Pinneberg

Frauenkarriere mit Blumenstillleben im Stadtmuseum

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Katja Engler
Museumsleiterin Ina Duggen-Below und ihre wissenschaftliche Volontärin Jana Stoppel mit dem schönsten Blumenstillleben von Clara von Sivers.

Museumsleiterin Ina Duggen-Below und ihre wissenschaftliche Volontärin Jana Stoppel mit dem schönsten Blumenstillleben von Clara von Sivers.

Foto: Katja Engler

Ausstellung zeigt Malerin Clara von Sivers in ihrem Wirkungskreis. Eine spannende weibliche Biografie um 1900.

Pinneberg.  Während die gute Gesellschaft des 19. Jahrhunderts mehrheitlich die Nase rümpfte, wenn weibliche Künstlerinnen das Terrain betraten, bewies Kaiser Wilhelm bei solchen Damen Anstand und Respekt. Im Pinneberg Museum liegt der Beweis dafür jetzt unter Glas in einer Vitrine, und mit Glück ist das seltene Autograph mit der schwungvollen Unterschrift „Wilhelm“ nach dem 21. Dezember wieder normal zu besichtigen. Dann, hofft Museumschefin Ina Duggen-Below, darf sie ihr Haus wieder real dem Publikum öffnen. Bis dahin ist die Ausstellung „Claras Bilder“ nur in einem digitalen Rundgang zu besuchen.

Es war nämlich der deutsche Kaiser Wilhelm I. höchstselbst, der sich in einem handgeschriebenen Brief bei der Malerin Clara von Sivers für ihr Bild bedankte. Darin lobte er die „naturgetreue Wiedergabe der Blumen“. Den Brief schrieb er ihr am 17. Januar 1879. Ihre Urgroßenkelin hat ihn bis heute aufgehoben und dem Pinneberg Museum neben Fotos und Dokumenten zur Verfügung gestellt. Denn Clara von Sivers wurde in Pinneberg geboren, weshalb Ina Duggen-Below die Idee hatte, rund um die Malerin eine Ausstellung zu konzipieren.

Sivers malte auch Bluemstillleben auf Postkarten

Sivers war eine selbstbewusste Frau. Im Jahr ihrer Eheschließung mit einem Offizier aus dem baltischen Adel ließ sie sich wieder scheiden. So stand die junge Mutter, weil geschiedene Frauen damals geächtet wurden, vor der Wahl, den Kopf unter dem Arm zu tragen oder die Flucht nach vorn anzutreten. Sie entschied sich für Offensive und wurde eine erfolgreiche Gebrauchskünstlerin, deren hübsche, jahreszeitlich variierende Blumenstillleben bald eine stattliche Anzahl von Postkarten zierten, von denen das Museum eine ganze Menge gerahmt hat.

Das schönste, von der Fielmann-AG für das Haus angekaufte Bild ist ein spätes Ölgemälde. Es zeigt, mit welcher Souveränität Clara Sivers ihr Genre innerhalb gewisser Qualitätsgrenzen beherrschte. Einen frisch gepflückten Strauß tief dunkelroter, hellroter und zartrosa Stockrosen stellte Sivers gar nicht erst in eine Vase, sondern sie ließ ihn auf einem Korb liegen. So, als sei sie gerade von draußen hereingekommen.

In dieser sommerlichen Frische hat sie auch die Knospen, Blüten und spärlichen Blätter aufgefasst und vor den bewährten, von hinten angeleuchteten braunen Hintergrund gesetzt.

Viele Frauen bauten sich durch Kunsthandwerk etwas auf

Clara von Sivers, gebürtige Krüger, war nicht die einzige aus der Familie, die künstlerische Ambitionen hegte. Auch ihre Schwestern Rosa und Elisabeth wurden Malerinnen. Es ist die sozialgeschichtliche Spurensuche bei dieser Frauenbiografie, die Ina Duggen-Below in der Ausstellung am meisten interessiert hat. Von Rosa Krüger hat sie sogar ein Bild in der Ausstellung: Ein Blumenstillleben in einer grünen Glasvase mit Goldrand stehend, die wahrscheinlich vom Glaskünstler Bruno Mauder stammte.

Mauder taucht noch ein zweites Mal in der Ausstellung auf. Der Glaskünstler lieferte Beiträge zu der kunsthandwerklichen Zeitschrift für Frauen, die Clara Sivers herausgab. Denn in jenen Jahren begannen viele Frauen, sich mit kunsthandwerklichen Arbeiten und Entwürfen, für die sie Geschick hatten und sich Kenntnisse aneigneten, ein eigenes finanzielles Standbein aufzubauen. Für diese Frauen vertrieb Sivers die beliebte Zeitschrift „Kunsthandwerk für’s Haus“.

Auffallend oft war die Künstlerin Dora Baum in der Zeitschrift mit Beiträgen vertreten. Ihre Bilder im Heimatstil verkauften sich von Jahr zu Jahr besser, und sie war es, die 1920 einen der weltweit ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen entwarf.

Ausstellung zunächst digital zu sehen

Einen winzigen Ausschnitt aus dem Netzwerk an Künstlerinnen und Künstlern, das Clara von Sivers sich aufgebaut hatte, macht Ina Duggen-Below in der Ausstellung sichtbar.

Ein regionaler Bezug ist ansonsten nicht vorhanden, denn Clara von Sivers verließ im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern ihre Geburtsstadt Pinneberg und zog nach Kiel, wo ihr Vater eine Stelle als Bauinspektor antrat. Immerhin befinden sich im Kreis Pinneberg noch einige Bauprojekte, die er realisierte. Dazu gehört das Barmstedter Pastorat, der Umbau der Dreikönigskirche in Haselau und die Restaurierung der Haseldorfer Kirche.

„Claras Bilder“ zunächst digital zu bewundern über die Internetseite www.pinnebergmuseum.de. Voraussichtlich ab 21. Dezember bis Ende Mai wieder normal zu besuchen, und zwar an der gewohnten Adresse Dingstätte 25, Pinneberg. Di, Mi, Fr 17-19 Uhr, Do 10-12 und 15-17 Uhr, So 15-17 Uhr. Eintritt frei.

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