Kreis Pinneberg

Dirk Woschei ist neuer Bürgermeister in Uetersen

Dirk Woschei (vorne) verfolgte zusammen mit seinem Mentor Thies Tiessen die Wahlergebnisse – und merkte früh, dass sein Sieg nicht gefährdet ist.

Dirk Woschei (vorne) verfolgte zusammen mit seinem Mentor Thies Tiessen die Wahlergebnisse – und merkte früh, dass sein Sieg nicht gefährdet ist.

Foto: Burkhard Fuchs

SPD-Kandidat gewinnt Bürgermeisterwahl mit 1545 Stimmen Vorsprung. Karabacak (CDU) will 2026 wieder antreten

Uetersen.  Das Ergebnis war eindeutig. Die Bürger Uetersens haben am Sonntag Dirk Woschei (SPD) zum neuen Bürgermeister der Rosenstadt gewählt. Er erhielt 62,77 Prozent der Stimmen . Für seinen Gegenkandidaten in der Stichwahl, Baris Karabacak von der CDU, stimmten 37,23 Prozent der Uetersener.

Damit geht die Tradition weiter, dass sich vorwiegend Kandidaten mit einem sozialdemokratischen Parteibuch in Uetersen durchsetzen. Dirk Woschei (42) ist seit 1945 bereits der sechste Verwaltungschef an die Spitze des Rathauses, der ein SPD-Parteibuch besitzt. Auch Amtsinhaberin Andrea Hansen, die nach zwei Amtszeiten mit 63 Jahren nicht wieder antrat, ist Sozialdemokratin. Lediglich von 1994 bis 2009 gab es mit Karl Gustav Tewes und Wolfgang Wiech parteilose Bürgermeister.

Woschei tritt am 1. April 2020 sein Amt als Bürgermeister an

Woschei hatte in allen acht Wahlbezirken der Stadt klar die Nase vorn. Schon die ersten Ergebnisse ließen erahnen, dass es nicht zu einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“ kommen würde. „Ich hätte mit einem knapperen Ausgang gerechnet“, bekannte der Wahlsieger. Er freue sich nun umso mehr, dass seine Persönlichkeit und sein Auftreten eine so große Mehrheit der Uetersener Bevölkerung überzeugt haben. Woschei: „Das hervorragende Wahlergebnis, das mir die Wählerinnen und Wähler heute Abend beschert haben, macht mich glücklich und bestätigt den Erfolg einer anstrengenden und auch befriedigenden Wahlkampagne.“ Amtsantritt ist am 1. April 2021.

Der Wahlkampf war anstrengend für den leitenden Mitarbeiter einer Wochenzeitung in Hamburg. 4500 Hausbesuche habe er seit Juli nach Feierabend und an den Wochenenden gemacht, sagte Woschei. „Das war anstrengend, aber hat sich gelohnt.“ Nicht nur wegen des positiven Wahlausgangs. „Ich habe viele tolle Gespräche mit den Uetersener Bürgern geführt. Die Leute freuen sich, wenn man vorbeikommt.“

Thies Thiessen unterstützte Woschei im Wahlkampf

Wie schon zuvor an gleicher Stelle Andrea Hansen, Heike Döpke in Barmstedt oder Claudius von Rüden in Halstenbek hatte der SPD-Chefstratege Thies Thiessen aus Meldorf Woschei im Wahlkampf unterstützt und beraten. 31 Wahlsiege kann der „Bürgermeister-Macher“ der Landes-SPD jetzt vorweisen. Der erste war 2005 ebenfalls im Kreis Pinneberg – damals unterstützte er Christiane Küchenhof (SPD) in Schenefeld.

„Ich mache nicht den Bürgermeister. Der Wähler entscheidet. Aber gewinnen macht Spaß. Entscheidend ist immer der Kandidat. Mit einem schlechten kann man keine Wahl gewinnen. Aber das war hier mit Dirk Woschei natürlich nicht der Fall. Der war zu gut.“ Mit dem Sieger freute sich auch dessen Ehemann Marc Woschei. „Ich bin erleichtert, dass sich der Aufwand für Dirk gelohnt hat.“ Eigentlich wollte der neue Bürgermeister die Bekanntgabe der Wahlergebnisse mit einigen Unterstützern und Parteifreunden in der Kleinen Stadthalle verfolgen. Dies ließ jedoch die Corona-Pandemie nicht zu, sodass in ganz kleinem Kreis Zuhause gefeiert wurde.

Baris Karabacak (CDU) will 2027 erneut antreten

Das galt auch für den unterlegenen CDU-Kandidaten. Baris Karabacak, der aus Pinneberg stammt, nahm seine Wahlniederlage sportlich. „Uetersen ist nun mal eine rote Hochburg, eine SPD-Stadt.“ Da sei es für ihn als CDU-Mann nicht leicht gewesen. „Aber kein Problem. Ich habe für mich gewonnen und werde jetzt auch hier in Uetersen bleiben. Ich habe die Stadt in mein Herz geschlossen. Hier ist viel Arbeit für mich.“

Der Streit mit Anne Lamsbach, die CDU-Ratsfrau war und im ersten Wahlgang als unabhängige Kandidatin antrat, habe keinen Einfluss auf das Ergebnis gehabt, glaubt Karabacak. „Ich habe davon unabhängig Wahlkampf gemacht. Nach der Wahl ist vor der Wahl. In sechs Jahren trete ich wieder an.“

Die CDU hatte Lamsbach wegen ihrer Bürgermeisterkandidatur zunächst aus allen Ausschüssen abgewählt und schließlich auch aus der Ratsfraktion ausgeschlossen. Vor vier Wochen, als mit Thorsten Berndt, Anne Dorothea Lamsbach und Bernd Möbius noch drei weitere Kandidaten antraten, lag Woschei bereits mit 29,7 Prozent um 169 Stimmen vor Karabacak, der 27,1 Prozent erreichte. Am gestrigen Sonntag holte der SPD-Kandidat 3796 Stimmen und lag damit klar mit 1545 Stimmen Vorsprung vor Karabacak, dem 2251 Uetersener ihre Stimme gaben. Insgesamt nahmen 6101 von 14.840 Stimmberechtigten an der Stichwahl teil. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 41,11 Prozent. 2460 Uetersener nutzen die Briefwahl – 400 mehr als bei der Wahl am 25. Oktober.