Kreis Pinneberg

Im Advent schaut das Abendblatt hinter die Maske

Die Adventskalender-Maske mit der Nummer eins. Wer ist es? Die Antwort lesen Sie morgen.

Die Adventskalender-Maske mit der Nummer eins. Wer ist es? Die Antwort lesen Sie morgen.

Foto: Katja Engler

Neue Serie: Von nun an lüften wir täglich in unserem Adventskalender Corona-konform Mund-Nasen-Masken.

Kreis Pinneberg.  „Wer sind Sie?“, fragt Nettchen. „Ich bin nicht ganz so, wie ich scheine“, antwortet der, den sie angesprochen hat. Wenzel Strapinski, die Hauptfigur in Gottfried Kellers 1874 veröffentlichter Novelle „Kleider machen Leute“, ist gefangen zwischen Schein und Sein. Ihn, den armen Schneider, halten sie im schlesischen Städtchen Goldach für einen Prinzen oder einen Grafensohn, denn er ist ungewöhnlich gut gekleidet.

Gottfried Keller, „Kleider machen Leute“, das Zusammen- oder Widerspiel von Schein und Sein, es ist Schulstoff in der siebten Klasse. Damit beschäftigen sich Kinder und Jugendliche, die ihre neue Lehrerin, ihren neuen Lehrer seit den Sommerferien womöglich noch niemals ohne Maske gesehen haben. Umgekehrt genauso. „Wer sind Sie?“, mag sich der eine oder die andere fragen. Schein und Sein – wird daraus jetzt Nichtschein und Sein? Um Schneiderei geht es immer noch.

Vielleicht gilt das geflügelte Wort „Kleider machen Leute“ gerade jetzt mehr als jemals zuvor. Weil wir auf der Straße jemanden, den wir eigentlich kaum kennen, nicht mehr wahrnehmen als den Menschen mit dem sympathischen Lächeln oder dem immerzu angespannten Gesichtsausdruck – sondern als denjenigen mit dem schwarzen Mantel, den roten Schuhen und der Mütze, die jetzt im Winter so tief ins Gesicht gezogen ist. Und weil wir selbst einen Menschen, der uns vertraut ist, zuerst an seiner Kleidung erkennen. Kleider machen Leute – werden Kleider gerade mehr zum Statement denn je zuvor?

Kleider, aber auch Masken machen Leute

Oder ist es längst auch: die Maske? Zeige mir, was du vor Mund und Nase trägst, und ich glaube zu wissen, wer du bist! Die medizinische Einwegmaske – für alle, die vorübergehend regelkonform andere und sich selbst vor einer Corona-Infektion schützen wollen. Die selbstproduzierte, Marke DIY („do it yourself“), die hausgemachte Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen aller Art. Die stylische aus der Oberhemden-Manufaktur, passend zum jeweiligen Tages-Outfit. Und die, die unter der Nase getragen wird; sie sagt besonders viel über ihren Träger aus. Ja, nicht nur Kleider, sondern Masken machen Leute.

Wirklich? Neulich an der Supermarktkasse. Eine Frau in den 50ern ist an der Reihe. Ihre Maske ist so dezent, dass sie zunächst kaum auffällt. Die Farbe passt zum Teint der Trägerin, der fröhlich lächelnde Mund, rote Lippen um viel schneeweiße Zähne, mag auch deren Naturell entsprechen. So also steht diese Frau da: einfach nur strahlend. Der Einkaufsbeutel mit lustigem Aufdruck (sie mag offenbar lustige Aufdrucke), den sie mit aufs Laufband gelegt hat, irritiert aber zunächst den Scanner der Kasse. Dann den Kassierer. Die Frau grinst. Der Kassierer erklärt, dass es diesen Artikel nicht zum Sonderpreis gebe. Die Frau grinst. Der Kassierer ruft die Filialleitung. Die Frau grinst. Die Filialleitung kommt. Die Frau grinst. Die Filialleitung beginnt zu diskutieren. Die Frau grinst. Unter ihrer Maske dringen aber teils unverständliche Unmutsbekunden hervor. Die Filialleitung nimmt den Einkaufsbeutel mit dem lustigen Aufdruck mit. Die Frau grinst. Sie schimpft, aber es ist kaum etwas zu verstehen, ihre Augen rollen ganz wild – und unter all dem zeigt sie ein jetzt fast dämlich wirkendes Dauergrinsen. Wer ist sie? Sicherlich nicht ganz so, wie sie scheint.

Menschen aus dem Kreis nehmen für uns ihre Masken ab

Es ist eine kuriose, ja eine schwierige Zeit. Wir vom Hamburger Abendblatt in Pinneberg meinen, dass es momentan in öffentlichen, geschlossenen Räumen und auf belebten Plätzen sinnvoll und sogar alternativlos ist, zum Schutze anderer und zum eigenen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus Masken zu tragen. Gleichwohl sehen wir darin nicht den Mode- und Gesellschaftstrend der kommenden Jahre und Jahrzehnte. Vom morgigen Tage an bis Weihnachten werden wir deshalb Personen aus dem Kreis Pinneberg ihre Masken abnehmen – völlig Corona-konform, denn das Virus verbreitet sich natürlich weder digital noch auf bedrucktem Papier –, um die Menschen hinter dem Stoff wieder wirklich sichtbar zu machen.

Ganz frei nach Gottfried Keller: „Wer sind Sie?“ – „Ich ganz so, wie Sie mich sehen!“

Der Adventskalender – so funktioniert er

Es wird Dezember, also Zeit für einen Adventskalender. Türchen zu öffnen wie in den vergangenen Jahren scheint uns aber dieses Mal nicht opportun – es könnte ja jemand davor oder dahinter stehen, der mit dem Coronavirus infiziert ist...

Deshalb haben wir in diesem Jahr ein Thema aufgegriffen, das jeden betrifft: Masken. Wir lüften sie! Wir schauen dahinter, und das bei der Recherche absolut Corona-konform.

2020, das nun langsam zur Neige geht, ist ein schwieriges Jahr gewesen, weitaus schwieriger noch, als es viele von uns im April, Mai oder Juni geahnt haben. Es hat viele an ihre Grenzen gebracht, emotional und existenziell. Und trotzdem hat auch dieses Jahr Positives gebracht. Davon wollen wir erzählen. An jedem Dezember-Tag vor Weihnachten lüften wir eine Maske. Um wen es sich handelt, zeigen wir tags zuvor. Seien Sie gespannt, es lohnt sich!