Kreis Pinneberg

Drostei reicht Magazinfund nach Uetersen weiter

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Katja Engler
Stefanie Fricke (l.), künstlerische Leitung der Drostei und Ute Harms, Leiterin des Museums Langes Tannen.

Stefanie Fricke (l.), künstlerische Leitung der Drostei und Ute Harms, Leiterin des Museums Langes Tannen.

Foto: Katja Engler

Die beiden Mappen stammen aus der Uetersener Sammlung Tartsch & Meyer und gehen an das Museum Langes Tannen.

Uetersen.  Vielleicht fünfzehn oder sogar zwanzig Jahre müssen die beiden Mappen im Dunkeln gelegen haben. Total verstaubt, aber trocken hatte Stefanie Fricke sie nach dieser langen Zeit unter einem alten, baufälligen Schrank hervorgezogen.

Dank Corona hatte die Leiterin der Drostei nämlich endlich Zeit gefunden, auch ein entlegenes Magazin wie das Bilderlager im zweiten Stock endlich mal durchzuforsten und zu entrümpeln. Dabei stieß sie auf die Mappen, die sie jetzt an die Uetersener Museumsleiterin Ute Harms übergeben hat.

Es ist kein spektakulärer Fund. Aber ein bedeutender. Und wahrscheinlich das vorläufige Ende einer unrühmlichen Geschichte, die Kulturkenner heute als Schande einstufen: Die Mappen gehörten den Uetersener Männern Hermann Tartsch und Emil Meyer, die in jahrzehntelanger akribischer Sammelleidenschaft eine für die Region einmalige volkskundliche Sammlung zusammengetragen hatten, die die Verantwortlichen der Stadt Uetersen, ignorant wie sie Mitte der 1990er Jahre waren, im Handstreich zerschlugen und versteigerten (wir berichteten).

Es ging dabei nämlich nicht um große materielle Werte, sondern um ideelle und stadtgeschichtliche. Tartsch und Meyer konnten in ihrer Wohnung an der Uetersener Mühlenstraße authentisch demonstrieren, wie das Kleinbürgertum im 19. Jahrhundert gelebt hat. Das ist heute so nicht mehr rekonstruierbar und also unwiederbringlich verloren, worüber die Leiterin des Museums Langes Tannen vor einiger Zeit einen wissenschaftlich fundierten Aufsatz verfasst hat, der den Verantwortlichen womöglich die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.

Stefanie Fricke trägt keine Verantwortung für die Zerschlagung der Sammlung. Ein amtliches Schreiben, das Ute Harms vorliegt, teilt mit, was damals in der Drostei verblieben sei. Es war aber nicht mehr auffindbar. Bis jetzt. „Ich hatte ein Interesse daran, diese Geschichte mit Tartsch und Meyer zu verstehen. Wie das passieren konnte, hat mich beschäftigt. Die Mappen waren aber nicht da“, sagt Fricke.

Bis sie sie unter dem alten Schrank fand. „Das könnten sie sein“, dachte Stefanie Fricke sofort. Bald hatte sie Gewissheit und nahm Kontakt zum Vorstand der Stiftung Landdrostei auf: „Wir haben keine Verwendung dafür. Bei uns in Pinneberg lassen sich die Funde in keinen Kontext einsortieren. Sie gehören einfach nach Uetersen.“ Konkret geht es um rund 30 Scherenschnitte aus der Hand von Hermann Tartsch, außerdem Zeichnungen, Gouachen und zwei Aquarelle von der Hamburger Künstlerin Hilda Körner.

„Ich freue mich natürlich sehr, dass wenigstens diese Mappen wieder zu mir kommen“, sagt Ute Harms. „In Erinnerung an die beiden Herren, die so viel für Uetersen getan haben“ hat sie im Herrenhaus ein kleines Tartsch-und-Meyer-Zimmer eingerichtet. Einzelne Geschirrteile, zwei Leuchter, eine Truhe, Fotos und Bilder sind darin ausgestellt. „Vielleicht stelle ich einige von den Scherenschnitten aus“, überlegt Harms.

Zunächst aber ist ihr Interesse an Hilda Körner erwacht, deren Nichte sie mit Hilfe eines Kurators vom Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in den USA ausfindig gemacht hat. Mit ihr hat sie Kontakt aufgenommen, sie besitzt noch einen Teil vom Archiv ihrer Hamburger Tante.

Das MKG hat die Werke Körners und ihres Lebensgefährten Lothar Walther bereits vor einigen Jahren ausgestellt. „Wir werden vielleicht eine kleine Ausstellung mit Zeichnungen und Aquarellen von Hilda Körner machen. Ich verspreche mir sehr viel von diesem Kontakt“, sagt Ute Harms.

Kein Zweifel besteht daran, dass die Hamburger Grafikerin, die bei Alfred Mahlau studiert hatte, ab und zu bei Hermann Tartsch und Emil Meyer zu Besuch war: Eines der beiden Aquarelle, die die Mappen zu Tage gefördert haben, zeigt nämlich ein hölzernes Wandbord, auf dem lauter bunte Teller aufgereiht ruhen. Einer dieser Teller steht in der Vitrine des Tartsch-und-Meyer-Zimmers in Uetersen.

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