Kreis Pinneberg

Jüdische Gemeinde aufgelöst: Streit in Pinneberg geht weiter

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Das Gebäude der jüdischen Gemeinde in Pinneberg.

Das Gebäude der jüdischen Gemeinde in Pinneberg.

Foto: Katja Engler

Mitglieder der aufgelösten Gemeinde in Pinneberg beschweren sich beim Landesverband. Was ihre Vorwürfe sind.

Pinneberg.  Unruhe, Unzufriedenheit, Austritte: Nach einigen Querelen in der Vergangenheit und der Abspaltung einer neuen Gemeinde hat sich der Verein „Jüdische Gemeinde Pinneberg“ nun aufgelöst. Das bestätigte Walter Blender, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein, dem Hamburger Abendblatt.

„Nach inneren Unruhen, Unzufriedenheit der meist russischsprachigen Mitglieder mit dem Kurs der alten jüdischen Gemeinde, dem Rücktritt eines Teils des Vorstandes und vielen Austritten löste sich die Gemeinde nach eigenem Bekunden am 8. November auf“, so Blender. Die Gemeinde gab es seit 2002 in der Kreisstadt.

Die Anzahl der Mitglieder der alten „Jüdischen Gemeinde Pinneberg“ sei seit zwei Jahren deutlich rückläufig, diverse Mitglieder führten Beschwerde gegen den Vorstand beim zuständigen Landesverband. „Eine Überprüfung der Aktenlage und Geschäftsführung wurde dem Landesverband verweigert“, so Blender. Hintergrund war, dass der damalige Vorsitzende Wolfgang Seibert nach Betrugsvorwürfen zurückgetreten war. Einer der Vorwürfe lautete, dass er seine jüdische Vergangenheit frei erfunden habe.

Im Juli hatte sich eine neue Gemeinde gebildet

Wegen dieser Querelen hatte sich schon im Juli die „Liberale Jüdische Gemeinde Pinneberg“ mit vorwiegend russischsprachigen Juden des Kreises gegründet. Sie wird von Frida Nikolayenko geleitet, betreut werde die Gemeinde von Rabbiner Isak Aasvestad, russischsprachiger Unterricht wird von Rabbiner Alexander Lyskovoi erteilt. Alle Beteiligten hätten mit dem Landesverband eine enge Kooperation vereinbart. Ihr Ziel sei, das jüdische Leben in der Region aufrechtzuerhalten und neue Impulse zu geben.

Doch die Auflösung der alten Gemeinde scheint ein Nachspiel zu haben. So berichtet der Landesvorsitzende Blender, dass den Landesverband „Beschwerden ehemaliger Mitglieder der alten, jetzt aufgelösten Pinneberger Gemeinde“ erreichen. Anscheinend wurden von der alte Gemeinde persönliche Daten und Listen ohne die Zustimmung der Mitglieder versandt. „Listen von Juden zu versenden ist im Hinblick auf die Historie in Deutschland verpönt“, sagt Blender. „Wir versuchen zu vermitteln und zu beruhigen, aber einige habe auch schon Rechtsanwälte eingeschaltet.“

( nib )

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