Kreis Pinneberg

Mordversuch an Polizisten – Täter ist schuldunfähig

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Arne Kolarczyk
Ein Flatterband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" (Symbolbild).

Ein Flatterband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" (Symbolbild).

Foto: Patrick Seeger / dpa

Staatsanwaltschaft schließt Ermittlungen gegen Elmshorner (34) ab und will ihn dauerhaft in eine Klinik einweisen.

Elmshorn.  Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat die Ermittlungen gegen einen 34 Jahre alten Elmshorner abgeschlossen, der Mitte Juli zwei Polizisten mit Wurfmessern attackiert hat. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Die Tat soll er in Folge einer schweren psychischen Erkrankung im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben.

„Wir haben eine Antragsschrift mit dem Ziel verfasst, den Beschuldigten dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen“, bestätigt Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, der Sprecher der Anklagebehörde. Das Sicherungsverfahren werde vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe erfolgen, einen Termin dafür gebe es noch nicht.

Beschuldigter soll drei Straftaten begangen haben

Dem 34 Jahre alten Mann werden gleich drei Straftaten an diesem 15. Juli zur Last gelegt. Zunächst soll er auf seine Nachbarn losgegangen sein, weil ihm diese zu laut waren. Er bedrohte diese mit einer Wurfaxt, die er zum Glück nicht einsetzte. „Wir haben diese Tat als Bedrohung gewertet“, so Müller-Rakow.

Die schwerwiegendste Tat an diesem Abend ist die Attacke auf die damals 30 und 33 Jahre alten Polizisten, die sich um kurz vor Mitternacht im Bereich des Bahnhofstunnels an der Königstraße ereignet hat. Zu diesem Zeitpunkt lief ein Großeinsatz der Polizei im Innenstadtbereich, weil ein Mann im „Broderick“ mit der Explosion eines Sprengsatzes gedroht hatte. Die beiden Beamten waren für die Absperrung im Bahnhofstunnel zuständig. Der 34-Jährige sei dann plötzlich oberhalb der Beamten aufgetaucht und habe zwei Wurfmesser auf diese geschleudert. „Sie haben mitbekommen, wie die Wurfmesser knapp an ihren Köpfen vorbeiflogen“, so Müller-Rakow.

Die Staatsanwaltschaft wertet diese Tat als zweifachen versuchten Mord. „Wir gehen von einer heimtückischen Tatbegehung aus“, so der Oberstaatsanwalt. Die Beamten seien von der plötzlichen Attacke völlig überrascht worden.

Beschuldigter sitzt in Lübeck in Untersuchungshaft

Nach der Tat flüchtete der Elmshorner zu seiner Wohnung. Auf dem Weg dahin soll er einen Funksender der Deutschen Bahn zerstört haben, sodass als dritter Tatbeitrag an diesem Abend eine Sachbeschädigung hinzukommt. Dank der Hilfe von Zeugen konnte er bis zu seinem Wohnhaus verfolgt werden, wo die Festnahme erfolgte. Einen Tag danach erließ ein Amtsrichter einen Haftbefehl gegen den Elmshorner.

Seitdem sitzt der mehrfach vorbestrafte Mann in der Justizvollzugsanstalt Lübeck ein. Dort hat eine psychiatrische Sachverständige den Mann untersucht. Sie kommt in ihrem vorläufigen Gutachten zu dem Schluss, dass der 34-Jährige aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht schuldfähig ist. Sie geht zudem aus, dass von dem Elmshorner in Zukunft weitere schwerwiegende Straftaten zu erwarten seien, er also für die Allgemeinheit gefährlich ist. Daher soll er dauerhaft weggesperrt werden.

Die Staatsanwaltschaft hat laut ihrem Sprecher Müller-Rakow nach Vorlage des Gutachtens inzwischen den Antrag bei Gericht gestellt, den Haftbefehl gegen den 34-Jährigen aufzuheben und stattdessen eine vorläufige Unterbringung in einer geschlossenen Fachklinik zu veranlassen.

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