Kreis Pinneberg

Ein Halstenbeker hilft seinen Freunden auf Kreta

Ein Bild der Verwüstung: Zerstörte und überschwemmte Straßen, weggespülte Autos und Müll an den Stränden prägen die Szenerie.

Ein Bild der Verwüstung: Zerstörte und überschwemmte Straßen, weggespülte Autos und Müll an den Stränden prägen die Szenerie.

Foto: Manos Hatzakis

Regenkatastrophe auf der Insel brachte viele Menschen in Not. Halstenbeker Jens Behrend organisiert eine Hilfsaktion.

Halstenbek.  Erschüttert steht Jens Behrend in seiner Garage. Um ihn herum viele Pakete. Der Grund: eine Regenkatastrophe auf der griechischen Urlaubsinsel Kreta am 11. und 12. November. Sintflutartig überschwemmen Wassermassen Häuser. Motorroller und Autos werden ins Meer gespült. Ganze Straßen sind zerstört , Geschäfte stehen unter Wasser. An diesen Tagen regnet es so viel wie sonst in einem ganzen Jahr.

Mehr als zwei Wochen ist das Unwetterereignis bereits her, doch kaum jemand in Deutschland hat davon Notiz genommen. Der Fokus lag nur auf Wahlberichten aus Amerika und den Corona-Infektionszahlen. Andere wichtige Themen wie dieses waren da – wenn überhaupt – nur Randaspekte.

Der Halstenbeker Jens Behrend aber ist emotional mitgenommen von dem Unglück. Schnellstmöglich möchte er seine zweite Heimat unterstützen und hat in Windeseile eine Hilfsgütersammelaktion gestartet. Er und die Insel – das ist eine eigene Geschichte.

Behrend lebte und arbeitete lange auf der Insel

Lange Zeit arbeitet und lebt er auf der größten Insel Griechenlands. Sechs Jahre lang ist er in der Entertainmentleitung für das Reiseunternehmen TUI tätig. Nur über den Winter, wenn kaum etwas in den Hotels los ist, kommt er nach Deutschland. Er schließt Freundschaften, lernt viele Kollegen kennen. 2014 zieht er schließlich zurück in den Kreis Pinneberg, nach Halstenbek. Hier arbeitet er als Projektleiter für Veranstaltungstechnik, hauptsächlich für große Konzerte und Festivals.

Und plötzlich hört er nun von der Katastrophe auf Kreta, seinem Kreta. „Läden, Häuser und Restaurants sind überschwemmt worden. Straßen wurden zerstört, sie sind nicht mehr befahrbar. Das Hab und Gut vieler Menschen ist ruiniert oder ins Meer gespült worden“, berichtet der Halstenbeker dem Abendblatt. Viele Freunde und Bekannte von ihm seien direkt oder indirekt betroffen. „Freunde von mir betreiben eine Bar direkt am Strand – sie wurde komplett überflutet.“

Der 35 Jahre alte Familienvater ist geschockt. Es löse Trauer und Sorge in ihm aus, schließlich betrifft das Unglück nicht nur Bekannte, sondern Freunde. Er möchte etwas unternehmen. Doch die Organisation sei keineswegs einfach, denn in Deutschland gebe es bisher kaum Berichterstattung, es fehle die öffentliche Anteilnahme. Keine deutsche Hilfsorganisation plane, den Menschen auf der Insel zu helfen.

Die erste Ladung Hilfsgüter ist bereits verschickt

Also nimmt Jens Behrend das Ganze selbst in die Hand und startet eine Spendenaktion über soziale Netzwerke. Mit Hilfe seiner Frau Vanessa sammelt er die Pakete in einer Garage in Halstenbek. Er habe über das Internet viele ehemalige Kollegen, aber auch Freunde und Fremde aus ganz Deutschland auf seine Aktion aufmerksam machen können. Anderthalb Wochen nach dem Unglück können sie bereits 19 Pakete mit je zehn Kilo Inhalt nach Kreta schicken.

„Es war unglaublich, in kurzer Zeit war die Garage voll. Wir waren sehr gerührt!“, sagt Jens Behrend. Die Insel bitte vor allem um Klamotten und Windeln, weiß er. Durch seine Kontakte weiß der 35-Jährige genauer Bescheid und kann seine Hilfsaktion besser organisieren. Ein ehemaliger griechischer Mitarbeiter betreut die Tourismuswebsite auf Kreta, sowie die Social-Media-Kanäle. „Er ist dadurch gut in der Lage, die Pakete anzunehmen und über die Insel zu verteilen“, sagt Jens Behrend. Somit wisse er, wo was gebraucht werde. Auch das griechische Rote Kreuz helfe bei der Verteilung der Hilfsgüter vor Ort mit.

Die zweite Ladung Pakete wird am Sonnabend verschickt

Die Katastrophe ereignete sich hauptsächlich im touristisch beliebten Norden der Insel. Der circa 25 kilometerlange Küstenbereich zwischen Malia und Gouves sei am stärksten betroffen. Man spricht auch vom Großraum Hersonisos. Darunter auch das Dorf Analipsi, hier sei die Lage besonders schlimm.

Neben der Hilfe vom griechischen Roten Kreuz helfen viele Bewohner, die Insel wieder auf Vordermann zu bringen. „Ein paar Tage nach dem Unglück reinigten viele Freiwillige den Strand, befreiten ihn von Plastik und Müll“, berichtet Jens Behrend.

Auch an diesem Sonnabend, 28. November, sendet Behrend erneut eine Ladung Pakete nach Kreta. „Wieder 19 Pakete!“, berichtet er zufrieden. Jens Behrend zeigt, dass es auch möglich ist, aus der Ferne zu helfen.

Weitere Infos und Bilder der Naturkatastrophe auf der griechischen Insel sind auf dieser Facebook-Seite zu finden: Analipsi Village, Hersonisos Crete Wer den Betroffenen auf Kreta helfen möchte , kann dies mit einer beliebig hohen Geldspende tun. Der Link zum Spendenkonto findet sich unter: https://gogetfunding.com/a-small-help-for-analipsi-flood-disaster/