Prozess

Brutaler Autoraub auf McDonald’s Parkplatz bleibt ungesühnt

In Pinneberg soll der Angeklagte einem anderen Mann das Auto brutal abgepresst haben. Weil das Opfer nicht aussagte, wurde der Anklagepunkt fallengelassen. (Symbolbild)

In Pinneberg soll der Angeklagte einem anderen Mann das Auto brutal abgepresst haben. Weil das Opfer nicht aussagte, wurde der Anklagepunkt fallengelassen. (Symbolbild)

Foto: Getty Images/iStockphoto

Der Angeklagte soll einem Mann seinen Mercedes abgenommen haben, wird aber freigesprochen. Hinter Gitter muss er trotzdem.

Pinneberg/Itzehoe. Der Hauptbelastungszeuge ist untergetaucht, die weiteren Beteiligten nutzten ihr Zeugnisverweigerungsrecht: Am Ende konnte die Große Strafkammer des Landgerichts Itzehoe nach 13 Prozesstagen Eddie K. (22) einen Autoraub in Pinneberg nicht nachweisen. Der aus Hamburg stammende Angeklagte wurde in diesem Punkt freigesprochen.

Verurteilt wurde Eddie K. trotzdem – und zwar zu zweieinhalb Jahren Haft. Denn es blieben eine ganze Reihe von Anklagepunkten übrig, die von ihm zum Teil auch eingeräumt wurden. Der 22-Jährige, der in Lurup bei seiner Mutter lebt, lieferte sich am 4. Januar 2020 in der Hansestadt eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Beamte wollten seinen VW Polo um 1 Uhr nachts kontrollieren, weil das Fahrzeug nicht zugelassen war. Daraufhin gab Eddie K. Gas, raste mit hohen Tempo durch mehrere Straßen, teilweise auf der Gegenfahrbahn, in einem Fall entgegen der Einbahnstraße.

Im Auto wurden Drogen und Geld gefunden

Die Amokfahrt des Angeklagten, der keinen Führerschein hat, endete nach Überfahren einer roten Ampel an der Schröderstiftstraße, wo der VW Polo in einen Klein-Lkw einer Autovermietung krachte. Im Fahrzeug wurden Marihuanablüten in großer Menge sowie Geld gefunden.

Daraus folgte eine Verurteilung wegen eines illegalen Autorennens, wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Auch unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge, Besitz von Drogen in nicht geringer Menge und Beihilfe zum Handeltreiben fanden Eingang in das Urteil, ebenso wie ein Verstoß gegen das Waffengesetz.

Opfer und Belastungszeuge ist untergetaucht

Nicht eingeflossen ist der Vorfall vom 8. Mai 2020, der sich auf dem Parkplatz von McDonald’s an der Friedrich-Ebert-Allee in Pinneberg ereignet hat. Laut Anklage sollte Eddie K. dort dem 18-jährigen Eduard P. unter Waffengewalt seinen Mercedes C 200 abgepresst habe. Auch mehrere Bekannte des Angeklagten sollen an der Aktion beteiligt gewesen sein. Die beriefen sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, weil sie sich sonst möglicherweise strafbar machen würden.

Eduard P. blieb trotz Vorladung dem Gerichtstermin fern, sodass der Richter Johann Lohmann die Polizei mit der Suche nach dem jungen Mann betraute. Die blieb jedoch erfolglos. Während des Verfahrens ergaben sich Hinweise, dass sich das Opfer ins Ausland abgesetzt haben könnte. Als möglicher Aufenthaltsort gilt Rumänien.

Verwanztes Auto brachte keine neue Spur

So konnten lediglich zwei Polizisten vernommen werden, mit denen der 18-Jährige zumindest kurz über die Tat gesprochen hatte. Auch zwei seiner Freunde, die er in der Tatnacht telefonisch um Hilfe gebeten hatte, sagten aus. Letztlich reichte das nicht für eine Verurteilung. Auch die Innenraumüberwachung des sichergestellten Fahrzeugs, das Eduard P. von der Polizei voller Wanzen zurückgegeben worden war, brachte keine Aufklärung der Tat.

Eddie K. hatte sich zu diesem Anklagepunkt nicht eingelassen. Als er noch am 8. Mai in dem Mercedes festgenommen worden war, hatte er behauptet, ein Bekannter habe ihm das neuerworbene Auto zeigen wollen. Dieser sei nur kurz weggegangen. Zu widerlegen war dies nicht. Der 22-Jährige, der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft saß, erhielt mit der Urteilsverkündung eine Haftverschonung. Seine Anwälte, die auf eine Strafe im bewährungsfähigen Bereich abgezielt hatte, haben Revision eingelegt. Staatsanwalt Christian Irmer-Tiedt hatte 33 Monate Haft gefordert.