Schenefeld

Europa Hörspiele: Diese Chronik ist ein Muss für Fans

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Arne Kolarczyk
Andreas Wilken von „Timmse und die Hörspiele" in Schenefeld mit der von ihm herausgegebenen Europa-Chronik, die 420 Seiten stark ist.

Andreas Wilken von „Timmse und die Hörspiele" in Schenefeld mit der von ihm herausgegebenen Europa-Chronik, die 420 Seiten stark ist.

Foto: Arne Kolarczyk

Andreas Wilken aus Schenefeld gibt Buch über Kult-Hörspielmarke Europa heraus, die lange von Quickborn gesteuert wurde.

Schenefeld.  Von Quickborn aus wurde einst Hörspielgeschichte geschrieben. Und die Geschichte der Firma Miller International und ihrer Marke Europa geht nun von Schenefeld aus um die Welt – dank Andreas Wilken. Der Schenefelder ist einer der beiden Mitbegründer des bundesweit einmaligen Hörspielladens „Timmse und die Hörspiele“ – und Herausgeber der „Europa-Chronik“ , die von den Autoren Frank Boldewin und Wolfgang Damerius unter Mithilfe vieler Protagonisten der Hörspielfirma verfasst worden ist.

Sie ist 420 Seiten stark, 2,3 Kilogramm schwer – und ein Muss für jeden Fan der Hörspiele aus dem Haus Europa beziehungsweise Miller. Und das sind so ziemlich die erfolgreichsten der Branche. Etwa Die Drei ???, TKKG, Fünf Freunde, Hanni und Nanni oder etwa Hui Buh – Das Schlossgespenst, um nur einige zu nennen. Diese (oder andere) Hörspiele auf Kassette haben die Jugend vieler Menschen maßgeblich geprägt.

Etwa die des Schenefelders Andreas Wilken. „Ich bin hörspielbekloppt“, bekennt er. Das eint ihn mit Mathias Timm, dem Namensgeber des Geschäftes „Timmse und die Hörspiele“ an der Schenefelder Hauptstraße. 2004 haben beide das Geschäft eröffnet. Initialzündung war ein gemeinsamer Flohmarktbesuch. „Mathias kaufte eine Hörspielkassette für 50 Cent. Einige Stände weiter kaufte er das gleiche Hörspiel noch einmal“, erinnerte sich Wilken. Auf die Frage, warum er das tue, lautete die Antwort, dass diese Kassetten auf Ebay fünf Euro einbringen würden. Wilken: „Ich bin Kaufmann und habe mir gedacht, daraus machen wir ein Geschäft.“

5000 Hörspielkassetten stapeln sich im Keller

Das läuft seit nunmehr 16 Jahren und hat sich in der Zeit mehrfach vergrößert. In den etwas verschachtelten Räumen an der Hauptstraße, aber vor allem im Keller, finden Hörspielfans alles, was ihr Herz höher schlagen lässt. Allein im Keller stapeln sich 5000 Hörspielkassetten. „Wir kaufen große Sammlungen auf und verkaufen die Hörspiele einzeln weiter“, verrät der Geschäftsinhaber das simple Geschäftsmodell. 95 Prozent des Umsatzes machen die beiden „Hörspielbekloppten“ online. Die Kunden kommen aus der ganzen Welt. Unter der gängigen Domain www.pop.de werden fast 32.000 Hörspiele angeboten.

Viele davon stammen aus dem Haus Europa – oder von Miller International, wie die 1961 gegründete Firma einst hieß. Drei Männer taten sich damals zusammen, darunter Namensgeber Dave Miller. Zunächst standen Musikveröffentlichungen im Vordergrund, doch die 1965 gegründete Untermarke Europa spezialisierte sich schnell auf kindgerechte Unterhaltung. Märchen und Abenteuergeschichten wurden vertont – etwa Till Eulenspiegel, Max und Moritz oder der Struwwelpeter. 1967 zieht Miller International ins neuerbaute Domizil nach Quickborn, wo die Firma bis 1983 sogar ein Plattenpresswerk betrieb – und revolutionierte von dort den Markt der Hörspiele. Bereits seit 1969 unter dem Dach des amerikanischen Medienriesen MCA als neuer Eigentümer.

Die Chronik beschreibt detailliert, wie etwa die Kulthörspielreihe Die Drei ??? entstand und porträtiert die Autoren und die Macher, die hinter den meisten Hörspielerfolgen der Firma stehen – wie etwa Heikedine Körting, die als Regisseurin und als „Märchenkönigin“ sich einen Namen machte. Doch auch andere Produkte des Hauses Miller, das 1990 vom Bertelsmann-Konzern übernommen wurde und fortan unter BMG Ariola Miller firmierte, finden breiten Raum. Auch Originalmanuskripte von Serien, die nie erschienen sind, haben die Autoren zusammengetragen. Sechs Jahre lang haben sie an der Chronik gearbeitet und hatten dann Probleme, einen Verlag zu finden.

2004 zog BMG Ariola Miller von Quickborn nach Hamburg

Letztlich sprang der Schenefelder Andreas Wilken in die Bresche, der die Autoren auf einer Hörspielmesse kennengelernt hatte. Er hat 40.000 Euro investiert, um das Werk herauszubringen. „Wir agieren schon lange als Verlag, bringen auch selbst Hörspiele heraus, wenn die Serien bei anderen Verlagen beendet werden“, sagt Wilken. Ein Buch herauszubringen, sei aber dann doch etwas neues für ihn gewesen. „Es hat mich stolz gemacht, da als Herausgeber zu stehen.“

Und der kommerzielle Erfolg gibt dem Schenefelder Recht. 2500 Stück der Chronik hat er bei einer Druckerei in Lübeck herstellen lassen. Inzwischen sind alle vergriffen. „Wir haben die Chronik in alle Welt verschickt, in die USA, nach Australien, sogar auf die niederländischen Antillen.“ Inzwischen hat Wilken eine zweite Auflage des Werkes mit zunächst weiteren 1000 Stück geordert, die zum Preis von 34,95 Euro verkauft werden soll.

Die Geschichte von BMG Ariola Miller in Quickborn endete übrigens im Frühjahr 2004 mit dem Umzug nach Hamburg. Inzwischen firmiert das Unternehmen als Sony Music Family Entertainment. Die Marke Europa ist aber bis heute geblieben und wird weiterhin große und kleine Hörspielfans mit Nachschub versorgen. Und dabei ist „Timmse und die Hörspiele“ in Schenefeld eine große Hilfe. 1000 bis 1200 Hörspiele verkaufen die beiden Schenefelder pro Tag. Dreimal täglich kommt die Post, um die vielen Pakete abzuholen.

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