Kreis Pinneberg

Vom New Yorker, den es nach Pinneberg zog

Andrew Reyes (31) hat sich in seiner Pinneberger Jugendstilwohnung ein kleines Tonstudio eingerichtet.  

Andrew Reyes (31) hat sich in seiner Pinneberger Jugendstilwohnung ein kleines Tonstudio eingerichtet.  

Foto: Annika Bürck

Andrew Reyes folgte seiner Frau, fasste bei der Musical Company Fuß. Jetzt ist er bei „The Voice of Germany“ Kandidat.

Pinneberg.  Er hat den Shrek gegeben, jenen grünen, tollkühnen Helden aus der Feder des US-amerikanischen Cartoonisten und Kinderbuchautors William Steig, der durch den gleichnamigen Animationsfilm von 2001 auch hierzulande bekannt geworden ist. Auf der Bühne des Pinneberger Hotels Cap Polonio ist das gewesen, im vergangenen Jahr. Und, ja, Andrew Reyes (31) ist die Idealbesetzung für diese Rolle. Groß, kräftig, ein Mann wie ein Berg. Mit starken Händen, die über die Klaviatur seines E-Pianos nur so zu tanzen scheinen.

Und mit einer ganz sanften Stimme. Nun plant Andrew Reyes, Musiker, gebürtiger New Yorker, Wahl-Pinneberger seit 2016, den nächsten Coup. Er möchte bei „The Voice of Germany“, einer Gesangstalentshow im Fernsehen, weiterkommen. Der Anfang ist gemacht, es sieht gut aus: Mit Elton Johns Lied „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ hat Andrews zwei der Juroren – die Sänger Nico Santos und Mark Forster – für sich gewinnen können. Er ist eine Runde weiter, die aufgezeichneten Folgen werden vom 26. November an ausgestrahlt. Dann stellt sich heraus, ob er es in die Liveshows im Dezember schaffen wird oder nicht.

Mit 13 Jahren entdeckte Reyes die Liebe zur Musik

Von New York nach Pinneberg, das ist ein ungewöhnlicher Weg. Wir besuchen Andrews in seiner Jugendstilwohnung am Rande der Innenstadt. „Ich mache eigentlich schon mein ganzes Leben lang Musik“, beginnt er zu erzählen. Der Mann spricht nahezu akzentfrei nach erst vier Jahren in Deutschland. Es ist also das Jahr 2002, als sich der damals 13-Jährige ernsthafter mit der Materie zu beschäftigen beginnt. In der Bogota Jr./Sr. High School im Bundesstaat New Jersey lernt er erst Posaune, später auch Tuba, Klavier und E-Bass. Zum Singen kommt er dann eher zufällig. „Ich begann zunächst im Chor. Für eines der Lieder sang ich für ein Solo vor, und der Bandleiter hörte mich und fragte, ob ich Interesse hätte, der Band beizutreten. Das tat ich dann auch.“

Nach seinem Schulabschluss fängt Andrew Reyes an, Musik zu studieren. Er bricht allerdings ab – private Gründe hätten ihn gezwungen, früh Geld zu verdienen, berichtet er. In New York lernt er ein deutsches Au-pair kennen. Seine spätere Ehefrau, der er 2016 in den Kreis Pinneberg folgt. „Nach Holm“, sagt er, „da meine Frau dort eine Ausbildung gemacht hat.“

Die Ehe zerbricht, Andrews bleibt dennoch im Kreis Pinneberg. Er zieht in die Kreisstadt. „Weil es mir wie ein guter Kompromiss erschien. Ich arbeite in Hamburg, und es ist eine gute Verbindung, nur mit der Bahn, man muss keinen Bus nehmen.“ Er lebe nicht sehr gern in einer großen Stadt, „aber ich bin ihr gern so nah, dass ich schnell reinfahren kann, wenn ich möchte“. In Hamburg arbeitet er als E-Commerce-Manager; seine neue Verlobte lebt in Katar.

Seit 2018 tritt Reyes mit der Musical Company Pinneberg auf

Im Moment könne er sich gar nicht vorstellen, zurück in die USA zu ziehen, sagt Reyes. Er sei sehr glücklich mit seinem Leben hier in Deutschland. „Ich finde die Lebensqualität viel besser, und im Moment bin ich glücklich, wo ich bin“, sagt er.

Anfangs ist in Deutschland alles völlig fremd für ihn – neue Leute, unbekannte Sprache. Trotzdem spielt die Musik in seinem Leben weiterhin eine sehr große Rolle. Ein Jahr lang spielt er den E-Bass in einer Hamburger Band. 2018 rutscht der Amerikaner plötzlich in die Musical Company Pinneberg hinein. Durch einen Facebook-Aufruf wird er darauf aufmerksam. „Ich bin da ganz zufällig reingekommen und fragte, ob sie auch etwas auf Englisch aufführen“, sagt er, „meine Deutschkenntnisse waren da noch ganz frisch.“ Er solle einfach vorbeikommen, hört er. So steht der Mann aus der Musical-Metropole New York im November 2018 in einer Nebenhauptrolle im Stück „Rent“ auf der Bühne – in Pinneberg.

Während den Proben für sein zweites Musical mit der Music Company absolviert er seinen Sprach- und Einbürgerungstest beim VfL Pinneberg und besteht ihn. „Die Musical Company ist der Grund dafür, dass ich so gut Deutsch kann. Ich musste ja auf Deutsch singen und schauspielern“, sagt Andrew Reyes, „das war am Anfang gar nicht so leicht.“ Die Musical Company – jenes Ensemble, das ihn schließlich zum Shrek werden ließ – ist für ihn ein weiterer Grund, Pinneberg die Treue zu halten.

Reyes nahm schon an mehreren Casting-Shows teil

Und nun steht der Sprung von der Musicalbühne im Hotel Cap Polonio auf die Fernsehbühne an. Andrew Reyes hat schon ein bisschen Fernseherfahrung. Vor elf Jahren bewirbt er sich bei „American Idol“, einer Talentshow in den USA, die den hiesigen sehr ähnlich ist. Aber sie wollen ihn nicht. In seinem ersten Jahr in Deutschland bewirbt sich der gebürtige New Yorker bei „Deutschland sucht den Superstar“, doch auch dort hat er keinen Erfolg. „Mein Casting wurde damals nicht mal ausgestrahlt“, sagt Reyes, „Dieter Bohlen fand meine ausgewählten Songs zu langweilig.“ Dabei habe er Lieder von John Legend und Elton John gesungen.

Doch Andrew Reyes ist kein Typ, der aufgibt. „Nachdem ich in den Vorrunden von ,The Voice of Germany‘ 2017 ausgeschieden bin, habe ich es dieses Jahr spontan noch einmal versucht. Und – es hat geklappt.“ Er sei sehr froh, bei dieser Fernsehshow dabei zu sein. „Bei der geht es wirklich um das Talent der Teilnehmer und nicht um Unterhaltung“, meint der Wahl-Pinneberger.

Auf der Bühne versucht er, einfach Spaß zu haben. Seine Aufregung halte sich in Grenzen: „Erst kurz bevor es losgeht, bin ich etwas aufgeregt, ab dem Moment, in dem ich die Bühne betrete. Nachdem ich dann meinen ersten Satz gesungen habe, bin ich sofort drin und in einer ganz anderen Welt.“ Auch die Angst davor, seinen ersten Auftritt zu beenden, ohne dass sich einer der Juroren nach ihm umgedreht hätte, hatte er nicht. „Ich erwartete nichts und sah es als meine persönliche Chance, Erfahrung zu sammeln“, sagt er. Als sich der Sänger Mark Forster dann auf seinem Stuhl umdrehte und ihn ansah – ein gutes Zeichen bei dieser Sendung! – habe ihn das „gepusht“ und ihm noch mehr Selbstbewusstsein gegeben. „Ich hatte plötzlich noch mehr Energie.“

Auch wenn er jetzt so weit gekommen ist, hat er keine großen Erwartungen an sich. „Man muss nicht gewinnen. Jeder sollte einfach zeigen, was er kann“, sagt Reyes. „Mir ist es wichtig, sagen zu können, dass ich zufrieden mit mir bin.“

Nächste Runde: Do 26.11., 20.15 Uhr, Pro7