Bundestagswahl 2021

Pinnebergs SPD setzt auf Profi Ralf Stegner

| Lesedauer: 5 Minuten
Burkhard Fuchs
Kreisvorsitzender Thomas Hölck und seine Stellvertreterin Heidi Keck gratulieren Ralf Stegner (l.) zum Wahlsieg.

Kreisvorsitzender Thomas Hölck und seine Stellvertreterin Heidi Keck gratulieren Ralf Stegner (l.) zum Wahlsieg.

Foto: Burkhard Fuchs

Der SPD-Fraktionschef in Schleswig-Holstein tritt 2021 als Kandidat im Kreis Pinneberg an. Nachfolger von Ernst Dieter Rossmann.

Kreis Pinneberg.  Am Ende war das Ergebnis deutlich. Mehr als zwei Drittel der 93 anwesenden Delegierten des SPD-Kreisverbandes setzten auf den Polit-Profi aus Kiel, der in Bordesholm lebt. 64 Genossen im Forum-Theater in Schenefeld wählten am Sonnabendnachmittag Ralf Stegner (61) zum Direktkandidaten der SPD bei der Bundestagswahl, die Ende September nächsten Jahres sein wird. Sein Herausforderer, der halb so alte Mats Hansen aus Elmshorn, bekam 28 Stimmen bei einer Enthaltung.

„Das ist ein großer Vertrauensbeweis“, freute sich Stegner, der wohl selbst nicht mit diesem Vorsprung zum Vorsitzenden des Kreisjugendringes gerechnet hatte. Denn der 1670 Mitglieder zählende größte Kreisverband in Schleswig-Holstein ist immer für eine Überraschung gut. „Ich werde mich voll in den Wahlkampf reinhängen“, versprach der frisch gewählte Bundestagskandidat für den Wahlkreis 007.

Stegner dürfte einen vorderen Listenplatz erhalten

Ernst Dieter Rossmann, der mit 70 Jahren 2021 nicht mehr antreten wollte und den Stegner dann nach 23 Jahren Bundestagszugehörigkeit beerben soll, überreichte ihm dafür schon mal eine Fahrradkarte vom Kreis Pinneberg.

Stegner möge so oft wie möglich zu Fahrradtouren hierherkommen, warb Rossmann, der dem Wahlverlierer Hansen eine Einladung nach Berlin schenkte. Stegner sei „eine gute Wahl“, sagte Rossmann. „Jetzt hat die SPD gute Chancen, dass der Kreis Pinneberg weiterhin mit einem ihrer Abgeordneten in Berlin vertreten ist.“ Rossmann will das sowohl für ein Direktwahlergebnis als auch für einen Listenplatz verstanden wissen.

Lesen Sie auch:

Aber nicht nur Stegner selbst, mit der Erfahrung als ehemaliger Finanz- und Innenminister, Abgeordneter und Landesparteichef sowie aktueller Oppositionsführer im Kieler Landtag, auch andere im Kreisverband gehen davon aus, dass dieser Kandidat mit Sicherheit einen aussichtsreicheren Listenplatz für die Bundestagswahl erhalten wird als es dem Politneuling Hansen widerfahren wäre.

Denn seit 2002 konnte die SPD im Kreis Pinneberg mit Rossmann das Direktmandat gegen die CDU-Abgeordneten Ole Schröder und zuletzt Michael von Abercron nicht mehr gewinnen. 2017 fehlten gegenüber dem CDU-Kandidaten 17.356 Stimmen oder 9,4 Prozentpunkte.

Kreisvorsitzender zufrieden mit dem Wahlergebnis

Kreisvorsitzender Thomas Hölck zeigte sich zufrieden mit dem Wahlergebnis. „Damit können beide gut leben. Für Mats Hansen ist es ein respektables Ergebnis.“ Vor der Entscheidung auf der Delegiertenkonferenz hatten sich beide Kandidaten rund ein Dutzend Mal der Parteibasis überall im Kreis Pinneberg und auf Videokonferenzen vorgestellt.

Das geschah auch diesmal im „generalstabsmäßig“ geplanten Event mit den üblichen Corona-Vorschriften des Maskentragens und großen Abstandsregeln. Jeweils zwölf Minuten brauchten beide Kandidaten für ihre Ansprache.

Hansen musste nach dem Münzenwurf der Versammlungsleiterin und Gastgeberin, Bürgermeisterin Christiane Küchenhof, als erster ran. Der Elmshorner Stadtverordnete kündigte an, er wolle der SPD, ihren Mitgliedern und Wählern wieder Mut machen. Nach drei Großen Koalitionen wüssten die Menschen hierzulande nicht mehr, „wofür wir stehen“. Darum brauche die SPD eine Erneuerung und Verjüngung in ihren Reihen, forderte Hansen. Mehrfach warnte er: „Wir haben so viel Vertrauen verloren“, das nur durch einen intensiven Haustür-Wahlkampf und Überzeugungsarbeit wieder zurückgewonnen werden könnte.

Stegner lobte Rossmanns jahrzehntelanges Wirken

Stegner retournierte diesen verbalen Angriff souverän mit dem Satz: „Das ist keine Altersfrage.“ Mit 61 sei er genau im Altersschnitt der bundesweit 420.000 Parteimitglieder. „Wir müssen wieder begreifen, dass unsere Gegner nicht auf der anderen Seite des Parteiflügels, sondern in anderen Parteien sind“, sagte Stegner.

Für ihn, der sich in der Tradition des früheren Landesvorsitzenden, des „roten“ Jochen Steffen sieht, ist die SPD weiterhin die einzig „linke Volkspartei“. Auch wenn er zu Hause bei seinen drei Söhnen, die den Jusos angehörten, eher als „konservativ“ gelte.

Stegner lobt sein Vorgänger als sehr glaubwürdig

Anders als Hansen, der Rossmann in seiner Rede nicht erwähnte, lobte Stegner dessen jahrzehntelanges Wirken im Bundestag. „Er hat den Wahlkreis über viele, viele Jahre hervorragend vertreten“, sagte Stegner und setzte gekonnt einen Seitenhieb zur aktuellen Rochade des Landrats Oliver Stolz, der sich mit einer Amtszeitverlängerung um einen Tag Pensionsgeldansprüche sichert. „Ernst Dieter wäre so etwas nie eingefallen. Dazu ist er viel zu glaubwürdig.“

Es ist nicht das erste Mal, das der SPD-Kreisverband auf einen Spitzenkandidaten von außerhalb setzt. 1953, 1961 und 1965 trat die spätere Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, die eigentlich in Bonn lebte, als Wahlkreiskandidatin im Kreis Pinneberg für die Bundestagswahl an.

Der Kreisverband hat sie in seinem neuen Kreisbüro in der Friedrich-Ebert-Straße 34, wo Renger ein paar Jahre in einem Hochhaus nebenan wohnte, mit einem großen Gemälde und einem nach ihr benannten Sitzungsraum gewürdigt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg