Kreis Pinneberg

Renitenter Hamburger Rentner gibt seinen Führerschein ab

Die Ölspur zog sich am 20. Oktober 2019 kilometerlang durch den Kreis Pinneberg und führte zu diversen Straßensperrungen.

Die Ölspur zog sich am 20. Oktober 2019 kilometerlang durch den Kreis Pinneberg und führte zu diversen Straßensperrungen.

Foto: Ulrich Stückler

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen 77-Jährigen ein, der im Herbst 2019 absichtlich einen Feuerwehrmann angefahren hatte.

Appen.  Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt: Ein 77 Jahre alter Autofahrer missachtete im Oktober 2019 in Appen eine Straßensperrung und fuhr offenbar absichtlich einen 36 Jahre alten Feuerwehrmann an , der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Mehr als ein Jahr danach hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Hamburger abgeschlossen . Sie stellte das Verfahren gegen Auflagen ein – und der Autofahrer gibt seinen Führerschein freiwillig ab.

Es war der 20. Oktober 2019, als der heute 78-Jährige für Aufsehen sorgte. Zu diesem Zeitpunkt war die Wedeler Chaussee (L 105) für einen größeren Feuerwehreinsatz gesperrt, an dem 70 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren beteiligt waren. An der Pinneberger Mühlenstraße war es zuvor zu einem schweren Verkehrsunfall zwischen einem VW Golf und einem Smart gekommen. Dabei rissen die Ölwanne und der Kraftstofftank des VW auf. Der Fahrer flüchtete mit seinem Wagen quer durch den Kreis Pinneberg und hinterließ eine kilometerlange Ölspur.

Rentner wollte Straßensperrung partout nicht akzeptieren

Die Einsatzkräfte waren noch dabei, die Gefahr zu beseitigen, als gegen 14.30 Uhr der Senior-Autofahrer aus dem Rollbarg kam und nach links auf die Wedeler Chaussee einbiegen wollte. Die Sperrung ignorierte er und fuhr über die Gegenfahrspur an mehreren wartenden Fahrzeugen vorbei. Dann trat Lars Bremer, Gruppenführer der Appener Wehr, auf den Plan. Er untersagte dem BMW-Fahrer per Handzeichen und Ansprache die Weiterfahrt.

Der 77-Jährige bremste seinen BMW aber nicht rechtzeitig ab, sodass es zu einer Berührung zwischen Auto und Feuerwehrmann kam, wobei der Helfer leicht am Knie verletzt wurde. Doch damit nicht genug. Nachdem Bremer dem Autofahrer die Situation der Sperrung noch mal verdeutlicht hatte, fuhr der 77-Jährige erneut an, weshalb der Feuerwehrmann auf die Motorhaube springen musste, um seine körperliche Unversehrtheit zu garantieren. Die Feuerwehr alarmierte die Polizei. Die nahmen noch an Ort und Stelle die Personalien des Autofahrers auf.

Staatsanwaltschaft verzichtet auf Anklageerhebung

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe leitete gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung ein. Knapp zwei Monate nach dem Vorfall verfügte das Amtsgericht Itzehoe am 19. Dezember 2019, dass dem Beschuldigten aufgrund seines Fehlverhaltens und seiner möglichen Nichteignung zum Führen von Kraftfahrzeugen vorläufig der Führerschein entzogen wird.

„Wir haben nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens auf eine Anklageerhebung verzichtet“, bestätigte am Freitag Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Das Verfahren sei mit der Zustimmung des Amtsgerichts Pinneberg nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung vorläufig eingestellt worden. Es sei dem Beschuldigten die Auflage erteilt worden, ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro an das Opfer zahlen.

Die Einstellung sei möglich geworden, weil der Autofahrer nicht vorbestraft sei und der Feuerwehrmann keine schwerwiegenden Verletzungen erlitten habe. Müller-Rakow: „Am wichtigsten war es uns aber, dass der Beschuldigte sich unter Eindruck des Ermittlungsverfahrens dazu bereiterklärt hat, auf seine Fahrerlaubnis dauerhaft zu verzichten.“ Die Einstellung werde wirksam, wenn der 78-Jährige das Schmerzensgeld an das Opfer gezahlt habe.

Feuerwehrmann will Schmerzensgeld spenden

Der betroffene Feuerwehrmann will die 500 Euro nicht behalten. „Ich habe das nicht gewollt und will mich an der Sache nicht bereichern“, sagt Lars Bremer auf Abendblatt-Anfrage. Er werde die Summe für einen guten Zweck spenden und sich nach Erhalt überlegen, welche Organisation er auswähle. Über die Sache selbst will der Gruppenführer „gar nicht mehr groß reden“. Für ihn sei der Vorfall abgeschlossen. „Mir war es am wichtigsten, dass der Mann kein Auto mehr fährt. Das ist jetzt erreicht.“

Frank Homrich, der Chef der Feuerwehren im Kreis und auf Landesebene ist, zollt der Entscheidung des Seniors, ein lebenslanges Fahrverbot zu akzeptieren, Respekt. „Ich finde gut, dass er das von sich aus macht.“ Der betagte Autofahrer habe offenbar eingesehen, dass er nicht mehr in der Lage ist, am Straßenverkehr teilzunehmen und auf unerwartet auftretende Situationen zu reagieren. Homrich lobt auch die Spenden-Idee seines Feuerwehrkameraden.

Unmittelbar nach dem Vorfall hatte der Kreisbrandmeister den Vorfall als „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ eingestuft. „Ich finde es beschämend, dass ein Autofahrer, für dessen Sicherheit wir im Einsatz sind, es billigend in Kauf nimmt, Einsatzkräfte zu verletzen“, sagte er damals. Und auch der damalige Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) verlangte, gegen ein derartiges Verhalten „mit allen rechtlichen Mitteln vorzugehen“.