Prozess

Männer foltern Bauarbeiter wegen verschwundener Maschine

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Arne Kolarczyk
Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Anklage wirft Vater und Sohn aus Elmshorn Foltermethoden wie in Guantanamo vor. Beide sagen vor Gericht nicht aus.

Elmshorn.  Die Methoden, die Ali und Sertan A. angewandt haben sollen, erinnern an die Praktiken im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo. Dem Elmshorner Vater-Sohn-Gespann wirft die Staatsanwaltschaft Freiheitsberaubung vor. Sie sollen zwei rumänische Bauarbeiter regelrecht gefoltert haben, weil sie sie verdächtigten, eine Maschine entwendet zu haben. Donnerstag begann der Prozess vor dem Schöffengericht.

Am 26. März 2018 sollen die 52 und 25 Jahre alten Angeklagten zusammen mit einem Mittäter die Arbeiter in den Keller gezwungen und dort misshandelt haben. Als beide abstritten, die Maschine gestohlen zu haben, wurden sie laut Anklage mit einer Holzlatte und einem Metallbohrer verprügelt. Ihre Köpfe sollen zudem mehrfach in einer mit Wasser gefüllten Wanne untergetaucht worden sein, bis die Opfer keine Luft mehr bekamen. Einer der Arbeiter soll dabei in Ohnmacht gefallen sein. Die Tortur dauerte laut Anklageschrift drei Stunden.

Opfer wird mehr als vier Stunden vor Gericht befragt

Die Gewaltorgie, die dort beschrieben wird, beeindruckt die Angeklagten wenig. Sie schauen gelangweilt drein, lassen ihre Anwälte knapp erklären, sich nicht zur Sache äußern zu wollen. Als Richterin Christine Franzius nach der Anklageverlesung verkündet, dass eines der Opfer unbekannt verzogen sei und nicht geladen werden konnte, wird sie rüde von Verteidiger Erkan Özkan unterbrochen. Er besteht darauf, dass es sich um „angebliche Geschädigte“ handelt.

Steliyan S. (38) ist einer davon. Mehr als vier Stunden wird er Donnerstag von den Prozessbeteiligten verhört, wobei sich die Verteidiger der Angeklagten besonders hervortun. Die Befragung konnte zunächst nicht abgeschlossen werden. Der 38-Jährige kam Anfang 2018 nach Deutschland. „Ich kannte hier niemanden, nur Metin.“ Der stammte aus seinem rumänischen Dorf und bot Steliyan S. an, ihm auf der Baustelle in Elmshorn zu helfen. „500 Euro sollte ich bekommen für zehn Tage Arbeit.“ Er sei im Trockenbau eingesetzt gewesen, Papiere habe er keine vorlegen müssen.

Angeklagte sollen Opfer geschlagen und gefoltert haben

Am Tag der Tat seien die Besitzer der Maschine auf die Baustelle gekommen und hätten die Angeklagten nach deren Verbleib gefragt. „Die kamen zu uns und sagten, wir hätten sie gestohlen.“ Das hätten sie bestritten. Daraufhin seien Metin und er in den Keller verschleppt worden, die Tür dazu sei von den Angeklagten verschlossen worden.

„Sie haben uns angegriffen und geschlagen. Dann hat einer einen großen Eimer Wasser vollgemacht.“ Ihm sei ein Kabel um den Hals gelegt und sein Kopf mehrfach unter Wasser gedrückt worden. Er habe Todesangst gehabt, so der 38-Jährige. Man habe auch gedroht, ihn und Metin „von Negern vergewaltigen zu lassen“. Zudem seien ihnen die Handys abgenommen worden. Er sei dann geschlagen worden, bis der Stock abbrach. „Sie haben auch gedroht, dass wir hier nicht lebend rauskommen.“

Laut Steliyan S. seien sie freigekommen, als andere Arbeiter auf der Baustelle auftauchten. Er habe am ganzen Körper blaue Flecken gehabt. „Das ist ein schwarzer Tag in meinem Leben, an den will ich nicht erinnert werden.“ Letztlich habe sich herausgestellt, dass ein Elektriker die Maschine genommen habe. Das Gericht hat drei weitere Termine angesetzt. Allerdings steht im Raum, dass der Fall an das Landgericht abgegeben wird. Nach den Aussagen des Opfers könnte auch eine Geiselnahme vorliegen, die mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren geahndet wird. Das Schöffengericht darf maximal vier Jahre Haft verhängen.

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