichkeiten zur Verfügung standen. „Ich habe mich selbst gewundert, dass die Leute das so lange mitgemacht haben“, sagt der 62-Jährige lachend. Erst 2019 sei der Verein dann in die heutige Elmshorner Geschäftsstelle gezogen.

Die Idee für die Vereinsgründung habe sich aus seiner persönlichen Situation ergeben. „Ich bin selbst alleinerziehender Vater und habe gemerkt, dass es häufig schwierig ist, alleine Anschluss zu finden“, sagt er. Bei der Suche nach einer Krabbelgruppe sei ihm das das erste Mal richtig aufgefallen. Nachdem er sich in einem Online-Forum für Alleinerziehende angemeldet hatte, habe er festgestellt, dass viele Mitglieder aus Norddeutschland kamen. „Daraufhin habe ich mich gefragt, warum wir hier nicht einfach unseren eigenen Verein aufmachen,“ sagt er. Gesagt, getan.

Zu diesem Zeitpunkt sei Udo Radloff schon in einer Selbsthilfegruppe als Berater tätig gewesen. Hier habe er Hilfesuchenden allerdings nur „Tipps“ und keine richtige Beratung geben dürfen. Das sei häufig schwierig gewesen. Und so führte eines zum anderen: Aus der Elmshorner Selbsthilfegruppe wurde der Verein für ganz Norddeutschland.

Verein berät nicht nur alleinerziehende Eltern

Radloff ist mittlerweile Fachmann auf dem Gebiet ehrenamtliche Beratung: Neben seiner Berufsausbildung zum Bürokaufmann und seiner Tätigkeit als Dozent, ist er ausgebildeter Heilpraktiker, psychologischer Berater und Familiencoach. Auch den Deutschunterricht gibt er teilweise selbst. Trotzdem betont der er: „Unsere Angebote ersetzen keine professionelle Rechtsberatung“. Zudem gebe es bestimmte Kriterien und Grenzen, in welchen Fällen und bis zu welchem Punkt er beraten dürfe. Durch seine Erfahrung habe er jedoch einen guten Überblick, bis wohin er gehen dürfe, sagt Radloff.

Aber nicht nur Alleinerziehende seien in dem Verein willkommen. „Auch, wenn der Schwerpunkt immer noch auf der Beratung und Betreuung alleinerziehender Eltern liegt, haben wir hier mittlerweile auch andere Familien – und Menschen mit Behinderung“, erzählt der Dozent. Seine eigene Tochter sei mit Handicap zur Welt gekommen. Da die Kindesmutter nicht in der Lage gewesen sei, sich um das Kind zu kümmern, habe er sich dazu entschieden seine Tochter alleine großzuziehen.

Für die Kürung zum Herzensmenschen, für die die Volksbanken in Schleswig-Holstein seit September Kandidaten suchten, wurde Radloff von seiner Kassenwartin vorgeschlagen. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung von dem Preis. Bis ich von der Sprecherin der Bank angerufen wurde“, sagt der Elmshorner. Dann habe es ein coronakonformes Treffen in einer Geschäftsstelle gegeben, bei dem ihm eine Urkunde und ein Scheck im Wert von 500 Euro überreicht worden sind. Bis Anfang Dezember suchten die Banken nach weiteren Herzensmenschen, vorgeschlagen werden kann grundsätzlich jeder.

Projekte für des kommende Jahr sind bereits in Planung

Und wohin mit dem Preisgeld? Das sei Radloff sofort klar gewesen: „Ich habe direkt gesagt, dass ich das Geld in den Verein investieren möchte.“ Er wolle damit eine Freizeit mit einigen Vereinsmitgliedern in einer Blockhütte am Meer finanzieren. „Es gibt schon eine Warteliste“, sagt der Gruppenleiter. Für viele Alleinerziehende sei das endlich mal eine Möglichkeit, auch mit wenig Geld wegzufahren.

Die Spende komme zudem gerade recht, denn der Verein bekomme keine institutionellen Zuschüsse. „Die Finanzierung läuft hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge und über Alleinerziehende, die finanziell in der Lage sind, etwas beizutragen“, so Radloff. Aber auch der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Stadt Elmshorn würden einige Projekte unterstützen, so der alleinerziehende Vater. Für Werbung würden die Einnahmen zwar nicht reichen, aber auch ohne Marketing sei der Verein mittlerweile ziemlich bekannt in der Umgebung.

Für die Zukunft sei einiges geplant: „Nächstes Jahr möchten wir gerne ein Grillfest organisieren, vielleicht mal ein Bungalow in Dänemark für das Frauenprojekt mieten und einen Adventskalender gestalten“, sagt Radloff. Die Anlaufstelle in Elmshorn solle um Küche und Garten erweitert werden. Auch ein Mädchen-Treffpunkt ist geplant. „Für die Mädchen soll das hier ein Ort sein, an dem sie sich geschützt treffen können“, so Radloff. Dabei sollten alle willkommen sein, ob mit oder ohne Handicap, ob mit Migrationshintergrund oder ohne. Wenn es nach Udo Radloff geht, soll Kinderlachen noch mehr Platz finden.

Wohnraum für Alleinerziehende mit Migrationshintergrund wird derzeit vom Verein in Elmshorn und Umgebung gesucht. Kontakt unter www.ae-nord.de

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