Kreis Pinneberg

Befreiungsversuche einer Galeristin

| Lesedauer: 3 Minuten
Burkhard Fuchs
Karin Weißenbachers Hommage an den Zauber- und Entfesselungskünstler Harry Houdini.      

Karin Weißenbachers Hommage an den Zauber- und Entfesselungskünstler Harry Houdini.      

Foto: Burkhard Fuchs

Karin Weißenbacher in Barmstedt trotzt der Kunst- und Kulturflaute – und zeigt unter anderem einen Entfesselungskünstler.

Barmstedt.  Kunst und Kultur machen zurzeit auch im Kreis Pinneberg wegen des Corona-Lockdowns überwiegend Pause. Da bildet die Schlossinsel Barmstedt für alle Kunstfreunde eine große Ausnahme. Mit einer eigenen Werkschau in ihrem Galerie-Atelier III und einer Außenschau auf dem Gelände des Schlossinselparks setzt die Galeristin und Künstlerin Karin Weißenbacher einen bewussten Kontrapunkt gegen das kulturlose Einerlei. Noch bis Anfang Dezember zeigt sie in ihrer Galerie, dem ehemaligen Gerichtsschreiberhaus von 1826, Dutzende ihrer eigenen Bilder und Skulpturen aus den vergangenen 25 Jahren ihres Schaffens, die fast alle in diesen Räumen entstanden sind. Während draußen im Park am Rantzauer See „Kunst unter freiem Himmel“ zu bestaunen ist, die Bildhauer Jörg Plickat, Georg Engst, Jürgen Gaedke, Arne Prohn und Ralf Kleine angefertigt haben.

„Die Außenschau wird sehr gut angenommen“, hat Karin Weißenbacher festgestellt. „Die Leute kommen vorbei, schauen sich die Kunstwerke in aller Ruhe an und machen Picknick.“ Das sei ein sehr bewusstes, interessiertes Publikum. Am Wochenende mache das Galerie-Café, das zurzeit Corona-bedingt auch geschlossen ist, Außer-Haus-Verkauf, sodass die Kunstfreunde ihren heißen Tee oder Kaffee dann nicht einmal mitbringen müssten.

Zehn Personen gleichzeitig dürfen in die Galerie

Vor allem die zum Teil riesig wirkenden Skulpturen des Bildhauers Plickat aus Bredenbek in Schleswig-Holstein beeindrucken dabei. Sein 3,20 mal vier Meter großes Tor aus dickem Kortenstahl direkt am See stehend ist eine kolossale Verbindung von Kunst und Ästhetik im öffentlichen Raum.

In ihren Räumen im Galerie-Atelier III, in die sie bis zu zehn Personen gleichzeitig hineinlassen darf, zeigt Karin Weißenbacher vor allem neuere Arbeiten ihres kreativen Schaffens. Neben den gemalten Heiligenfiguren ist ihr buddhistisches „Pferd im Wind“ ebenso ausgestellt wie ihr grüner Froschprinz mit goldener Krone. Besonders komponiert hat sie ihr jüngstes Werk, das an der Decke hängt – und das ihr sogar gerade den ersten Preis des Rosa-Bartl-Kunstpreises eingebracht hat. Der ist ihr im Oktober im großen Saal der Freien Akademie der Künste in Hamburg verliehen worden.

Galeristin lässt den Entfesselungskünstler fliegen

Das Thema habe sich um Magie und Zauberei gedreht, und so habe sie eine Figuren-Installation des weltberühmten Zauber- und Entfesselungskünstlers Harry Houdini (1874 bis 1926) eingereicht. Die freischwebende Figur des Künstlers, der sich gern unter Wasser vor Publikum von seinen Fesseln befreite, ist mit schweren Eisenkugeln behangen. „Escape“, also Flucht, hat Weißenbacher ihr zehn Kilogramm schweres Kunstwerk genannt, das das Paradoxe von Houdinis geheimnisvoller Kunst zeigen soll, „wie es ihm scheinbar in Ketten liegend gelingen konnte, sich davon zu befreien“, erklärt Weißenbacher. „Bei mir scheint er sogar zu fliegen.“ Ihr ausgezeichnetes Kunstwerk sei gerade wieder aus Hamburg eingetroffen und nun erstmals auf der Schlossinsel öffentlich zu sehen.

Wie überall gelten auch beim Besuch im Galerie-Atelier III Maskenpflicht und Abstandsregeln. „Aber das ist im Moment sowieso kein Problem“, sagt Karin Weißenbacher. Die Zahl der Besucher auf der Barmstedter Kunstinsel habe sich im Moment stark reduziert.

Werkschau, Di–Do 14–18 Uhr, Sa/So 12–18 Uhr, Galerie-Atelier III, Rantzau 11, Barmstedt, Eintritt frei.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg